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ACES (Academy Color Encoding System) ist ein von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences entwickeltes, offenes Farbmanagement-Framework für die Filmproduktion, das szenenreferenzierte Farbcodierung mit einer einheitlichen Pipeline von der Aufnahme bis zur Archivierung verbindet.

Was ist ACES?

Bevor ACES existierte, arbeitete jede Filmproduktion mit proprietären Farbräumen und -systemen: ARRI mit Log C, RED mit REDLogFilm, Sony mit S-Log. Die Konsequenz: Beim Zusammenführen verschiedener Kamera-Aufnahmen in der Post-Production entstanden aufwändige, fehleranfällige Konvertierungsprozesse – und Archivierungen verloren mit der Zeit ihre Reproduzierbarkeit.

ACES löst dieses Problem durch einen gemeinsamen, geräteunabhängigen Austausch-Farbraum und eine normierte Pipeline. Es wurde ab 2004 entwickelt und 2012 offiziell von der Academy veröffentlicht (SMPTE 2065-1:2012). Heute ist ACES der de-facto Standard für Premium-Filmproduktionen weltweit (LaRochelle, 2020).

Erklärung

ACES Farbraum – AP0 und AP1

ACES definiert zwei primäre Farbraum-Primaries:

AP0 (ACES 2065-1): Der primäre Archiv- und Austauschfarbraum. Er umschließt den gesamten sichtbaren Farbraum der CIE-Normfarbtafel und sogar einen kleinen Bereich darüber hinaus – damit werden alle theoretisch denkbaren Farben abgedeckt. AP0 verwendet D60 als Weißpunkt und ist szenenreferenziert (Linear Light, kein Tone Mapping).

AP1 (ACEScg, ACEScc): Ein praktischerer Arbeitsfarbraum für VFX und Color Grading. Kleiner als AP0, aber immer noch deutlich größer als Rec.2020 oder DCI-P3. Ermöglicht effizientere Mathematik in Shadern und Grading-Tools.

FarbraumPrimariesWeißpunktEinsatz
ACES 2065-1AP0D60Archiv, Austausch
ACEScgAP1D60CGI-Rendering, Compositing
ACESccAP1D60Color Grading (Log-Kurve)
ACEScctAP1D60Color Grading (verbesserte Shadows)
ACESproxyAP1D60Set-Monitoring, Proxy-Workflows

Die ACES-Pipeline

Die ACES-Pipeline besteht aus klar definierten Transformationsschritten:

1. Input Transform (IDT – Input Device Transform) Konvertiert die kameraspezifischen Rohdaten (z. B. ARRI Log C, Sony S-Log, RED IPP2) in den ACES 2065-1 Farbraum. Für jede Kamera gibt es eine spezifische IDT, die von der Academy, dem Kamerahersteller oder dem Studio bereitgestellt wird.

2. ACES (Szenenreferenzierte Daten) Das Herzstück: Linear-Light-Daten, die die Beleuchtungsrealität der Szene beschreiben. Werte über 1,0 sind möglich und repräsentieren helle Lichter. Diese Schicht ist kameraagnostisch und archivierbar.

3. Look Transform (LMT – Look Modification Transform) Optionaler kreativer Eingriff des Coloristen, der eine visuelle „Look"-Korrektur auf alle Ausgaben anwendet (z. B. ein Film-Look, eine zeitliche Periode, eine kreative Stilisierung).

4. Output Transform (RRT + ODT) Die RRT (Reference Rendering Transform) konvertiert ACES in einen wahrnehmungsoptimierten, medienneutralen Zwischenraum. Die ODT (Output Device Transform) passt das Ergebnis für das spezifische Ausgabemedium an: SDR-TV (Rec.709), DCI-Kino (P3-DCI), HDR-TV (BT.2100 PQ), iPad (Display P3) usw.

Dieser Ansatz ermöglicht es, eine einzige ACES-Grading-Session für alle Ausgabeformate zu nutzen – statt für jede Ausgabe separate Konvertierungen durchzuführen.

Szenenreferenzierung vs. Anzeigereferenzierung

Ein fundamentales Konzept in ACES ist der Unterschied zwischen szenenreferenzierten und anzeigereferenzierten Farbdaten:

  • Szenenreferenziert (Scene-Referred): Werte repräsentieren die tatsächliche Lichtintensität in der Szene. Ein Wert von 10,0 bedeutet, dass das Objekt zehnmal heller war als der mittlere Grauton. Keine Gamut-Limitierung, keine Anzeigecharakteristik eingebaut.
  • Anzeigereferenziert (Display-Referred): Werte repräsentieren die Helligkeitsausgabe des Displays. Wert 1,0 = maximale Display-Helligkeit. Enthält implizit die Charakteristik des Zieldisplays.

ACES arbeitet szenenreferenziert bis zur Output Transform – das ist der Schlüssel zu seiner Flexibilität und Archivfähigkeit.

