Vergolden (Gilding) ist die Technik, kalligrafische Buchstaben oder Ornamente mit Blattmetall zu überziehen, indem das Metall auf ein zuvor aufgetragenes Anlegemittel (Klebegrund) gelegt wird.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Techniken & Übungen · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Vergoldung, Gilding, Illuminieren mit Gold
Was ist Vergolden (Gilding)?
Vergolden bezeichnet das Aufbringen von Blattgold oder anderem Blattmetall auf Buchstaben, Initialen und Ornamente. Das Metall haftet an einem klebrigen Untergrund, dem Anlegemittel. Je nach Verfahren entsteht eine matte, flache Vergoldung oder eine erhabene, hochglänzende – das prägt den Charakter illuminierter Handschriften.
Erklärung
Beim Vergolden unterscheidet man grob zwei Verfahren. Bei der flachen Vergoldung (flat gilding) wird Blattmetall auf eine dünne Schicht Anlegemittel – etwa Gold-Size oder Gum Ammoniac – gelegt; das Ergebnis ist eben und matt bis seidig. Bei der erhabenen Vergoldung (raised/gesso gilding) trägt man zuerst ein reliefartiges Bett aus Vergoldergrund (Gesso) auf, das nach dem Trocknen leicht angehaucht und mit Blattgold belegt wird; poliert man es mit einem Achatstein (Polierstein), entsteht der charakteristische Hochglanz mittelalterlicher Manuskripte.
Historisch ist das Vergolden Teil der Illumination, der Ausschmückung von Handschriften. Wichtig ist die Reihenfolge: In der klassischen Buchmalerei wird zuerst vergoldet und erst danach gemalt und geschrieben, weil das Gold abfärben und über benachbarte Farben schaben würde. Das eigentliche Auflegen des Metalls – ein Arbeitsschritt für sich – beschreibt der Eintrag zum Anlegen von Blattgold. Vergolden verlangt ruhige Hand, trockene Luftverhältnisse und Geduld, gilt aber als Königsdisziplin der dekorativen Kalligrafie.
Beispiele
- Flache Vergoldung: matte Goldfläche auf Gold-Size.
- Erhabene Vergoldung: poliertes Hochglanzgold auf Gesso-Bett.
- Initiale: vergoldeter Schmuckbuchstabe einer Handschrift.
- Gum-Ammoniac-Technik: wasserbasiertes Anlegemittel für feine Linien.
- Muschelgold (Shell Gold): pulverisiertes Gold mit Bindemittel als Malgold.
In der Praxis
Vergolden gelingt am besten bei leicht feuchter Raumluft, die das Anhauchen (Anfeuchten der Gold-Size durch den Atem) erleichtert. Man arbeitet auf glattem, nicht saugendem Untergrund wie Pergament oder gut geleimtem Papier. Werkzeuge sind Anlegemittel, Blattgold, ein Vergolderkissen, ein Anschießer (Pinsel) und ein Polierstein. Die zu vergoldende Stelle wird oft zuvor per Layout-Skizze geplant.
Vergleich & Abgrenzung
Vergolden ist der Gesamtprozess; das Anlegen von Blattgold ist der konkrete Schritt des Auflegens und Andrückens.
| Merkmal | Vergolden | Blattgold anlegen |
|---|---|---|
| Umfang | Gesamtprozess | Einzelschritt |
| Beinhaltet | Grund, Metall, Politur | Auflegen, Andrücken |
| Ergebnis | fertige Vergoldung | belegte Fläche |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen flacher und erhabener Vergoldung? Flache Vergoldung legt Blattgold direkt auf dünnes Anlegemittel und bleibt eben und matt; erhabene Vergoldung nutzt ein Gesso-Relief, das poliert einen erhabenen Hochglanz ergibt.
Vergoldet man vor oder nach dem Malen? In der klassischen Illumination zuerst, weil das Gold sonst über benachbarte Farben schaben und abfärben würde.
Weiterführend
- Drogin, Marc (1980): Medieval Calligraphy: Its History and Technique. Allanheld & Schram.
- Whitley, Kathleen P. (2000): The Gilded Page: The History and Technique of Manuscript Gilding. Oak Knoll Press.
- Mediavilla, Claude (2006): Kalligraphie. Vom Schriftblatt zur Kunst der Kalligraphie. Verlag Hermann Schmidt.

