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New Media Art heute bezeichnet das globale Netzwerk aus Institutionen, Festivals, Galerien, Online-Plattformen und informellen Gemeinschaften, das die Produktion, Präsentation, Theoretisierung und Archivierung von Medienkunst im frühen 21. Jahrhundert trägt.

Rubrik: Intermediale Gestaltung · Unterrubrik: Medienkunst · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Zeitgenössische Medienkunst, Aktuelle Medienkunstszene, Digital Art Scene, New Media Scene

Was ist New Media Art heute?

New Media Art heute ist ein plurales, global vernetztes Feld, das technologischen Wandel nicht nur abbildet, sondern kritisch befragt und künstlerisch verarbeitet. Anders als in den 1990er Jahren, als ein utopischer Glaube an die demokratisierende Kraft des Internets dominierte, zeichnet sich die zeitgenössische Szene durch nüchternere, oft kritische Haltungen aus: Künstliche Intelligenz, Überwachungskapitalismus, Klimakrise und die Frage nach dem Ende der Offline-Existenz prägen die Themen. Gleichzeitig bieten neue Technologien – von Blockchain bis Quantencomputing – weiterhin unerprobte künstlerische Möglichkeiten.

Erklärung

Die großen institutionellen Ankerpunkte

Einige Institutionen haben sich als global relevante Referenzpunkte für Medienkunst etabliert. Das ZKM Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ist die weltweit bedeutendste Sammlung und Ausstellungsort für digitale und Medienkunst. Es vereint Museum, Galerien, Forschungsinstitute und Residencies unter einem Dach und besitzt eine der umfassendsten Sammlungen für Medienkunst ab den 1960er Jahren. Gründer Peter Weibel prägte das Haus als wissenschaftlich-experimentelle Institution.

Das Ars Electronica Center in Linz ist das erste Museum, das sich dauerhaft digitaler Kunst und Technologie widmete (1996). Das Haus der elektronischen Künste (HEK) in Basel fokussiert auf kunst- und technologiekritische Positionen und hat sich als wichtige Schweizer Adresse etabliert. In den Niederlanden ist das Stedelijk Museum Amsterdam mit bedeutenden Medienkunstsammlungen präsent; WORM Rotterdam ist ein alternatives, aktivistisch geprägtes Medienlabor.

Festivals weltweit

Neben Ars Electronica und Transmediale Berlin prägen zahlreiche weitere Festivals die globale Szene: Sonar in Barcelona (elektronische Musik + Kunst), SXSW in Austin (Technologie + Kreativwirtschaft), FILE in São Paulo (Festival Internacional de Linguagem Eletrônica, eines der wichtigsten in Lateinamerika), ISEA (International Symposium on Electronic Art, jährlich wechselnd), Sónar+D (Forschungsplattform des Sonar) und das Internationale Kurzfilmfestival Oberhausen mit seiner Medienkunst-Sektion. In Asien sind das NTT Inter Communication Center (ICC) in Tokio und das YCAM (Yamaguchi Center for Arts and Media) internationale Referenzpunkte.

Online-Plattformen und Archivierung

Die digitale Natur von Medienkunst stellt besondere Herausforderungen an Archivierung und Zugänglichkeit. Rhizome.org (New York) betreibt die ArtBase – das älteste und wichtigste Online-Archiv für Net Art und digitale Kunst. Das Internet Archive (archive.org) bewahrt historische Web-Inhalte. Das "Matters in Media Art"-Projekt (Tate, SFMOMA, New Media Scotland) entwickelt Standards für Pflege und Ausstellung zeitbasierter Medienkunst. Variable Media Network schafft Konzepte für die Reinterpretation technologisch obsoleter Kunstwerke.

Der Kunstmarkt und NFTs

In den frühen 2020er Jahren erlebte Medienkunst durch den NFT-Boom (Non-Fungible Tokens) eine neuartige Marktintegration. Plattformen wie Art Blocks, Fxhash (für generative Kunst) und SuperRare ermöglichten Direktverkäufe digitaler Werke über Blockchain-Technologie. Beeple (Mike Winkelmann) verkaufte ein NFT für 69 Millionen Dollar (Christie's, 2021) und machte digitale Kunst weltweit zum Schlagzeilenthema. Die Euphorie legte sich rasch, aber die Fragen nach Eigentumsrechten, Zugänglichkeit und Ökologie digitaler Kunstwerke bleiben relevant.

