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Pouncing ist eine traditionelle Übertragungstechnik, bei der eine entlang der Linien durchstochene Vorlage auf das Schreibpapier gelegt und mit feinem Puder durchgestäubt wird, sodass eine punktierte Hilfslinie entsteht.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Techniken & Übungen · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Durchstäuben, Pricking & Pouncing, Übertragungstechnik

Was ist Übertragen einer Vorlage (Pouncing)?

Beim Pouncing wird eine Vorzeichnung zunächst entlang ihrer Linien mit feinen Löchern perforiert (Pricking). Die gelochte Vorlage legt man auf das eigentliche Schreibpapier und reibt mit einem Stoffsäckchen feines Puder über die Perforation. Das Puder fällt durch die Löcher und hinterlässt eine punktierte Linie als Schreibhilfe.

Erklärung

Pouncing stammt aus der historischen Buchmalerei und Wandmalerei und löst ein praktisches Problem: Auf saugfähigem, dunklem oder kostbarem Material wie Pergament lassen sich Bleistiftlinien schlecht ziehen und kaum entfernen. Statt sichtbarer Bleistiftspuren erhält man durch das Durchstäuben eine feine, leicht entfernbare Punktlinie, die nach dem Schreiben abgewischt oder weggepustet wird.

Als Puder dient je nach Untergrund Holzkohlestaub (dunkel, für helles Papier) oder Kreide- bzw. Bimsmehl (hell, für dunkles Material). Die Technik gliedert sich in zwei Schritte: das Pricking der Vorlage mit einer Nadel und das eigentliche Pouncing mit dem Puderbeutel (Pounce Bag). Pouncing eignet sich besonders, wenn ein Motiv mehrfach identisch übertragen werden soll, etwa bei wiederkehrenden Initialen oder Bordüren. In der modernen Kalligrafie ist es eine von mehreren Übertragungsmethoden neben Durchpausen am Leuchttisch. Die zu übertragende Vorlage entsteht zuvor als Bleistift-Skizze im Layout.

Beispiele

  • Initiale: wiederkehrender Schmuckbuchstabe wird mehrfach durchgestäubt.
  • Bordüre: umlaufendes Rahmenornament auf Pergament übertragen.
  • Holzkohle-Pounce: dunkles Puder auf hellem Aquarellpapier.
  • Weißes Pounce: Kreidemehl auf dunklem Tonpapier.
  • Wandmalerei: historische Großübertragung von Kartons (Spolvero).

In der Praxis

Man perforiert die Vorlage auf einer weichen Unterlage (Filz) mit einer feinen Nadel, fixiert sie dann auf dem Schreibpapier und tupft das Pounce-Säckchen sanft über die Löcher. Überschüssiges Puder wird vorsichtig abgeklopft; die Punktlinie kann anschließend leicht mit Bleistift nachgezogen werden. Nach dem Schreiben lassen sich die Reste entfernen. Für einfache, korrigierbare Untergründe ist eine Bleistift-Skizze oft schneller.

Vergleich & Abgrenzung

Pouncing überträgt mit Puder durch Löcher; Durchpausen überträgt mit Licht oder Graphitpapier.

MerkmalPouncingDurchpausen
MittelPuder + LöcherLicht / Graphit
EignungPergament, dunkelhelles, dünnes Papier
Mehrfachnutzungsehr gutbegrenzt

Häufige Fragen (FAQ)

Wie funktioniert Pouncing in der Kalligrafie? Eine entlang der Linien gelochte Vorlage wird auf das Schreibpapier gelegt und mit feinem Puder durchgestäubt; das Puder fällt durch die Löcher und bildet eine punktierte Hilfslinie.

Welches Puder verwendet man beim Pouncing? Auf hellem Untergrund dunkles Holzkohlepulver, auf dunklem Material helles Kreide- oder Bimsmehl, damit die punktierte Linie gut sichtbar ist.

Weiterführend

  • Mediavilla, Claude (2006): Kalligraphie. Vom Schriftblatt zur Kunst der Kalligraphie. Verlag Hermann Schmidt.
  • Drogin, Marc (1980): Medieval Calligraphy: Its History and Technique. Allanheld & Schram.
  • Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. Dorling Kindersley.
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