Pergament und Vellum sind aus ungegerbter, gespannter und geglätteter Tierhaut hergestellte Schreibträger, die in der historischen Kalligrafie als hochwertige, dauerhafte Alternative zu Papier dienen.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Werkzeuge & Materialien · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Parchment, Vellum, Tierhautträger, Membran
Was ist Pergament und Vellum?
Pergament und Vellum sind beschreibbare Materialien aus Tierhaut. Pergament wird üblicherweise aus Schaf- oder Ziegenhaut gewonnen, das feinere Vellum traditionell aus Kalbshaut. Beide Schreibträger waren über Jahrhunderte das Standardmaterial europäischer Handschriften, bevor Papier sich durchsetzte.
Erklärung
Zur Herstellung wird die enthaarte Haut in einem Kalkbad gereinigt, auf einen Rahmen gespannt und unter Spannung getrocknet. Während des Trocknens wird die Oberfläche mit dem Halbmondmesser (Lunellum) abgeschabt und mit Bimsstein geglättet, bis eine gleichmäßige, leicht samtige Schreibfläche entsteht. Anders als Leder wird Pergament nicht gegerbt – diese Eigenschaft macht es extrem haltbar, aber auch empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, da es sich bei Nässe verzieht und wellt.
Pergament und Vellum verhalten sich beim Schreiben anders als Papier. Die Oberfläche nimmt Tinte sehr gut an, lässt aber kaum ausbluten, sodass gestochen scharfe Haarlinien möglich sind. Echtes Gold haftet hervorragend, weshalb mittelalterliche Buchmalerei und Illumination auf Vellum entstanden. Vor dem Schreiben wird die Haut oft mit fein gemahlenem Bimsstein und etwas Sandarak entfettet und aufgeraut (Pouncing), damit die Tinte gleichmäßig haftet. Ein großer Vorteil: Fehler lassen sich vorsichtig mit dem Federmesser herauskratzen – eine Korrekturtechnik, die auf Papier kaum möglich ist.
Beispiele
- Mittelalterliche Codices: Bibeln und Stundenbücher auf Kalbsvellum.
- Urkunden & Diplome: repräsentative Dokumente auf Pergament.
- Ketubot & Tora-Rollen: rituelle Schriften auf koscherem Pergament (Klaf).
- Moderne Auftragskalligrafie: Ehrenurkunden auf echtem Vellum.
- Vellum-Imitate: Papier mit pergamentähnlicher Oberfläche als günstige Alternative.
In der Praxis
Pergament wird vor dem Beschreiben mit Bimssteinpulver entfettet und mit einem Tuch poliert. Da das Material auf Luftfeuchtigkeit reagiert, sollte man Hautkontakt mit der Schreibfläche meiden und das Stück flach lagern. Echte Vergoldung und Eisengallustinte kommen auf Pergament besonders gut zur Geltung. Lieferanten wie Pergamena (USA) oder William Cowley (UK) stellen bis heute handgefertigtes Vellum her.
Vergleich & Abgrenzung
Vellum und Pergament werden oft synonym gebraucht, doch Vellum bezeichnet streng das feinere Kalbsmaterial. Beide unterscheiden sich grundlegend von Papier.
| Merkmal | Pergament/Vellum | Papier |
|---|---|---|
| Material | Tierhaut | Pflanzenfaser |
| Korrektur | Auskratzen möglich | kaum möglich |
| Feuchteempfindlichkeit | hoch | gering |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Pergament und Vellum? Pergament ist der Oberbegriff für unbehandelte, gespannte Tierhaut, meist aus Schaf oder Ziege. Vellum bezeichnet traditionell das feinere, glattere Material aus Kalbshaut. Im Alltag werden beide Begriffe oft gleichbedeutend verwendet.
Warum kann man auf Pergament Fehler herauskratzen? Tinte zieht in die feste Hautoberfläche nicht tief ein, sondern bleibt nahe der Oberfläche. Mit einem scharfen Federmesser lässt sich die oberste Schicht samt Tinte vorsichtig abschaben, ohne das Material zu zerstören.
Weiterführend
- Drogin, Marc (1980): Medieval Calligraphy: Its History and Technique. Dover Publications.
- de Hamel, Christopher (1992): Scribes and Illuminators. University of Toronto Press.
- Reed, Ronald (1972): Ancient Skins, Parchments and Leathers. Seminar Press.

