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Das World Wide Web (WWW) ist ein über das Internet zugängliches System von verlinkten Hypertext-Dokumenten, das 1989 von Tim Berners-Lee am CERN konzipiert und am 6. August 1991 öffentlich zugänglich gemacht wurde.

Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Digitale Ära · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: WWW, das Web, W3


Was ist das World Wide Web?

Das World Wide Web ist nicht dasselbe wie das Internet – ein Irrtum, der sich hartnäckig hält. Das Internet bezeichnet die physische und protokollbasierte Netzwerkinfrastruktur (Router, Leitungen, TCP/IP), während das Web eine Anwendungsschicht darüber ist: ein globales Informationssystem, das Dokumente per Hyperlinks verbindet und über das HTTP-Protokoll abrufbar macht. Erst durch das Web wurde das Internet für breite Bevölkerungsschichten nutzbar und zu einem Massenmedium.


Erklärung

Vorgeschichte: Das Internet vor dem Web (1960er–1990)

Das Web entstand nicht im Vakuum. Sein Vorläufer ist das ARPANET (Advanced Research Projects Agency Network), das 1969 vom US-Verteidigungsministerium initiiert wurde und erstmals vier Universitätsrechner miteinander verband. In den 1970er und 1980er Jahren entwickelten Vinton Cerf und Robert Kahn das TCP/IP-Protokoll, das zur gemeinsamen Sprache aller vernetzten Rechner wurde. Bis Ende der 1980er Jahre war das Internet jedoch vorwiegend akademischen und militärischen Institutionen vorbehalten; Nutzung erforderte erhebliche technische Kenntnisse.

Die Erfindung des Web (1989–1991)

1989 arbeitete der britische Physiker Tim Berners-Lee am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf an einem internen Informationsmanagement-System. In seinem Vorschlagsdokument „Information Management: A Proposal" beschrieb er ein dezentrales System, das Informationen über Hyperlinks verbindet – zunächst für die interne Kommunikation zwischen Forschern gedacht. CERN-Manager Mike Sendall kommentierte das Papier mit dem legendären Satz „Vague but exciting" (auf Deutsch etwa: „Vage, aber aufregend").

Berners-Lee entwickelte zusammen mit Robert Cailliau drei grundlegende Technologien:

  • HTML (HyperText Markup Language) – die Auszeichnungssprache für Webseiten
  • HTTP (HyperText Transfer Protocol) – das Übertragungsprotokoll
  • URL (Uniform Resource Locator) – das Adressierungssystem

Am 6. August 1991 veröffentlichte Berners-Lee die erste öffentliche Webseite unter der Adresse http://info.cern.ch. Sie enthielt eine Beschreibung des Web-Projekts selbst. CERN verzichtete 1993 auf alle Patentrechte und machte die Web-Technologien der Allgemeinheit frei zugänglich – eine Entscheidung von historischer Tragweite.

Der erste Browser-Krieg und das kommerzielle Web (1993–2000)

Den Durchbruch beim breiten Publikum bewirkte der 1993 veröffentlichte Browser Mosaic, entwickelt von Marc Andreessen und seinem Team am National Center for Supercomputing Applications (NCSA). Mosaic ermöglichte erstmals die Darstellung von Bildern und Text auf einer Seite – ein revolutionärer Schritt. Andreessen gründete kurz darauf die Netscape Communications Corporation, deren Browser Netscape Navigator bis Mitte der 1990er Jahre über 80 % Marktanteil hielt.

Microsoft erkannte die strategische Bedeutung des Webs spät, reagierte aber massiv: Ab 1995 bündelte das Unternehmen den Internet Explorer mit Windows, was den ersten „Browserkrieg" auslöste. Der Verdrängungswettbewerb zwischen Netscape und Microsoft – begleitet von einem US-Kartellverfahren gegen Microsoft – endete mit dem faktischen Marktaustritt von Netscape um 2000.

Die zweite Hälfte der 1990er Jahre war geprägt vom Dotcom-Boom: Risikokapitalgeber investierten Milliarden in internetbasierte Startups, oft ohne tragfähige Geschäftsmodelle. Unternehmen wie Amazon (gegründet 1994), Yahoo (1995) und Google (1998) entstanden in dieser Phase, überlebten jedoch den Absturz – anders als Hunderte anderer Firmen.

Der Dotcom-Crash und die Konsolidierung (2000–2004)

Im März 2000 platzte die Dotcom-Blase. Der NASDAQ-Index verlor bis Oktober 2002 fast 80 % seines Höchstwertes; Billionen Dollar an Börsenwert wurden vernichtet. Viele Internetunternehmen verschwanden, doch die Infrastruktur – Glasfaserleitungen, Server-Farmen, Protokolle – blieb bestehen und wurde nun zu Schleuderpreisen verfügbar. Die Überlebenden hatten robuste Geschäftsmodelle entwickelt; das Web selbst war keineswegs gescheitert, sondern reifte zur stabilen Infrastruktur.

