RGB (Red, Green, Blue) ist ein additives Farbmodell, bei dem Rot-, Grün- und Blaulichtstrahlen in unterschiedlichen Intensitäten überlagert werden, um auf Bildschirmen und in der digitalen Produktion alle wahrnehmbaren Farben zu erzeugen.
Rubrik: Grundlagen der Gestaltung · Unterrubrik: Farbsysteme & Farbräume · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: RGB-Modell, additiver Farbraum, RGB-Farbsystem; englisch: RGB Color Space, RGB Color Model
Was ist der RGB-Farbraum?
Der RGB-Farbraum ist das universelle Farbmodell der digitalen Welt: Jeder Monitor, jedes Smartphone, jeder Fernseher und jeder Projektor erzeugt Farben durch Überlagerung von rotem, grünem und blauem Licht. Der Begriff „additiv" beschreibt das Grundprinzip: Je mehr Licht addiert wird, desto heller und weißer erscheint das Ergebnis. Im RGB-System kann jede Farbe durch drei Zahlenwerte eindeutig beschrieben werden, die die Intensität der drei Grundfarben angeben.
Erklärung
Das additive Farbmodell basiert auf der Physiologie des menschlichen Auges. Die Netzhaut besitzt drei Arten von Zapfenzellen (S, M, L), die jeweils empfindlich auf kurzwelliges Blau (~420–440 nm), mittelwelliges Grün (~530–540 nm) und langwelliges Rot (~560–580 nm) ansprechen. Bildschirme nutzen genau diese biologische Tatsache: Sie kombinieren winzige rote, grüne und blaue Subpixel so, dass das Auge beliebige Farbeindrücke wahrnimmt.
Numerische Darstellung: In der 8-Bit-Codierung nimmt jeder Kanal Werte von 0 (kein Licht) bis 255 (maximale Intensität) an. Daraus entstehen 256 × 256 × 256 = 16.777.216 mögliche Farben – auch „True Color" genannt. Gebräuchliche Notationsformen:
- Dezimal: rgb(255, 128, 0) → leuchtendes Orange
- Hexadezimal: #FF8000 → Orange
- Normiert (0–1): rgb(1.0, 0.5, 0.0) → für Shader und APIs
- Prozent: rgb(100%, 50%, 0%)
Primär- und Sekundärfarben im RGB-Modell: Die additiven Mischungen der drei Grundfarben ergeben die Sekundärfarben des Lichts:
- Rot + Grün = Gelb (RGB: 255, 255, 0)
- Rot + Blau = Magenta (RGB: 255, 0, 255)
- Grün + Blau = Cyan (RGB: 0, 255, 255)
- Rot + Grün + Blau (alle 255) = Weiß
- Alle Kanäle = 0 → Schwarz (kein Licht)
RGB-Farbraumvarianten: Nicht jeder RGB-Farbraum ist gleich. Unterschiedliche RGB-Arbeitsfarbräume definieren, welche konkreten Farbtöne die drei Primärfarben repräsentieren und welches Weiß als Referenz gilt:
- sRGB (IEC 61966-2-1): Webstandard, Gamut ca. 35 % des sichtbaren Spektrums (CIE 1931)
- Adobe RGB 1998: größerer Cyan-Grün-Bereich, ca. 50 % des sichtbaren Spektrums
- DCI-P3: Kinostandard, ca. 41 % des sichtbaren Spektrums
- Rec.2020: UHD-Standard, ca. 75 % des sichtbaren Spektrums
- ProPhoto RGB: maximaler Farbraum, ca. 90 % des sichtbaren Spektrums
Der RGB-Farbraum ist geräteabhängig: Ohne ICC-Farbprofil ist nicht definiert, welche physikalischen Farben die Zahlenwerte tatsächlich beschreiben. Deshalb muss jede RGB-Datei von einem Farbprofil begleitet werden, um geräteübergreifend konsistent zu erscheinen.
Bit-Tiefe und Bandbreite: Mit 8 Bit pro Kanal entstehen 16,7 Mio. Farben – ausreichend für die meisten Anwendungen, aber anfällig für Banding bei Farbverläufen. Mit 16 Bit pro Kanal stehen 65.536 Stufen pro Kanal zur Verfügung (insgesamt 281 Billionen Farben), was Farbkorrekturen ohne sichtbare Artefakte ermöglicht.
Beispiele
- Webdesign in Figma: Alle Farben werden als HEX oder RGB angegeben – Primärfarbe #1A73E8 entspricht RGB(26, 115, 232). In den Farbeinstellungen kann direkt zwischen HEX, RGB und HSL gewechselt werden.
- Bildbearbeitung in Adobe Photoshop: Neue Dokumente für Bildschirmausgabe immer in „RGB-Farbe, 8 Bit" anlegen. Unter Bild → Modus lässt sich der aktuelle Farbraum einsehen und konvertieren.
- Videobearbeitung in DaVinci Resolve: Im Color-Modul zeigen die Parade-Scopes die drei RGB-Kanäle separat; Farbkorrekturen mit Lift/Gamma/Gain wirken auf alle drei Kanäle oder einzeln.
