← Zurück zu Mediendesign & Digitale Medien
Onboarding-Texte bezeichnen alle Textelemente, die neue Nutzer durch die erste Begegnung mit einem digitalen Produkt begleiten – von der Willkommensnachricht bis zum ersten erfolgreichen Nutzermoment.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: UX Writing & Content Design · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Welcome Flow Writing, Nutzereinführung, First-Run Experience Texte


Was sind Onboarding-Texte?

Onboarding bezeichnet den Prozess, durch den neue Nutzerinnen und Nutzer ein digitales Produkt kennenlernen und in die Lage versetzt werden, es eigenständig zu nutzen. Die Texte, die diesen Prozess begleiten, sind ein entscheidender Hebel für Aktivierung und Retention.

Onboarding ist der erste Eindruck im funktionalen Sinne: Wer sich bereits registriert hat, kennt das Produkt vielleicht aus Werbung oder Mundpropaganda – aber das eigentliche Versprechen muss das Produkt selbst einlösen. Die Texte, die diesen Moment begleiten, sind keine dekorativen Hilfsmittel, sondern strategische Kommunikation.


Erklärung

Ziele von Onboarding-Texten

Gute Onboarding-Texte verfolgen mehrere Ziele gleichzeitig:

Wert zeigen: Der Nutzer soll so früh wie möglich den Kernnutzen des Produkts erleben. Texte helfen dabei, diesen Moment zu benennen und zu rahmen.

Angst reduzieren: Neue Produkte erzeugen Unsicherheit. Klare, beruhigende Sprache senkt die kognitive Last und das Abbruchrisiko.

Handlung auslösen: Onboarding-Texte führen zu konkreten Aktionen – dem Ausfüllen eines Profils, dem Hochladen einer ersten Datei, dem Verbinden eines Accounts.

Erwartungen setzen: Was kann das Produkt? Was kann es nicht? Was kommt als Nächstes? Gutes Onboarding Writing ist transparent.

Typen von Onboarding-Texten

Willkommensnachricht: Der allererste Text, den ein neuer Nutzer sieht – oft eine E-Mail oder ein In-App-Modal. Hier gilt: persönlich, kurz, wertorientiert.

Leere Zustände (Empty States): Wenn ein Produkt zum ersten Mal geöffnet wird und noch kein Inhalt vorhanden ist, brauchen diese Zustände Text (→ Empty States: Texte für leere Zustände).

Tooltip-gestütztes Onboarding: Erklärende Texte, die auf spezifische UI-Elemente hinweisen (→ Tooltips und Hilfetexte gestalten).

Checklisten und Fortschrittsanzeigen: „Du hast 2 von 5 Einrichtungsschritten abgeschlossen." Diese Texte motivieren durch Gamification-Elemente.

Transaktionale Onboarding-E-Mails: Bestätigungsmail, Aktivierungs-E-Mail, „Was als Nächstes"-E-Mail (→ Transaktionale E-Mails schreiben).

Das Konzept des „Aha-Moments"

In der Produktentwicklung spricht man vom „Aha-Moment" – dem Punkt, an dem der Nutzer den Kernwert des Produkts erstmals wirklich versteht. Facebook identifizierte diesen Moment als das Erreichen von 7 Freunden in 10 Tagen; Spotify als das erste erfolgreiche Entdecken eines unbekannten Songs.

Onboarding-Texte sollten auf diesen Moment hinarbeiten: Sie führen den Nutzer Schritt für Schritt dorthin. Das setzt voraus, dass UX Writer den Aha-Moment kennen und verstehen – ein Grund, warum Onboarding-Writing enge Zusammenarbeit mit Produktmanagement und User Research erfordert.

