Die Schulausgangsschrift ist eine verbundene Schreibschrift, die in deutschen Grundschulen als Ziel des Schreibenlernens gelehrt wird; der Begriff bezeichnet konkret die 1968 in der DDR eingeführte Schrift, allgemein auch das jeweilige Schul-Schreibmodell.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Geschichte · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: SAS, verbundene Ausgangsschrift, Schreibschrift in der Schule
Was ist die Schulausgangsschrift?
Die Schulausgangsschrift ist die in der Schule gelehrte verbundene Schreibschrift, also das Schreibmodell, an dem sich Kinder beim Erlernen der Handschrift orientieren. Im engeren Sinn meint Schulausgangsschrift (SAS) die 1968 in der DDR eingeführte Schrift; im weiteren Sinn steht der Begriff für die historisch wechselnden Schul-Schreibvorlagen in Deutschland. Alle Modelle verfolgen dasselbe Ziel: eine flüssige, gut lesbare, persönliche Handschrift, die für lebenslanges Schreiben geeignet ist.
Erklärung
Bis ins 20. Jahrhundert lernten deutsche Schulkinder die Kurrentschrift, eine gebrochene Schreibschrift, die auf mittelalterlichen Vorläufern basierte und über Jahrhunderte zur allgemeinen deutschen Schreibpraxis gehörte. 1911 entwarf Ludwig Sütterlin im Auftrag des preußischen Kultusministeriums die nach ihm benannte Sütterlinschrift, eine vereinfachte Kurrent, die ab 1915 eingeführt und 1941 per Erlass abgeschafft wurde. Danach setzte sich die „Deutsche Normalschrift" auf lateinischer Grundlage durch.
In der Nachkriegszeit entstanden mehrere Schreibmodelle für die geteilte Nation: die Lateinische Ausgangsschrift (LA, BRD 1953), die Schulausgangsschrift (SAS, DDR 1968) und die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA, 1972). Alle drei sind verbundene Schreibschriften, unterscheiden sich aber in den Buchstabenformen, Verbindungsbögen und dem grafischen Gesamtbild. Die Lateinische Ausgangsschrift orientiert sich stärker an der klassischen Schreibtradition englischer Schreibmeister, die Schulausgangsschrift der DDR wurde eigens für das Schreibenlernern unter pädagogischen Gesichtspunkten entwickelt.
Seit den 2010er-Jahren steht die verbundene Schrift in der pädagogischen Diskussion. Der Grundschulverband schlug 2011 die „Grundschrift" vor: eine teilverbundene Schrift, die von einer Druckschrift ausgeht und Kindern mehr Freiheit beim Verbinden der Buchstaben lässt. Befürworter sehen darin eine motorisch sinnvollere Lernfolge; Kritiker bemängeln, dass eine einheitliche Handschrift verloren geht.
Die Lehrpläne der deutschen Bundesländer regeln heute unterschiedlich, welche Ausgangsschrift verbindlich ist. Einige Länder erlauben mehrere Modelle nebeneinander, andere setzen auf ein einheitliches Modell. Diese Vielfalt spiegelt eine grundsätzliche Debatte wider: Ist das Ziel die normierte Schrift oder die individuelle Handschrift? Historisch stehen alle deutschen Schul-Schreibschriften in der langen Tradition der englischen Schreibmeister, deren Roundhand die verbundene lateinische Schrift in Europa mitprägte.
Für den Bereich der Kalligrafie und Schriftgeschichte ist wichtig: Die Schulausgangsschrift ist keine kalligrafische Übung, sondern ein pädagogisches Werkzeug. Dennoch hat sie Einfluss darauf, welche Schriftbilder als „natürlich" oder „normal" empfunden werden. Wer Kalligrafie betreibt, muss oft die erlernten Schulschrift-Automatismen bewusst überwinden, um kalligrafische Buchstabenformen zu verinnerlichen.
Beispiele
- Kurrentschrift: gebrochene Schreibschrift bis ins frühe 20. Jahrhundert.
- Sütterlinschrift (1915–1941): vereinfachte Kurrent von Ludwig Sütterlin.
- Lateinische Ausgangsschrift (LA, 1953): BRD-Schreibmodell mit klassischer Anlehnung.
- Schulausgangsschrift (SAS, 1968): DDR-Schreibmodell mit eigenständiger Buchstabenentwicklung.
- Grundschrift (2011): teilverbundenes Modell des Grundschulverbands.
In der Praxis
Welche Schreibschrift gelehrt wird, legen die Bundesländer in ihren Lehrplänen fest; verbreitet sind LA, VA, SAS und zunehmend die Grundschrift. Für Eltern und Lehrkräfte ist wichtig, dass alle Modelle dasselbe Ziel verfolgen: eine flüssige, gut lesbare persönliche Handschrift. Wer ältere Dokumente entziffern will, braucht oft Kenntnis der Sütterlin- oder Kurrentschrift. Übungshefte zu allen Ausgangsschriften sind im Handel verfügbar. In der Kalligrafie-Ausbildung dient die Schulausgangsschrift als Ausgangspunkt, von dem aus Lernende bewusst zu anderen Schriftformen finden.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Schulausgangsschrift (verbunden) | Grundschrift (teilverbunden) |
|---|---|---|
| Verbindung | durchgehend verbunden | aus Druckschrift, teils verbunden |
| Lernlogik | Schreibschrift als Ziel | Druckschrift als Basis |
| Einführung | LA 1953 / SAS 1968 / VA 1972 | ab 2011 |
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Sütterlin dasselbe wie Kurrent? Nicht ganz: Die Kurrentschrift ist die ältere gebrochene Schreibschrift; die Sütterlinschrift ist eine 1911 entworfene, vereinfachte Form davon. Beide sind heute kaum noch lesbar, weswegen Kurse zur Entzifferung angeboten werden.
Welche Schreibschrift wird heute in der Schule gelehrt? Das hängt vom Bundesland ab; verbreitet sind die Lateinische Ausgangsschrift, die Vereinfachte Ausgangsschrift, die Schulausgangsschrift und die teilverbundene Grundschrift.
Wann wurde die Sütterlinschrift abgeschafft? Per Erlass der nationalsozialistischen Reichsbehörden wurde die Sütterlinschrift (und damit die gesamte gebrochene Schrift) am 3. Januar 1941 abgeschafft. Begründet wurde dies propagandistisch; letztlich setzte sich damit die lateinische Schrift dauerhaft im deutschen Schulunterricht durch.
Verwandte Einträge
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- Moderne Kalligrafie-Bewegung (ab 2010)
- Geschichte der Schrift (Überblick)
Weiterführend
- Grünewald, Hans (1984): Schrift als Bewegung. Beltz.
- Grundschulverband (2011): Grundschrift, Damit Kinder besser schreiben lernen. Grundschulverband e. V.
- Süß, Harald (2002): Deutsche Schreibschrift, Lesen und Schreiben lernen. Augustus.
