Tusche ist eine tiefschwarze, pigmentbasierte Schreib- und Malflüssigkeit aus Ruß, Bindemittel und Wasser; China- und Sumi-Tusche sind ihre ostasiatischen Grundformen.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Werkzeuge & Materialien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: China-Tusche, Sumi-Tusche, indische Tusche, India ink
Was ist Tusche?
Tusche ist eine deckende, meist tiefschwarze Flüssigkeit zum Schreiben und Malen, die aus feinem Pigment (klassisch Ruß), einem Bindemittel und Wasser besteht. Sie wird mit Feder, Pinsel oder Rohr aufgetragen und ist das traditionelle Schreibmaterial der Kalligrafie weltweit.
Erklärung
Tusche unterscheidet sich grundlegend von Tinte: Sie ist pigmentbasiert, nicht farbstoffbasiert, und deshalb deckend, lichtecht und nach dem Trocknen oft wasserfest. Die ostasiatische Tusche, chinesisch als China-Tusche, japanisch als Sumi bekannt, wird traditionell aus Kienruß oder Lampenruß und einem Bindemittel wie Tierleim hergestellt und zu festen Tuschesteinen gepresst. Diese reibt man auf einem Reibstein (Suzuri) mit Wasser an und kann so die Schwärze und Konsistenz fein dosieren. Daneben gibt es flüssige Fertig-Tuschen in Flaschen, die bequemer, aber weniger fein abstufbar sind.
Für die Kalligrafie ist die Konsistenz entscheidend: Tusche für Spitzfeder (Pointed Pen) muss dünner sein, damit sie sauber durch die feine Spitze fließt; für Pinsel und Breitfedern darf sie satter sein. Schellackhaltige, wasserfeste Tuschen sind nach dem Trocknen wischfest, können aber Federn und Pinsel verkleben, wenn man sie eintrocknen lässt. Wegen der Pigmentbasis ist Tusche für Füllfederhalter meist ungeeignet, da sie deren Tintenleitsystem verstopft.
Tuschestein-Sorten und Reibstein-Typen
Sumi-Tuschestein-Sorten:
Die Qualität und Farbnuance eines Tuschesteins hängt vom verwendeten Ruß ab:
- Kienruß (Shoenhaku): Gewonnen aus dem Ruß verbrannten Kiefernholzes. Ergibt ein kühles, bläulich-schwarzes Bild. In China und Japan traditionell für Kalligrafie bevorzugt. Die typische Farbe klassischer Sumi-Kalligrafie.
- Lampenruß (Yukiwa): Gewonnen aus dem Ruß verbrannter pflanzlicher Öle (Rapsöl, Sesamöl). Ergibt ein wärmeres, braun-schwarzes Bild. Breiter in der Tuschemalerei verwendet.
- Mischqualitäten: Moderne Tuschesteine kombinieren beide Rußtypen. Das Verhältnis bestimmt die endgültige Farbtemperatur.
Reibstein-Typen:
- Kenmachi (einfacher Naturstein): Günstiger Einstieg, fein genug für regelmäßige Praxis.
- Tokoname (Schamotte-Keramik): Gleichmäßige Reibfläche, langlebig, gute Wahl für fortgeschrittene Praxis.
- Hochwertige Natursteine (Amahata, Suzuri): Japanische Qualitätssteine, die die Konsistenz der Tusche besonders gleichmäßig halten. Teuer, aber ein Werkzeug für Jahrzehnte.
Verdünnung: Konsistenz für verschiedene Zwecke
Die Menge Wasser beim Anreiben entscheidet über Deckungsgrad und Fließverhalten:
- Sehr konzentriert (wenig Wasser): Tief schwarz, für deckende Linien und Breitfeder-Kalligrafie. Fließt langsamer.
- Mittel (etwas mehr Wasser): Ausgewogene Konsistenz für Spitzfeder-Kalligrafie und Pinselarbeit.
- Stark verdünnt: Transparentes, lavierendes Grau für Hintergrundwäschen und Tuschemalerei (Suibokuga).
Das Schellack-Problem: Welche Tuschen schaden dem Füller?
Fast alle wasserfesten Tuschen enthalten Schellack als Bindemittel. Schellack trocknet im Tintenleitsystem von Füllfederhaltern zu einem glashartem Rückstand aus, der kaum löslich ist und den Füller dauerhaft beschädigt. Faustregel: Keine schellackhaltige Tusche in Füllfederhalter füllen.
Erkennungszeichen: Auf der Flasche steht „waterproof after drying", „India ink" oder „shellac-based". Auch Tuschen, die mit Wasser nach dem Trocknen nicht reagieren, sind fast immer schellackhaltig.