- Programmierung in CSS: Farben in Stylesheets als
color: rgb(255, 99, 71);(Tomatenrot) oder mit Alpha-Kanal alsrgba(255, 99, 71, 0.8)für 80 % Deckkraft. - 3D-Rendering in Blender: Texturen und Materialien nutzen lineare RGB-Werte (Gamma 1.0) intern; erst für die finale Ausgabe wird eine Gamma-Korrektur auf sRGB (Gamma 2.2) angewendet.
In der Praxis
Adobe Photoshop: Beim Anlegen eines neuen Dokuments (Datei → Neu) unter „Farbmodus" RGB-Farbe und unter „Farbprofil" sRGB IEC61966-2.1 wählen, wenn das Ergebnis für Web/Bildschirm bestimmt ist. Für hochwertige Bearbeitungen empfiehlt sich Adobe RGB 1998 mit 16 Bit. Mit Bearbeiten → Farbeinstellungen lässt sich der Standard-RGB-Arbeitsfarbraum global festlegen.
Figma: Über Datei → Dokumenteinstellungen kann der Farbraum zwischen sRGB und Display P3 umgeschaltet werden. Im Inspect-Panel werden Farben automatisch als HEX, RGB oder CSS-Variable ausgegeben.
DaVinci Resolve: Im Projektmanager unter „Color Management" wird der Input Color Space (z. B. sRGB) und der Output Color Space (z. B. Rec.709) eingestellt. Der Viewer schaltet über das Zahnrad-Symbol auf „Normalize"-Ansicht.
Vergleich & Abgrenzung
RGB vs. CMYK: RGB ist additiv (Licht), CMYK subtraktiv (Farbtinte/Pigment). RGB hat einen deutlich größeren Gamut als CMYK und kann leuchtendere Farben darstellen. Beim Druck muss von RGB nach CMYK konvertiert werden – einige RGB-Farben sind dann nicht mehr reproduzierbar (out of gamut).
RGB vs. HSB/HSL: Beides sind Beschreibungen im RGB-Raum. HSB und HSL verwenden menschlichere Parameter (Farbton, Sättigung, Helligkeit), speichern aber dieselben Werte anders notiert. Im Computer werden alle als RGB berechnet.
RGB vs. Lab: Lab (CIELAB) ist geräteunabhängig und deckt alle wahrnehmbaren Farben ab. RGB ist immer an einen bestimmten Farbraum (sRGB, Adobe RGB) gebunden und damit geräteabhängig.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum haben Bildschirme und Drucker unterschiedliche Farbwiedergaben? Bildschirme emittieren Licht und mischen additiv – sie können sehr leuchtende, gesättigte Farben erzeugen. Drucker reflektieren Licht, das von Tinte absorbiert wird (subtraktive Mischung). Bestimmte RGB-Farben, vor allem leuchtendes Cyan, Orange und Pink, liegen außerhalb des CMYK-Gamuts und können im Druck nicht exakt reproduziert werden. Soft-Proofing in Photoshop (Ansicht → Proof-Farben, STRG+Y) simuliert das Druckergebnis am Bildschirm.
Was ist der Unterschied zwischen linearem und Gamma-RGB? In linearem RGB-Licht ist der Wert 128 (50 % des Maximalwerts) physikalisch halb so hell wie 255. Das menschliche Auge nimmt Helligkeit aber nicht linear wahr. Deshalb wird für Anzeigezwecke eine Gamma-Kurve (typisch γ = 2.2 für sRGB) angewendet, die dem Bild mehr Detailwerte in dunklen Bereichen gibt. In der professionellen CGI- und VFX-Produktion werden Berechnungen immer in linearem Licht durchgeführt, um physikalisch korrekte Ergebnisse zu erhalten.
Können alle RGB-Farben auf jedem Bildschirm gleich aussehen? Nein – ohne kalibriertes Farbmanagement variiert die Darstellung erheblich. Ein Bild, das auf einem Wide-Gamut-Monitor in Adobe RGB bearbeitet wurde, sieht auf einem nicht kalibrierten sRGB-Monitor falsch aus, wenn das Farbprofil nicht berücksichtigt wird. ICC-Profile und kalibrierte Workflows lösen dieses Problem.
Verwandte Einträge
- CMYK-Farbraum
- sRGB – der Webstandard-Farbraum
- Adobe RGB 1998
- Farbtiefe (8-bit, 16-bit, 32-bit)
- ICC-Farbprofil
Weiterführend
- Fairchild, Mark D. (2013): Color Appearance Models. 3. Aufl. Wiley-IS&T Series. ISBN 978-1-119-96776-4.
- Hunt, R. W. G. (2004): The Reproduction of Colour. 6. Aufl. Wiley. ISBN 978-0-470-02425-6.
- IEC 61966-2-1:1999 – Multimedia systems and equipment – Colour measurement and management – Part 2-1: Colour management – Default RGB colour space – sRGB. IEC.
- Adobe Systems (2000): Adobe RGB (1998) Color Image Encoding.