Häufige Fehler im Onboarding Writing

  • Zu viel auf einmal: Feature-Dump zu Beginn überfordert und erzeugt Abbruch.
  • Unternehmensorientierte Sprache: „Wir freuen uns, Sie an Bord begrüßen zu dürfen" hilft dem Nutzer nicht. Besser: Was kann er jetzt tun?
  • Keine klare nächste Aktion: Jeder Onboarding-Schritt braucht einen eindeutigen Call-to-Action Texte schreiben.
  • Fehlende Flexibilität: Nicht alle Nutzer wollen das vollständige Onboarding durchlaufen. Exit-Optionen müssen klar und ohne Schuldgefühle formuliert sein.

Beispiele

Willkommens-E-Mail (Vorher / Nachher)

Vorher:

„Herzlichen Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich bei [Produkt] registriert. Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse, um fortzufahren."

Nachher:

„Du bist dabei! Ein Klick fehlt noch: Bestätige deine E-Mail, damit du sofort loslegen kannst. [Button: E-Mail bestätigen]"

Checklisten-Text (App)

Schlechtes Beispiel:

„Schritt 1 von 4: Profil einrichten"

Besseres Beispiel:

„Schritt 1 von 4: Zeig uns, wer du bist – damit deine Teammitglieder dich sofort wiedererkennen."

In der Praxis

Onboarding-Writing beginnt mit einer Journey Map: Welche Schritte durchläuft ein neuer Nutzer? Was denkt und fühlt er dabei? Welche Fragen hat er? Auf Basis dieser Analyse werden Texte für jeden Touchpoint entwickelt.

Besonders wichtig ist die Abstimmung mit dem Produkt-Team über den Aha-Moment und die minimale kritische Handlung – die eine Aktion, die ein Nutzer ausführen muss, um dauerhaft aktiv zu bleiben.

Onboarding-Texte werden in regelmäßigen Abständen anhand von Retention-Daten, Abbruchraten und Nutzerfeedback überprüft und optimiert.


Vergleich & Abgrenzung

Onboarding vs. Help Content: Hilfe-Inhalte (FAQs, Hilfeartikel) richten sich an alle Nutzer bei Bedarf; Onboarding-Texte sind speziell auf neue Nutzer in einer definierten Zeitspanne zugeschnitten.

Onboarding Writing vs. Marketing Copy: Marketing wirbt vor der Registrierung; Onboarding-Writing beginnt danach. Beide sollten konsistent sein, aber unterschiedliche Ziele verfolgen.

Minimales vs. ausführliches Onboarding: Nicht alle Produkte brauchen mehrstufige Onboarding-Flows. Einfache Tools können mit einem einzigen Empty-State-Text onboarden. Die Komplexität des Textes sollte der Komplexität des Produkts entsprechen.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie lang darf ein Onboarding-Flow sein? Forschung zeigt, dass Nutzer bei mehr als 5 Schritten deutlich häufiger abbrechen. Als Faustregel: so kurz wie möglich, nur die absolut notwendigen Schritte.

Soll ich produktfremde Informationen im Onboarding einbauen? Nein. Jede Ablenkung vom Aha-Moment ist riskant. Informationen über Updates, Newsletter oder Social-Media-Kanäle gehören nicht ins Onboarding.

Wie messe ich den Erfolg von Onboarding-Texten? Relevante Metriken: Aktivierungsrate (Anteil der Nutzer, die den Aha-Moment erreichen), Abbruchrate pro Schritt, 30-Tage-Retention, Zeit bis zur ersten Kernhandlung.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Samuel Hulick (2019): The Elements of User Onboarding. UserOnboard.com.
  • Ramli John (2021): Product-Led Onboarding. Productled.com Press.
  • Cagan, Marty (2018): INSPIRED: How to Create Tech Products Customers Love. Wiley. 2. Aufl.
  • Nielsen Norman Group: „User Onboarding: Best Practices". www.nngroup.com (Stand: 2023).
  • Appcues Blog: „The Science of User Onboarding". appcues.com (Stand: 2024).
← Zurück zu Mediendesign & Digitale Medien
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar
Onboarding-Texte und Willkommens-Flows — Wiki | Lazi Akademie | Lazi Akademie Esslingen