Für Füllfederhalter geeignet sind ausschließlich dünnflüssige, schellackfreie Tinten. Für Tauschreiben mit Spitzfeder und Pinsel ist schellackhaltige Tusche dagegen ideal.
Produktempfehlungen
Für Einsteiger/innen (günstig, ausgewogen):
- Sumi-e Black (Flüssigtinte): Japanische Flaschentinte für Pinsel und Feder. Günstig, gut fließend, für Einsteiger/innen ideal. Nicht schellackhaltig, damit einfacher zu reinigen.
- Kuretake Black Ink: Gut für Kalligrafie, ausgewogene Konsistenz, angenehmer Tintenspiegel im Tintenfass.
Für Pinsel und Feder (wasserfest, lichtecht):
- Higgins Black Magic Ink: Schellackhaltig, sehr lichtecht, tiefes Schwarz. Ideal für dauerhafte Arbeiten. Feder nach Gebrauch sofort reinigen.
- Speedball Super Black: Ideal für Siebdruck-Kalligrafie und grafische Arbeiten. Sehr opak.
Für Spitzfeder-Kalligrafie (präzise Viskosität):
- Ziller Ink (USA): Amerikanischer Hersteller mit ausgezeichnetem Ruf in der Pointed-Pen-Gemeinschaft. Sehr gut für Spitzfeder, klare Konsistenz.
- Higgins Eternal (farbstoffbasiert): Nicht Tusche im engeren Sinn, aber oft zusammen mit Tusche verwendet. Kein Schellack, leicht fließend, für Spitzfeder-Übungen ideal.
Farbige Tuschen:
- Ecoline (Royal Talens, Niederlande): Wasserbasierte, transparente farbige Tusche. Sehr lebhafte Farben, gut für Pinselkalligrafie und Aquarell-Lettering. Nicht wasserfest.
- Daler-Rowney FW Acrylic Ink: Pigmentierte Acryltinte, wasserfest nach Trocknen, viele Farben, semi-transparent bis opak. Gut für Mischarbeiten mit Pinsel.
In der Praxis
Tuschesteine werden mit etwas Wasser auf dem Reibstein angerieben, bis die gewünschte Schwärze erreicht ist; Fertig-Tuschen werden vor Gebrauch geschüttelt. Für Spitzfedern wird Tusche bei Bedarf mit wenig destilliertem Wasser verdünnt, damit sie sauber fließt. Schellackhaltige, wasserfeste Tusche darf nicht in Feder oder Pinsel eintrocknen; sofort nach Gebrauch reinigen. Tusche wird auf gut geleimtem Papier verwendet, damit sie nicht ausfedert oder durchschlägt. Angebrochene Flaschen kühl und dicht verschlossen lagern.
Vergleich & Abgrenzung
Tusche wird häufig mit Eisengallustinte und mit Füllertinte verwechselt.
| Merkmal | Tusche | Eisengallustinte |
|---|---|---|
| Basis | Pigment (Ruß) | chemische Reaktion (Eisen/Gerbsäure) |
| Deckkraft | deckend | zunächst blass, dunkelt nach |
| Füllertauglich | meist nein | bedingt (säurehaltig) |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Tusche und Tinte? Tusche ist pigmentbasiert, deckend und oft wasserfest; sie liegt auf dem Papier auf. Tinte ist meist farbstoffbasiert, dünnflüssiger und dringt ins Papier ein. Deshalb ist Tusche fürs Tauchschreiben und Malen geeignet, während dünnflüssige Tinte in Füller passt.
Was ist der Unterschied zwischen China-Tusche und Sumi-Tusche? Beide sind rußbasierte ostasiatische Tuschen. „China-Tusche" ist der im Westen übliche Sammelbegriff, „Sumi" die japanische Bezeichnung. Sumi liegt klassisch als fester Tuschestein vor, der auf einem Reibstein angerieben wird.
Kann man Tusche mit Wasser verdünnen? Ja, und das ist häufig notwendig. Flüssige Fertig-Tuschen mit destilliertem Wasser verdünnen, Tuschesteine durch längeres Anreiben mit mehr Wasser dünner einstellen. Wichtig: Nur destilliertes Wasser, kein Leitungswasser mit Kalk.
Wie lagert man Tuschesteine richtig? Trocken und lichtgeschützt. Nach Gebrauch den Stein mit einem feuchten Tuch abwischen und vollständig trocknen lassen, bevor er in die Schachtel gelegt wird. Nie feucht lagern, da Schimmelbildung möglich ist.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Ouyang, Zhongshi / Fong, Wen C. (2008): Chinese Calligraphy. Yale University Press.
- Mediavilla, Claude (2006): Kalligraphie. Verlag Hermann Schmidt.
- Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. Dorling Kindersley.
