Kalligrafie-Gilden und -Gesellschaften sind Vereinigungen von Schreibkünstler/innen, die – beginnend mit der 1921 gegründeten Society of Scribes & Illuminators – die Kalligrafie durch Lehre, Workshops und Ausstellungen weltweit pflegen.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Persönlichkeiten · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Society for Calligraphy, Calligraphy Guilds, SSI, Kalligrafie-Gesellschaften
Was sind Kalligrafie-Gilden und -Gesellschaften?
Kalligrafie-Gilden sind Zusammenschlüsse von Kalligraf/innen, die die Schreibkunst gemeinschaftlich erlernen, ausüben und weitergeben. Sie organisieren Kurse, Tagungen, Ausstellungen und sichern so die lebendige Überlieferung des Handwerks.
Erklärung
Die Wiederbelebung der westlichen Kalligrafie durch Edward Johnston führte rasch zur Gründung organisierter Vereinigungen. 1921 entstand in London die Society of Scribes & Illuminators (SSI) – die älteste und bis heute einflussreichste Kalligrafie-Gesellschaft. Sie vergibt mit dem Titel „Fellow" eine angesehene Auszeichnung und verbindet Schreibkunst mit Buchmalerei (Illumination) und Vergoldung. Nach diesem Vorbild bildeten sich weltweit zahlreiche Kalligrafie-Gilden, etwa die Washington Calligraphers Guild in den USA (1976, u. a. unter Beteiligung von Sheila Waters) oder die Society for Calligraphy in Los Angeles.
Diese Organisationen erfüllen mehrere Funktionen: Sie bieten Kurse und Workshops auf allen Niveaus, veranstalten internationale Konferenzen, geben Fachzeitschriften heraus und kuratieren Ausstellungen. Damit sichern Kalligrafie-Gilden die Weitergabe von Techniken – von der Foundational Hand bis zur Copperplate – und schaffen ein Netzwerk, in dem sich Anfänger/innen und Meister/innen austauschen. Im deutschsprachigen Raum übernehmen Vereine, Volkshochschulen und gestalterische Bildungseinrichtungen ähnliche Aufgaben. Auch außereuropäische Traditionen kennen vergleichbare Meister-Schüler-Strukturen, etwa die Ijaza in der arabischen Schreibkunst.
Beispiele
- Society of Scribes & Illuminators (SSI, 1921): älteste westliche Kalligrafie-Gesellschaft, London.
- Washington Calligraphers Guild (1976): einflussreiche US-Gilde.
- Society for Calligraphy, Los Angeles: große amerikanische Vereinigung.
- Letter Arts / internationale Konferenzen: überregionale Treffen und Workshops.
- Fachzeitschriften: Publikationen der Gilden zur Schreibkunst.
In der Praxis
Wer Kalligrafie ernsthaft betreiben möchte, findet in einer Gilde oder Gesellschaft Kurse, Mentoring und Ausstellungsmöglichkeiten. Mitgliedschaften ermöglichen den Zugang zu Workshops mit renommierten Lehrenden und zu Materialwissen. Viele Gilden veröffentlichen Vorlagen und Zeitschriften. Auch Einsteiger/innen profitieren vom strukturierten Lernangebot, das von der Foundational Hand bis zu fortgeschrittenen Schriften reicht.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Society for Calligraphy / Gilden | Hermann Kilian / dt. Kalligrafieschule |
|---|---|---|
| Struktur | Vereine, Gilden, Mitgliedschaft | einzelne Lehrer, Werkstätten |
| Raum | international, v. a. anglophon | deutschsprachig |
| Funktion | Workshops, Ausstellungen, Titel | Lehre, Schriftguss-Bezug |
Während die Hermann Kilian / dt. Kalligrafieschule stärker über einzelne Lehrer wirkte, organisieren Gilden die Kalligrafie über formale Mitgliedschaften und Veranstaltungen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist die Society of Scribes & Illuminators? Die 1921 in London gegründete, älteste westliche Kalligrafie-Gesellschaft, die Schreibkunst, Buchmalerei und Vergoldung pflegt und mit dem „Fellow"-Titel eine angesehene Auszeichnung vergibt.
Wozu dienen Kalligrafie-Gilden? Sie organisieren Kurse, Workshops, Konferenzen und Ausstellungen, geben Fachpublikationen heraus und sichern so die Weitergabe der Techniken und den Austausch zwischen Anfänger/innen und Meister/innen.
Weiterführend
- Child, Heather (Hrsg.) (1985): The Calligrapher's Handbook (Society of Scribes & Illuminators). Taplinger.
- Whalley, Joyce Irene (1980): The Art of Calligraphy: Western Europe & America. Bloomsbury Books.
- Gray, Nicolete (1986): A History of Lettering. Phaidon, Oxford.

