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Hermann Kilian (1924–2008) war ein deutscher Kalligraf und Lehrer, stellvertretend für die deutsche Kalligrafieschule, die die Schreibkunst Edward Johnstons über Anna Simons und Rudolf Koch im deutschsprachigen Raum verankerte.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Persönlichkeiten · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Hermann Kilian, deutsche Kalligrafieschule, deutschsprachige Schreibkunst

Was ist die deutsche Kalligrafieschule?

Die deutsche Kalligrafieschule bezeichnet die im 20. Jahrhundert gewachsene Tradition der Schreibkunst im deutschsprachigen Raum, getragen von Lehrern wie Hermann Kilian, Anna Simons und Rudolf Koch, die die Erneuerung der Breitfeder-Kalligrafie weitergaben.

Erklärung

Die Wiederbelebung der abendländischen Kalligrafie ging im frühen 20. Jahrhundert von England aus (Edward Johnston), erreichte aber rasch Deutschland. Anna Simons, eine Schülerin Johnstons, übersetzte dessen Lehrbuch ins Deutsche und unterrichtete an Münchner Akademien – sie gilt als Brückenfigur der deutschen Kalligrafieschule. Parallel prägte Rudolf Koch in Offenbach eine eigene, ausdrucksstarke Werkstatttradition. Aus diesem Umfeld entwickelte sich eine deutschsprachige Lehre, die sowohl die humanistischen Schriften als auch die gebrochenen Schriften (Fraktur, Textura) pflegte.

Hermann Kilian steht stellvertretend für die zweite Generation dieser Schule. Als Kalligraf und Pädagoge gab er die Techniken der Breitfeder und die historischen Schriftformen an Schüler weiter und wirkte an der Verbreitung der Kalligrafie als Volkshochschul- und Kunstschulfach mit. Die deutsche Kalligrafieschule unterscheidet sich von der englischen vor allem durch die fortgesetzte Pflege der gebrochenen Schriften und durch die Verbindung von Schreibkunst und Schriftguss, wie sie bei Koch und der Klingspor-Gießerei beispielhaft wurde. Auch Hermann Zapf und Friedrich Neugebauer stehen in dieser deutschsprachigen Linie.

Beispiele

  • Anna Simons: Johnston-Schülerin, Übersetzerin und Lehrerin in München.
  • Hermann Kilian: Kalligraf und Pädagoge der zweiten Generation.
  • Offenbacher Werkstatt (Koch): Verbindung von Schreibkunst und Schriftguss.
  • Pflege gebrochener Schriften: Fortführung von Fraktur und Textura.
  • Volkshochschul- und Kunstschul-Kurse: Breitenwirkung der Kalligrafie-Lehre.

In der Praxis

Wer im deutschsprachigen Raum Kalligrafie lernt, steht meist in der Tradition dieser Schule: Einstieg über die Foundational Hand, dann humanistische Kursive und – als Besonderheit – die gebrochenen Schriften. Lehrbücher und Vorlagensammlungen aus dieser Linie sind in Bibliotheken und im Fachhandel verfügbar. Kurse an Volkshochschulen, Kunstschulen und Akademien (etwa im Umfeld gestalterischer Ausbildungen) führen die Lehre fort.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalDeutsche KalligrafieschuleSociety for Calligraphy / Gilden
Raumdeutschsprachiginternational, v. a. anglophon
Besonderheitgebrochene Schriften, SchriftgussGilden, Workshops, Vereine
VorbilderSimons, Koch, KilianJohnston, SSI

Während die Society for Calligraphy / Gilden die Kalligrafie über Vereine und Gilden organisierte, entwickelte sich die deutsche Schule stärker über einzelne Lehrer und die Verbindung zur Schriftgießerei-Tradition.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist die deutsche Kalligrafieschule? Die im 20. Jahrhundert gewachsene deutschsprachige Tradition der Schreibkunst, getragen von Lehrern wie Anna Simons, Rudolf Koch und Hermann Kilian, die die gebrochenen Schriften pflegte und die Erneuerung der Breitfeder-Kalligrafie weitergab.

Wer war Hermann Kilian? Ein deutscher Kalligraf und Pädagoge (1924–2008), der stellvertretend für die zweite Generation der deutschen Kalligrafieschule die Schreibkunst lehrte und verbreitete.

Weiterführend

  • Simons, Anna (1937): Edward Johnston und die englische Schriftkunst. Otto von Holten, Berlin.
  • Kapr, Albert (1955): Deutsche Schriftkunst. Verlag der Kunst, Dresden.
  • Cinamon, Gerald (2000): Rudolf Koch: Letterer, Type Designer, Teacher. Oak Knoll Press.
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