Copperplate ist eine mit der Spitzfeder geschriebene Schreibschrift, deren Strichkontrast durch unterschiedlichen Druck zwischen feinen Haar- und kräftigen Schattenstrichen entsteht.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Lateinische Schriften · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Englische Schreibschrift, English Roundhand, Pointed Pen Calligraphy
Was ist Copperplate?
Copperplate ist eine elegante, stark geneigte Schreibschrift, die mit einer flexiblen Spitzfeder ausgeführt wird. Der Name leitet sich vom Kupferstich (copper plate) ab, da die Vorlagen historisch in Kupferplatten graviert und gedruckt wurden.
Erklärung
Die Copperplate-Schrift entstand im 17. und 18. Jahrhundert in England und entwickelte sich aus der italienischen Kanzleischrift. Anders als bei der Breitfeder, bei der der Strichkontrast durch den festen Federwinkel entsteht, wird der Kontrast bei Copperplate durch Druck erzeugt: Beim Abwärtsstrich spreizt sich die Federspitze und gibt einen breiten Schattenstrich frei, beim Aufwärtsstrich bleibt sie geschlossen und zieht einen feinen Haarstrich. Charakteristisch sind die starke Schräglage (meist 54 bis 55 Grad), die durchgehende Verbindung der Buchstaben und der hohe Kontrast.
Verbreitet wurde Copperplate durch gestochene Schreibmeisterbücher wie George Bickhams The Universal Penman (1733–1741). Im 19. Jahrhundert war die Schrift Grundlage der Geschäftskorrespondenz und Handelsschulen. Heute erlebt Copperplate als dekorative Kalligrafie für Hochzeitseinladungen, Urkunden und Logos eine Renaissance. Die Schrift verlangt Geduld, da jeder Schattenstrich aus mehreren kontrollierten Federbewegungen aufgebaut wird und Aufstriche stets ohne Druck erfolgen.
Beispiele
- George Bickham, The Universal Penman: Klassisches Vorlagenwerk des 18. Jahrhunderts.
- Hochzeitseinladungen: Adressen und Menükarten in feiner Spitzfederschrift.
- Urkunden und Diplome: Repräsentative Namenseinträge.
- Markenlogos: Schreibschrift-Wortmarken im Premium-Segment.
- Übungsblätter mit Slant-Linien: Linierte Vorlagen mit 55-Grad-Hilfslinien.
In der Praxis
Für Copperplate benötigt man eine flexible Spitzfeder (z. B. Nikko G oder Gillott 303), einen Federhalter – oft schräg (oblique holder) –, dokumentenechte Tinte und ein geblocktes Übungsblatt mit Schräglinien. Anfänger/innen üben zunächst Grundstriche: Haarstrich, Schattenstrich, Über- und Unterschwung. Wichtig ist, nur beim Abstrich Druck auszuüben und die Feder beim Aufstrich vollständig zu entlasten. Sauberes Timing und ein gleichmäßiger Neigungswinkel sind entscheidend für ein ruhiges Schriftbild.
Vergleich & Abgrenzung
Copperplate wird häufig mit Spencerian Script und moderner Kalligrafie verwechselt.
| Merkmal | Copperplate | Spencerian Script |
|---|---|---|
| Schattenstriche | kräftig, häufig | sparsam, dünner |
| Tempo | langsam, gebaut | flüssig, schnell |
| Grundlage | English Roundhand | amerikanische Geschäftsschrift |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Copperplate und Spencerian Script? Copperplate setzt kräftige, häufige Schattenstriche und wird langsam aufgebaut, während Spencerian Script leichter, schneller und mit sparsameren Schatten geschrieben wird.
Wofür wird Copperplate heute verwendet? Copperplate dient vor allem für Hochzeitseinladungen, Urkunden, Menükarten und elegante Wortmarken, bei denen ein klassisch-repräsentatives Schriftbild gefragt ist.
Weiterführend
- Bickham, George (1743): The Universal Penman. London (Reprint Dover, 1954).
- Henning, William E. (2002): An Elegant Hand: The Golden Age of American Penmanship. Oak Knoll Press.
- Wilson, Diana Hardy (1990): The Encyclopedia of Calligraphy Techniques. Quarto.

