Ibn Muqla (886–940 n. Chr.) war ein Wesir und Kalligraf des Abbasiden-Kalifats in Bagdad, der mit der „proportionalen Schrift" (al-khatt al-mansub) die geometrischen Grundregeln der arabischen Kalligrafie festlegte.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Persönlichkeiten · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Ibn Muqla, Abu Ali Muhammad ibn Ali ibn Muqla
Was ist Ibn Muqla?
Ibn Muqla war eine der wichtigsten Figuren der islamischen Schreibkunst. Als hoher Staatsbeamter und Kalligraf entwickelte er ein Proportionssystem, das die arabische Kalligrafie von einer freien Praxis zu einer messbaren Kunst machte.
Erklärung
Ibn Muqla wirkte im 10. Jahrhundert in Bagdad, dem Zentrum des Abbasiden-Kalifats, und diente mehreren Kalifen als Wesir – ein Amt, das ihm am Ende Verfolgung und den Verlust seiner Hand einbrachte. Seine bleibende Bedeutung liegt jedoch in der Kalligrafie. Ibn Muqla gilt als Begründer der al-khatt al-mansub, der „proportionalen" oder „proportionierten Schrift". Er definierte die Buchstabenformen über ein geometrisches Maßsystem: Der mit der Rohrfeder (Qalam) gesetzte rautenförmige Punkt (nuqta) dient als Maßeinheit, der Buchstabe Alif als Höhenstandard, und ein Kreis mit dem Durchmesser des Alif als Referenz für die runden Formen.
Mit diesem System verwandelte Ibn Muqla die kursiven Schriften in regelhafte, lehr- und prüfbare Schriftarten. Auf seinen Regeln bauen die sechs klassischen Schriftarten (al-aqlam al-sitta) auf, darunter Naskh und Thuluth. Sein Schüler-Nachfolger Ibn al-Bawwab und später Yaqut al-Musta'simi verfeinerten das System weiter. Ibn Muqlas Wirken markiert den Übergang von der frühen kufischen Schrift zu den proportionierten Kursivschriften, die bis heute die arabische Kalligrafie bestimmen.
Beispiele
- al-khatt al-mansub: die von ihm begründete proportionale Schrift.
- Punkt-Maßsystem (nuqta): der rautenförmige Federpunkt als Maßeinheit.
- Alif als Höhenstandard: der senkrechte Buchstabe als Referenz.
- Kreis-Proportion: runde Buchstaben am Alif-Durchmesser ausgerichtet.
- Grundlage der sechs Schriftarten: Basis für Naskh, Thuluth u. a.
In der Praxis
Ibn Muqlas Proportionssystem ist bis heute die theoretische Grundlage der arabischen Kalligrafie-Ausbildung. Schüler lernen, Buchstabenhöhen und -breiten in Federpunkten zu messen, genau wie es das mansub-System vorgibt. Geschrieben wird mit dem zugeschnittenen Qalam (Rohrfeder) und Tinte. Wer Naskh oder Thuluth übt, arbeitet implizit mit den von Ibn Muqla begründeten Maßverhältnissen.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Ibn Muqla | Hashim Muhammad al-Baghdadi |
|---|---|---|
| Epoche | 10. Jh. | 20. Jh. |
| Beitrag | Begründung der Proportionsregeln | moderne Lehrbücher, Praxis |
| Rolle | Wesir, Theoretiker | Meister-Kalligraf, Pädagoge |
Während Ibn Muqla die Grundregeln im 10. Jahrhundert schuf, kodifizierte Hashim Muhammad al-Baghdadi sie im 20. Jahrhundert in modernen Lehrwerken für die Ausbildung.
Häufige Fragen (FAQ)
Wofür ist Ibn Muqla bekannt? Für die Begründung der proportionalen Schrift (al-khatt al-mansub), eines geometrischen Maßsystems aus Federpunkt, Alif und Kreis, das die arabische Kalligrafie zu einer regelhaften, lehrbaren Kunst machte.
Was bedeutet al-khatt al-mansub? „Proportionierte Schrift" – ein System, bei dem die Buchstabenformen über den rautenförmigen Federpunkt als Maßeinheit und den Buchstaben Alif als Höhenstandard exakt definiert werden.
Weiterführend
- Tabbaa, Yasser (1991): The Transformation of Arabic Writing: Part I, Qur'anic Calligraphy. Ars Orientalis.
- Schimmel, Annemarie (1990): Calligraphy and Islamic Culture. New York University Press.
- Blair, Sheila S. (2006): Islamic Calligraphy. Edinburgh University Press.

