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Timecode ist ein standardisiertes elektronisches Adressierungssystem, das jedem Frame eines Video- oder Audiosignals eine eindeutige Zeitangabe (Stunden:Minuten:Sekunden:Frames) zuweist und damit Synchronisation und Schnittmarkierung ermöglicht.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: Broadcast & TV-Produktion · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: SMPTE Timecode, EBU Timecode, LTC, VITC, CTL-Timecode

Was ist Timecode?

Stellen Sie sich vor, Sie schneiden eine Sendung mit Material von 5 verschiedenen Kameras, einem Audiomixer und einem Grafiksystem. Ohne Timecode wäre die synchrone Zusammenführung dieser Quellen nahezu unmöglich. Timecode löst dieses Problem, indem er jedem einzelnen Bild (Frame) eine eindeutige Adresse gibt – ähnlich wie eine Hausnummer in einer Straße. Die Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE) standardisierte 1967 das heute verwendete Format.

Erklärung

Timecode-Format

Der SMPTE/EBU-Timecode hat folgendes Format:

`` HH:MM:SS:FF ``

  • HH = Stunden (00–23)
  • MM = Minuten (00–59)
  • SS = Sekunden (00–59)
  • FF = Frames (abhängig von der Bildrate)

Beispiel: 01:23:45:12 bedeutet: 1 Stunde, 23 Minuten, 45 Sekunden, 12. Frame

Bildraten und ihre Timecodes

Die Bildrate (fps = frames per second) bestimmt, wie viele Frames eine Sekunde enthält:

BildrateAnwendungRegion
25 fpsPAL-Standard (HD, SD)Europa, inkl. Deutschland
29.97 fps (NTSC)NTSC-Standard (analog und digital)USA, Japan
24/23.976 fpsFilm, Kino, internationale OTT-ProduktionWeltweit
50 fps / 59.94 fpsHochauflösende Sport-ProduktionWeltweit

Besonderheit: Drop Frame vs. Non-Drop Frame

Das 29.97 fps-System (NTSC) hat ein mathematisches Problem: 30 fps × 60 × 60 = 108.000 Frames/Stunde, aber 29.97 fps × 60 × 60 = 107.892 Frames/Stunde. Diese Diskrepanz von 108 Frames pro Stunde führt ohne Korrektur zur Asynchronität zwischen Timecode und Realzeit.

Die Lösung heißt Drop Frame (DF): Die Frame-Nummern 00 und 01 werden an bestimmten Minutenübergängen übersprungen (nicht die Frames selbst, nur die Nummerierung). Dadurch bleibt der Timecode zur Echtzeit synchron. Das Trennzeichen bei Drop Frame ist ein Semikolon (01:23:45;12), bei Non-Drop Frame ein Doppelpunkt (01:23:45:12).

In Europa (25 fps) gibt es dieses Problem nicht – hier ist immer Non-Drop Frame Standard.

Timecode-Übertragungsarten

LTC (Longitudinal Timecode)

  • Audio-Signal auf einer separaten Tonspur (klingt wie ein Datenton)
  • Kann über Audio-Kabel übertragen werden
  • Auch als Sync-Signal für Tongeräte (DAT, Audiorekorder)
  • Gut lesbar im Play, nicht bei Stillstand oder sehr langsamer Geschwindigkeit

VITC (Vertical Interval Timecode)

  • In das Videosignal eingebettet (im vertikalen Austastintervall)
  • Lesbar auch bei Standbildern und langsamer Wiedergabe
  • Bei analogem SDI/Composite-Video
  • Nicht sichtbar im Bild

ANC (Ancillary Data) / HANC/VANC

  • Bei digitalem SDI: Timecode in den Blanking-Daten eingebettet
  • SMPTE ST 12M-2 definiert das Format für SDI
  • Moderner Standard für alle digitalen Broadcast-Systeme

Genlock und House Sync

Im Broadcast müssen alle Videoquellen synchron laufen – sonst entstehen beim Schnitt Bildausreißer. Genlock (Generator Lock) synchronisiert alle Kameras und Videosysteme auf ein gemeinsames Sync-Signal (House Sync oder Black Burst für SD, Tri-Level Sync für HD).

Alle an einen Video Switcher / Vision Mixer angeschlossenen Quellen müssen gegeneinander phasenrichtig synchronisiert sein.

