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Transmediale ist ein seit 1988 jährlich in Berlin stattfindendes internationales Festival für Kunst und digitale Kultur, das sich durch einen dezidiert kritischen, diskursiven Ansatz gegenüber Technologie, Medien und digitaler Gesellschaft auszeichnet.

Rubrik: Intermediale Gestaltung · Unterrubrik: Medienkunst · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: transmediale, transmediale Festival, transmediale e.V.

Was ist die Transmediale?

Transmediale ist mehr als ein Kunstfestival: Es ist ein jährliches Denkforum, das Kunst, Aktivismus, Theorie und Technologiekritik zusammenbringt. Im Gegensatz zu vielen Technologie-Festivals, die Innovationen feiern, hinterfragt Transmediale systematisch die gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Konsequenzen digitaler Medien. Künstlerinnen, Theoretikerinnen, Aktivistinnen und Hackerinnen treten in Dialog. Das Festival findet traditionell Anfang Februar in Berlin statt, oft in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt (HKW).

Erklärung

Gründung und frühe Phase (1988–1999)

Transmediale wurde 1988 als "VideoFilmFest" in Berlin gegründet – zunächst als Plattform für Videokunst und elektronische Medien in West-Berlin. Mit der Wiedervereinigung und dem Aufkommen des Internets transformierte sich das Festival grundlegend. 1999 wurde es in "Transmediale" umbenannt, um den Fokus auf alle digitalen Medienformen zu erweitern. Berlin als Standort war nicht zufällig: Die Stadt bot nach 1989 eine einzigartige Mischung aus politischer Aufbruchsstimmung, günstigen Mieten für Kulturprojekte und einer internationalen Künstlerinnenszene.

Kritische Tradition und theoretischer Anspruch

Das Charakteristikum von Transmediale ist sein intellektueller und kritischer Anspruch. Konferenzen, Symposien und Publikationen begleiten die Kunstpräsentationen. Wichtige Theoriedebatten der digitalen Kultur wurden auf Transmediale geführt: Fragen der Überwachung und Datenpolitik (schon vor Snowden), der algorithmischen Macht, des Plattformkapitalismus, der KI-Ethik und der digitalen Ökologie. Das Festival positioniert sich ausdrücklich als Gegenkultur zu Silicon-Valley-Euphorie und Techno-Optimismus.

Thematische Schwerpunkte

Jedes Jahr wählt Transmediale ein übergreifendes Thema: "Dis Continuity" (2017), "Face Value" (2018), "Persistence" (2019), "The Eternal Network" (2020). Diese Themen strukturieren das künstlerische und diskursive Programm und spiegeln aktuelle gesellschaftliche Diagnosen. "Face Value" etwa untersuchte biometrische Überwachung, Gesichtserkennung und die Politik des Angesichts – ein Thema, das seitdem an Brisanz noch gewonnen hat.

Award-Programm und Gegenkultur

Transmediale verleiht jährlich einen Preis für herausragende künstlerische Positionen im Bereich digitale Kultur. Typischerweise werden Werke ausgezeichnet, die eine kritische, dissidente oder marginalisierte Perspektive einnehmen – ein bewusster Gegenpol zu rein technologiefreundlichen Preisen. Preisträgerinnen wie !Mediengruppe Bitnik (mit ihrer Postprivacy-Aktionskunst) und Young-Hae Chang Heavy Industries (Net Art) repräsentieren diese politisch engagierte Ausrichtung.

Transmediale und Hackerkultur

Eine besondere Beziehung verbindet Transmediale mit dem benachbarten Chaos Communication Congress (CCC) der Hackerorganisation Chaos Computer Club, der ebenfalls in Berlin/Hamburg stattfindet. Themen wie Kryptografie, Privatsphäre, Netzneutralität und digitale Rechte verbinden beide Kulturen. Transmediale hat wiederholt Hacker-Aktivistinnen zu Panels und Workshops eingeladen und Brücken zwischen Hackerethik und Medienkunst gebaut.

Online und hybride Formate

Während der COVID-19-Pandemie und danach entwickelte Transmediale hybride und Online-Formate. Symposien wurden als Streaming-Ereignisse zugänglich gemacht, ein archiviertes Programm auf der Website aufgebaut. Diese Öffnung hat die globale Reichweite erweitert, ohne den Kern-Charakter als physisches Begegnungsforum aufzugeben.

Beispiele

  1. !Mediengruppe Bitnik: Random Darknet Shopper (2014, ausgezeichnet) – Bot kaufte automatisch zufällige Waren im Darknet; die resultierenden Objekte wurden ausgestellt – juristische und ethische Grenzsituation.
  2. Young-Hae Chang Heavy Industries: Transmediale-Auftritte (mehrfach) – Minimalistisches Flash-Text-Videokunst-Duo; preisgekrönte Net Art auf dem Festival.
  3. Transmediale-Thema "Capture All" (2015) – Untersuchung von Quantified Self, Big Data und totaler Datenkontrolle; einflussreiches Festival-Programm.
  4. Forensic Architecture: Transmediale-Präsentation (2017) – Präsentation forensisch-künstlerischer Methoden zur Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen.
  5. conversationswithdata (Frances Stark u. a.) (mehrfach) – Textbasierte, netzbasierte Performances, die Sprache und Digitalität untersuchen.

In der Praxis

Das Transmediale-Festival ist für Studierende besonders zugänglich: Viele Events, Symposien und Ausstellungen haben ermäßigte oder kostenlose Zugänge. Das umfangreiche Online-Archiv (transmediale.de) dokumentiert Festivalprogramme, Workshops und Lectures seit den Anfangsjahren. Für Kunsthochschulstudierende gibt es Kooperationsprogramme. Die jährliche Publikation "transmediale reader" vertieft die theoretischen Diskurse.

Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu Ars Electronica ist Transmediale kleiner, aber programmatisch schärfer positioniert. Ars Electronica kombiniert populäre Zugänglichkeit mit Wissenschafts-Begeisterung; Transmediale wählt einen explizit kritisch-politischen Rahmen. Beide Festivals ergänzen sich als die zwei bedeutendsten europäischen Plattformen für Medienkunst-Diskurs.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann findet Transmediale statt und wie kommt man hin? Das Festival findet traditionell Ende Januar/Anfang Februar in Berlin statt, oft im Haus der Kulturen der Welt (HKW) am Spreeufer. Tickets sind über die Transmediale-Website erhältlich; viele Events sind günstig oder kostenlos. Berlin ist hervorragend mit Bahn und Flug erreichbar.

Was unterscheidet Transmediale von anderen Medienkunst-Festivals? Transmediale hat den konsequentesten kritisch-theoretischen Anspruch unter den großen Medienkunst-Festivals. Wo andere den technologischen Fortschritt feiern, fragt Transmediale nach seinen Kosten: gesellschaftlich, ökologisch, politisch. Dieser Geist des kritischen Hinterfragens ist das entscheidende Differenzmerkmal.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • transmediale e.V. (Hg.): transmediale reader (jährlich), Berlin.
  • Lieser, Wolf (Hg.): Die Welt der Digitalen Kunst. H.F. Ullmann, Potsdam 2009.
  • Transmediale Website-Archiv:
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