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DPP (Digital Production Partnership) definiert standardisierte britische Liefervorschriften für Broadcast-Inhalte, während IMF (Interoperable Master Format) ein SMPTE-Standard für universelle, wiederverwendbare Master-Dateipakete ist – beide zentral für moderne Broadcast-Lieferketten.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: Broadcast & TV-Produktion · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: AS-11, AMWA Application Specification, IMF-Paket, CPL (Composition Playlist)

Was sind DPP und IMF?

Mit der Digitalisierung des Broadcast entstanden zahlreiche konkurrierende Lieferformate – ein Chaos für Produktionsfirmen, die Inhalte an verschiedene Sender in verschiedenen Ländern liefern mussten. DPP und IMF sind Versuche, dieses Problem durch Standardisierung zu lösen. Sie definieren nicht nur das Dateiformat, sondern auch Metadatenstrukturen, Verpackungsregeln und Qualitätsanforderungen.

Erklärung

DPP (Digital Production Partnership)

Die Digital Production Partnership ist eine britische Initiative, 2012 gegründet von den Sendern BBC, ITV und Channel 4 gemeinsam mit Vertretern der Produktionsindustrie. Ziel war die Schaffung einheitlicher technischer Lieferstandards für den britischen TV-Markt.

AS-11 – Die technische Grundlage:

DPP basiert auf dem AS-11 Standard (Application Specification 11), entwickelt von der AMWA (Advanced Media Workflow Association). AS-11 definiert eine Untergruppe von MXF (Material Exchange Format) mit spezifischen Constraints für Broadcast-Lieferungen.

Wichtige DPP-Spezifikationen:

DPP HD Shim (AS-11 UK DPP HD):

  • Video: AVC-Intra 100 oder XDCAM HD422 (MPEG-2)
  • Bildgröße: 1920×1080
  • Bildrate: 25p oder 50i
  • Audio: 8 Kanäle (PCM, 24-bit, 48 kHz), EBU R 128 (-23 LUFS)
  • Untertitel: EBU-STL oder eingebettete Captions
  • Metadaten: DPP Shim Metadata in MXF-Header

Metadaten im DPP-Format: Das DPP definiert über 60 Metadatenfelder, u. a.:

  • Programme title, part number, part total
  • Original language
  • Picture format (AFD, aspect ratio)
  • Audio loudness metadata
  • Closed captions information
  • Production company details

DPP-Tool – DPP Interoperability Test: Das DPP stellt ein kostenloses Validierungstool zur Verfügung, mit dem Produktionsfirmen prüfen können, ob ihre Lieferung DPP-konform ist.

Internationale Verbreitung: Obwohl DPP ursprünglich britisch ist, haben viele europäische Sender ähnliche oder kompatible Standards übernommen. ARD und ZDF akzeptieren DPP-konforme Lieferungen und haben eigene Profil-Erweiterungen (ARD/ZDF Produktionsstandards und Lieferformate).

IMF (Interoperable Master Format)

IMF ist ein SMPTE-Standard (SMPTE ST 2067), der 2013 eingeführt wurde. Während DPP eine Liefernorm ist, ist IMF ein umfassendes Framework für das Erstellen, Verwalten und Austauschen von Produktions-Masterdateien.

Grundkonzept von IMF:

Ein IMF-Paket (IMP – Interoperable Master Package) enthält:

  1. Track Files: Die eigentlichen Mediendaten als MXF-Essence-Dateien (Video, Audio, Untertitel separat)
  2. CPL (Composition Playlist): XML-Datei, die beschreibt, wie Track Files zu einer vollständigen Komposition zusammengesetzt werden
  3. PKL (Packing List): Liste aller Dateien im Paket mit Hash-Werten (MD5/SHA)
  4. ASSETMAP.xml: Verweistabelle für alle Assets

Vorteile des IMF-Konzepts:

  • Wiederverwendbarkeit: Ein Master kann für verschiedene Versionen (Länder, Sprachen, Formate) genutzt werden, indem nur einzelne Track Files ausgetauscht werden
  • Versionierung: Verschiedene Sprachversionen, Zensurversionen (z. B. Clean-Version ohne explizite Inhalte) oder Lautstärke-Varianten können ohne neue Master-Erstellung generiert werden
  • Qualitätssicherung: PKL mit Hash-Werten ermöglicht Integritätsprüfung bei der Übertragung