ACES und OpenColorIO (OCIO)

OpenColorIO (OCIO) ist eine Open-Source-Bibliothek für Farbmanagement, ursprünglich von Sony Pictures entwickelt und heute von der Academy Software Foundation (ASWF) verwaltet. OCIO implementiert ACES-Workflows in Anwendungen wie DaVinci Resolve, Nuke, Maya, Houdini, Blender und anderen. Eine OCIO-Konfigurationsdatei (config.ocio) beschreibt alle Farbraumtransformationen, Rendering Transforms und IDTs einer Production-Pipeline.

Beispiele

Beispiel 1 – Kinofilm: "Dune: Part Two" (2024) wurde in ACES gedreht und in DaVinci Resolve gegraded. Aus dem ACES-Master wurden Output Transforms für DCI-Kino (P3-DCI), HDR-Streaming (Dolby Vision, BT.2100), SDR-Blu-ray (BT.709) und Filmarchiv (2065-1) erstellt.

Beispiel 2 – Seriendrama: Eine Netflix-Produktion nutzt ACES mit ACEScg für alle CGI-Elemente (Blender/Houdini). IDTs für ARRI und Sony-Kameras stellen sicher, dass alle Aufnahmen farblich konsistent im gleichen Raum zusammengeführt werden.

Beispiel 3 – Archivierung: Eine Produktion aus dem Jahr 2015 wurde in ACES 2065-1 archiviert. 2030 können die Daten mit den dann verfügenden Output Transforms für neue Displaystandards konvertiert werden – ohne Qualitätsverlust, da der Archiv-Master die vollständige Szeneninformation enthält.

In der Praxis

ACES in DaVinci Resolve

In DaVinci Resolve wird ACES über Projekteinstellungen → Farbmanagement aktiviert. Als Color Science wird „DaVinci YRGB Color Managed" oder „ACES" gewählt. Die IDTs für die verwendeten Kameras werden in der Camera Raw-Sektion gesetzt. Output Transforms werden im „Color Space Transform"-Effekt oder über die Deliver-Einstellungen angewendet.

ACES in Blender (Cycles/EEVEE)

Blender nutzt ACES über OpenColorIO seit Version 2.80. Im Render-Panel unter „Color Management" kann als Display Transform „Filmic" (blenderspezifisch) oder „ACES" gewählt werden. ACEScg ist der empfohlene Renderfarbraum für korrekte Lichtsimulation.

Häufige Probleme mit ACES

  • Farbverschiebungen beim Mischen von IDTs: Wenn verschiedene Kameras mit unterschiedlichen IDTs gemixt werden und eine IDT fehlt, entstehen Farbfehler.
  • Blaue Highlights (Blue Hue Shift): ACES-Highlight-Clipping kann bei sehr hellen Lichtern eine bläuliche Verschiebung erzeugen. ACES 2.0 (in Entwicklung) adressiert dieses Problem.
  • Falsch kalibrierte Monitore: ACES auf einem nicht auf D60 kalibrierten Monitor zeigt abweichende Ergebnisse.

Vergleich & Abgrenzung

SystemAnsatzOffenArchivfähigVerbreitung
ACESSzenenreferenziert, pipeline-weitJaJaFilm, Premium-TV
DaVinci Color ManagedAnzeigereferenziert, vereinfachtNeinBedingtIndie-Film, TV
Kameranatives LogGerätespezifischNeinBegrenztKameraspezifisch
sRGB/Rec.709AnzeigereferenziertJaNeinStandard-Video

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich ACES für Indie-Produktionen nutzen? Nein. ACES hat Overhead in Einrichtung und Komplexität. Für kleinere Produktionen ist ein einfacherer Workflow (z. B. LUT-basiert oder DaVinci Color Managed) oft praktischer. ACES lohnt sich ab dem Moment, wo mehrere Kameras, VFX und verschiedene Ausgabemedien zusammenkommen.

Was ist ACES 2.0? ACES 2.0 (in Entwicklung, Stand 2024) überarbeitet die Output Transform (RRT) grundlegend, um bekannte Probleme wie den Blue Hue Shift und unnatürliches Highlight-Rolloff zu beheben. Es soll rückwärtskompatibel mit ACES 1.x bleiben.

Kostet ACES Lizenzgebühren? Nein. ACES ist ein offener Standard ohne Lizenzgebühren.

Weiterführend

  • LaRochelle, S. (2020). A Technical Introduction to OpenColorIO. ASWF Documentation.
  • SMPTE ST 2065-1:2012 – Academy Color Encoding Specification (ACES)
  • Academy of Motion Picture Arts and Sciences: www.acescentral.com
  • OpenColorIO: opencolorio.org
  • Jiang, X. (2014). Understanding ACES. ACM SIGGRAPH Kurs.
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