Timecode in der Postproduktion

Im Schnitt (NLE wie Avid Media Composer, Adobe Premiere Pro, DaVinci Resolve) ist Timecode fundamental:

  • Clip-Adressierung: Jede Szene ist per Timecode eindeutig identifizierbar (z. B. für Konformierung)
  • EDL (Edit Decision List): Der Schnittsatz wird als Liste von Timecode-Ins und -Outs gespeichert
  • Batch Digitizing / Conform: Aus EDL und Originalmaterial kann ein Projekt rekonstruiert werden
  • Multicam-Synchronisation: Mehrere Kamerasignale werden per Timecode (oder Klapper-Sync) synchronisiert

Master-Timecode in der Live-Produktion

In Live-Produktionen wird oft ein Master-Timecode aus einer zentralen Quelle (Sync-Generator, GPS-basierter Timecode-Generator) in alle Geräte eingespeist:

  • Alle Kameras, Mischer, Grafikserver, Playout-Systeme laufen synchron
  • Wichtig für spätere Archivierung und Nachproduktion
  • GPS-Timecode ermöglicht weltweite Synchronisation (z. B. bei verteilten Live-Produktionen)

Beispiele

Schnitt einer Dokumentation: Kamera 1 hat Timecode 00:01:23:14 für den Anfang einer Szene. Der Cutter legt den Schnitt exakt auf diesen Frame. Die EDL speichert diese Marke. Beim Konformieren auf ein anderes System wird die Szene anhand des Timecodes wiederhergestellt.

Sport-Slow-Motion: Eine Super-Slomo-Kamera mit 4x Zeitlupe läuft mit 100 fps. Der Timecode wird bei Wiedergabe auf 25 fps gestreckt – die Zeitlupe entsteht, aber die Timecode-Adresse bleibt erhalten.

Nachvertonung: Ein Tonregisseur synchronisiert neu aufgenommene Sprachaufnahmen auf den Originalschnitt – per LTC-Timecode werden Bild und Ton framegenaue synchronisiert.

In der Praxis

Im modernen dateibasierten Workflow ist Timecode als Metadaten in die Mediendatei eingebettet (in MXF-Dateien, QuickTime-Container). Beim Import in ein NLE erscheint der Timecode automatisch in der Klemme (Bin). Ein häufiges Problem: Unterschiedliche Kameras starten mit verschiedenen Timecodes oder Bildwiederholraten, was die Synchronisation erschwert.

Best Practice: Immer vor einem Multi-Kamera-Dreh alle Kameras auf denselben Timecode-Ausgangswert setzen oder Jam-Sync verwenden, bei dem alle Kameras auf den Timecode eines Master-Geräts synchronisiert werden.

Vergleich & Abgrenzung

FeatureTimecodeAudioklapperGPS-Sync
PräzisionFrame-genauFrame-genauSub-Frame
EinsatzAlle ProduktionenDrehortVerteilte Produktion
AufwandMittelGeringHoch
KostenGeringMinimalMittel-hoch

Häufige Fragen (FAQ)

Warum gibt es verschiedene Bildraten? NTSC (29.97 fps) entstand aus der US-amerikanischen Netzfrequenz (60 Hz), PAL (25 fps) aus der europäischen (50 Hz). Heute existieren beide Systeme parallel; Kino und internationale Produktionen bevorzugen 24 fps.

Was ist „Burnt-In Timecode"? Burnt-In TC (BITC) ist ein Timecode, der sichtbar als Zahlen ins Bild eingebrannt ist – in Offline-Schnittcopies oder QC-Outputs verwendet.

Kann man Timecode-Probleme in Postproduktion korrigieren? Ja – NLE-Software erlaubt Timecode-Modifikation und Relinking. Schwierig wird es, wenn der Timecode gar nicht aufgezeichnet wurde.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • SMPTE (2014). SMPTE ST 12M-1:2014 – Television, Audio and Film – Time and Control Code. New York: SMPTE.
  • Poynton, C. (2012). Digital Video and HDTV: Algorithms and Interfaces (2. Aufl.). Morgan Kaufmann.
  • Watkinson, J. (2008). An Introduction to Digital Audio (2. Aufl.). Focal Press.
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