KI als neues Terrain

Künstliche Intelligenz ist das meistdiskutierte neue Terrain. Künstlerinnen wie Refik Anadol, Holly Herndon, Memo Akten und Hito Steyerl arbeiten kritisch und konstruktiv mit KI-Systemen. Die Fragen nach Autorschaft, Datenbias und dem Verhältnis von menschlicher und maschineller Kreativität strukturieren den aktuellen Diskurs. Institutionen wie das AI Now Institute und das Centre for AI Safety setzen normative Rahmen, mit denen Medienkunst in Dialog tritt.

Klimakunst und ökologische Dringlichkeit

Eine wachsende Strömung verbindet Medienkunst mit ökologischer Dringlichkeit. Olafur Eliassons "Ice Watch"-Reihe (2014 ff.) platziert schmelzende Eisblöcke in Großstädten. Tega Brain, Julian Oliver und weitere Künstlerinnen arbeiten mit Energie- und Emissionsdaten als künstlerischem Material. Die Frage der eigenen ökologischen Bilanz – Serverfarmen, NFT-Energieverbrauch, VR-Headset-Produktion – stellt Medienkunst vor genuine Widersprüche.

Beispiele

  1. ZKM Karlsruhe: "Open Codes" (2017–2019) – Ausstellung und Begegnungsort über Coding als Kulturtechnik; über 180.000 Besucherinnen.
  2. Refik Anadol: Machine Hallucinations – Space: Metaverse (2021) – KI-generierte immersive Installation, präsentiert im MoMA New York und als NFT verkauft.
  3. Holly Herndon & Mat Dryhurst: "Holly+" (2021) – KI-Stimmklone der Musikerin Holly Herndon; gibt Fans ein Werkzeug und stellt Urheberrechtsfragen neu.
  4. Forensic Architecture: Global Witness (laufend) – Nutzung von Medienkunst-Methoden für die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen; ausgezeichnet u. a. bei der documenta 14.
  5. Art Blocks: Fidenza von Tyler Hobbs (2021) – Generative NFT-Kollektion auf Blockchain; Schnittpunkt von Generative Art, Kunstmarkt und Technologie.

In der Praxis

Für Einsteiger in die Medienkunst-Szene sind folgende Einstiegspunkte empfehlenswert: Rhizome.org (für Archiv und aktuelle Positionen), Ars Electronica (für Festival-Zugang und Prix-Gewinner), ZKM Karlsruhe (für Sammlungsbesuche und Online-Ressourcen). Social-Media-Plattformen (Instagram, Are.na, Twitter/X) sind lebendige Vernetzungsräume der Szene. Für eigene Projekte ermöglichen Plattformen wie Itch.io, Fxhash und Hic et Nunc (Tezos-Blockchain) niedrigschwellige Veröffentlichung.

Vergleich & Abgrenzung

Die aktuelle Medienkunstszene unterscheidet sich von der Avantgarde der 1990er Jahre durch realistischere Einschätzungen der Technologie, größere institutionelle Einbettung und Nähe zum Kunstmarkt. Im Vergleich zu akademischer Medienkunst hat die szene-getriebene Medienkunst weniger theoretische Stringenz, dafür mehr experimentelle Offenheit. Ars Electronica und Transmediale Berlin bleiben die institutionellen Ankerpunkte, werden aber zunehmend durch neue, informellere Plattformen ergänzt.

Häufige Fragen (FAQ)

Wo kann man zeitgenössische Medienkunst heute studieren? Exzellente Programme gibt es an der Kunstuniversität Linz (Interface Cultures), der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, dem Royal College of Art London (Digital Direction), MIT Media Lab (USA), der Bauhaus-Universität Weimar und der Hochschule der Künste Zürich (ZHdK). Online-Kurse auf Plattformen wie Coursera, Kadenze und FutureLearn ergänzen formale Ausbildungen.

Welche Medienkunst-Institutionen sind in Deutschland besonders wichtig? Das ZKM Karlsruhe ist die wichtigste Adresse. Weitere bedeutende Institutionen sind: das Hamburger Bahnhof (Berlin), das Museum Ludwig (Köln), das NRW-Forum Düsseldorf, das Goethe-Institut (international aktiv), die HfG Karlsruhe und die Hochschulen für bildende Künste in Hamburg und Frankfurt (Städelschule).

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Paul, Christiane: Digital Art. Thames & Hudson, London 2023 (4. Aufl.).
  • Connor, Michael (Hg.): The Art Happens Here: Net Art Anthology. Rhizome / New Museum, New York 2019.
  • Graham, Beryl / Cook, Sarah: Rethinking Curating: Art after New Media. MIT Press, Cambridge 2010.
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