IMF Application Profiles:

IMF hat verschiedene Profile für unterschiedliche Anwendungsfälle:

  • App #2 (SMPTE RDD 45): Broadcast HD und 4K
  • App #2E (Extended): Erweiterungen für HDR (PQ, HLG), IMF-Basis für Netflix, Amazon
  • App #4 (IAB): Immersive Audio (Dolby Atmos, MPEG-H)
  • Netflix IMF: Netflix-eigene Erweiterungen auf Basis von App #2E

Netflix und IMF

Netflix ist einer der größten Treiber der IMF-Adoption. Alle von Netflix beauftragten Produktionen müssen als IMF-Paket geliefert werden. Netflix definiert eigene Spezifikationen:

  • 4K (3840×2160), Dolby Vision oder HDR10
  • Dolby Atmos (7.1.4) oder 5.1-Surround
  • IMF App #2E als Basis

Workflow: Erstellung eines IMF-Pakets

  1. Post-Produktion: Schnitt, Farbkorrektur, Tonmischung in DCP-ähnlichem Workflow
  2. Export: Aus NLE (Avid, Resolve, Premiere) oder separatem IMF-Export-Tool
  3. Track File Encoding: Video (meist JPEG 2000 oder H.264/H.265 lossless), Audio (PCM), Untertitel (IMSC1)
  4. CPL-Erstellung: Automatisch durch IMF-Software (Colorfront, Fraunhofer IIS easyDCP, Signiant)
  5. QC: Validierung des gesamten Pakets gegen das gewählte Application Profile
  6. Lieferung: Upload über sichere Plattformen (Aspera, Signiant Media Shuttle)

Beispiele

Koproduktion ARD/Netflix: Eine deutsch-amerikanische Serie wird für beide Märkte produziert. Der IMF-Master enthält deutsche und englische Tonspur als separate Track Files sowie Untertitel in mehreren Sprachen. ARD empfängt einen DPP/AS-11-Export, Netflix den vollen IMF-Master.

Versionen-Management: Eine Comedy-Show wird für Deutschland, Österreich und die Schweiz in leicht verschiedenen Versionen benötigt (unterschiedliche Logos, gekürzte Episoden). Per IMF können diese Versionen aus demselben Track-File-Set mit verschiedenen CPLs generiert werden.

In der Praxis

IMF setzt sich in der deutschen Produktionslandschaft langsam durch. Für reine ÖR-Lieferungen ist MXF/AS-11 noch dominant. Für internationale Koproduzenten und Netflix-Aufträge ist IMF-Know-how zunehmend Pflicht. Post-Häuser in Deutschland (z. B. ARRI Media, Neue Sentimental Film) haben IMF-Workflows aufgebaut.

Vergleich & Abgrenzung

StandardDPP/AS-11IMFMXF (generic)
ZweckLieferung BroadcastMaster/ArchivAllgemeiner Container
HerkunftBritische InitiativeSMPTE-StandardSMPTE
FlexibilitätGering (feste Profile)HochSehr hoch
VersionierungNicht vorgesehenKernfeatureNein
Verbreitung EuropaHochWachsendStandard

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen DCP und IMF? DCP (Digital Cinema Package) ist der Standard für Kinoverteilung (JPEG 2000, sehr hohe Datenraten). IMF ist der verwandte Standard für TV/Streaming-Lieferungen, mit flexibleren Codecs und Metadatenstrukturen.

Brauche ich spezielle Software für IMF? Ja – gängige NLEs (Avid, Resolve) können IMF-Pakete exportieren, aber professionelle IMF-Erstellung erfordert oft dedizierte Software (Fraunhofer easyDCP+, Colorfront, Nion Tagger).

Ersetzt IMF irgendwann DPP? DPP und IMF adressieren leicht verschiedene Aspekte. Es gibt Bestrebungen, zukünftige Broadcast-Liefernormen auf IMF-Basis aufzubauen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • SMPTE (2020). SMPTE ST 2067-2: IMF Core Constraints. New York: SMPTE.
  • DPP (2017). AS-11 UK DPP HD Shim Specification. London: DPP.
  • Netflix (2024). Netflix Post Production Technical Specifications. Los Gatos: Netflix Inc.
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