Web 2.0 und die Plattformökonomie (2004–2010)

Der Begriff Web 2.0, geprägt durch Tim O'Reilly und Dale Dougherty auf einer Konferenz 2004, beschrieb eine neue Nutzungsphilosophie: Das Web wandelte sich von einem Medium der einseitigen Publikation zu einer Partizipationsplattform. Wikis, Blogs, soziale Netzwerke und nutzergenerierte Inhalte definierten diese Phase. Facebook (2004), YouTube (2005) und Twitter (2006) wurden zu zentralen Infrastrukturen des digitalen Alltags. Für eine detaillierte Betrachtung siehe Web 2.0: Soziale Medien und User-Generated Content.

Mobilisierung und Plattformkonzentration (2007–2015)

Das iPhone (2007) und der App-Store (2008) veränderten die Webnutzung fundamental: Smartphones wurden zur dominierenden Zugangsform. Bis 2016 übertraf der mobile Webtraffic weltweit erstmals den Desktop-Traffic. Parallel konzentrierte sich Marktmacht auf wenige Plattformen: Google, Facebook, Amazon und Apple bildeten ein Oligopol, das die digitale Öffentlichkeit kontrollierte. Für die Geschichte des iPhones und der mobilen Revolution siehe Das iPhone (2007) und die Mobile Revolution.

Das moderne Web: Krise, Regulierung und Transformation (2016–heute)

Ab etwa 2016 rückten Schattenseiten des Webs in den Vordergrund: Desinformation, Filterblasen, Datenschutzskandale (Cambridge Analytica, 2018) und die Monopolisierung digitaler Infrastruktur durch wenige US-Konzerne. Die Europäische Union reagierte mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO, 2018) und dem Digital Markets Act (DMA, 2022). Gleichzeitig entstanden Visionen eines dezentralisierten Webs (Web 3.0: Blockchain, Dezentralisierung und Semantisches Web) und Debatten über KI-gesteuerte Inhalte (ChatGPT (2022): Wie KI die Medienwelt verändert).


Beispiele

  • 1991: Erste öffentliche Webseite geht am CERN online
  • 1993: Mosaic-Browser macht das Web für Laien zugänglich
  • 1994: Amazon.com startet als Online-Buchhandlung
  • 1998: Google-Suchmaschine wird gegründet
  • 2004: Facebook startet an der Harvard University
  • 2022: Meta verliert erstmals täglich aktive Nutzer; TikTok überholt Google als meistbesuchte Domain

In der Praxis

Für Medienschaffende ist die Geschichte des Webs in mehrfacher Hinsicht relevant:

Für Journalisten und Redakteure: Das Web hat die Produktions- und Distributionskette von Nachrichten vollständig verändert. Newsrooms produzieren heute multimediale Inhalte, die sofort global abrufbar sind. Zugleich kämpfen viele Verlagshäuser mit dem Verlust von Werbeeinnahmen, die zu Google und Facebook abgeflossen sind.

Für Designer und Entwickler: Die technischen Standards des Webs – HTML5, CSS3, JavaScript, responsive Design – sind das Handwerkszeug moderner digitaler Medienproduktion. Das Verständnis ihrer historischen Entwicklung erklärt viele technische Eigenheiten und Pfadabhängigkeiten.

Für Pädagogen und Medienpädagogen: Web-Literalität – das Verstehen, Bewerten und kritische Nutzen von Web-Inhalten – ist eine Kernkompetenz des 21. Jahrhunderts.


Vergleich & Abgrenzung

BegriffDefinition
InternetPhysische Netzwerkinfrastruktur (Hardware + Protokolle)
World Wide WebAnwendungsschicht auf dem Internet; Hypertext-System
IntranetUnternehmensinternes Netz nach Web-Prinzipien
Dark WebÜber Tor-Netzwerk erreichbarer, nicht indizierter Teil des Webs

Häufige Fragen (FAQ)

Wer hat das Internet erfunden? Das Internet (als Infrastruktur) entwickelte sich aus dem ARPANET heraus; Vinton Cerf und Robert Kahn schufen mit TCP/IP (1974) seine konzeptionelle Grundlage. Das World Wide Web als Anwendung auf dem Internet erfand Tim Berners-Lee 1989–1991.

Ist das Web dasselbe wie das Internet? Nein. Das Internet ist die Infrastruktur (Netzwerke, Protokolle), das Web ist eine Anwendung darauf – wie E-Mail, FTP oder Voice-over-IP ebenfalls Anwendungen des Internets sind.

Wann wurde das Web für die Öffentlichkeit geöffnet? Am 30. April 1993 erklärte CERN die Web-Technologien zur freien Nutzung für alle. Dies gilt als das eigentliche Geburtsdatum des öffentlichen Webs.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Berners-Lee, Tim / Fischetti, Mark (1999): Weaving the Web. The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web. HarperCollins, New York.
  • Castells, Manuel (2001): The Internet Galaxy. Reflections on the Internet, Business, and Society. Oxford University Press, Oxford.
  • Hafner, Katie / Lyon, Matthew (1996): Where Wizards Stay Up Late. The Origins of the Internet. Simon & Schuster, New York.
  • W3C History: (Letzter Zugriff: Mai 2026)
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