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Digitale Museen bezeichnen Strategien, Plattformen und Projekte, durch die Museen ihre Sammlungen, Ausstellungen und Vermittlungsangebote digital zugänglich machen – von Online-Datenbanken bis zu vollständig virtuellen Museumserlebnissen.

Rubrik: Messe, Event & Ausstellungsdesign · Unterrubrik: Ausstellungsdesign & Museum · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Museum Digital, Online-Museum, virtuelles Museum, E-Museum

Was sind digitale Museen?

Der Begriff „digitales Museum" beschreibt kein einheitliches Konzept, sondern ein Spektrum von Digitalisierungsstrategien: von der einfachen Online-Datenbank mit Werkdaten bis zum vollimmersiven virtuellen Museumsrundgang. Gemeinsam ist allen Ansätzen das Ziel, Kulturgüter und museale Inhalte für Menschen zugänglich zu machen, die das physische Haus nicht besuchen können – aus geografischen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen oder sozialen Gründen. Die COVID-19-Pandemie 2020/21 war ein entscheidender Beschleuniger dieser Entwicklung.

Erklärung

Digitale Museumsstrategien lassen sich in mehrere Ebenen gliedern:

Digitalisierung der Sammlung: Hochauflösende Fotografien, 3D-Scans und Metadaten werden in öffentlich zugängliche Datenbanken eingespeist. Der Louvre, die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe und das Britische Museum haben Hunderttausende von Werken digitalisiert und lizenzrechtlich freigegeben (Open Access). Plattformen wie Europeana (europäisches Kulturgutarchiv), museum-digital.de (deutschsprachiger Verbund) oder Wikimedia Commons aggregieren diese Bestände.

Google Arts & Culture: Die 2011 von Google gestartete Plattform bietet hochauflösende Zoomsichten auf Werke (dank Gigapixel-Aufnahmen), virtuelle Museumstouren und interaktive Erzählformate. Über 2.000 Partner weltweit – von der Uffizien über das MoMA bis zur Tate Modern – stellen Inhalte bereit. Besonders bekannt sind die Street-View-Rundgänge durch Museumssäle.

Social-Media-Präsenz: Instagram, YouTube und TikTok sind für viele Museen zu aktiven Vermittlungskanälen geworden. Das Rijksmuseum Amsterdam repostet Selfies von Besuchern neben den Originalwerken; das Wiener Kunsthistorische Museum experimentiert mit humoristischen Kunstvergleichen auf TikTok (mit Millionen Followern).

Online-Ausstellungen: Kuratierte digitale Ausstellungen, die nicht als Abbild einer physischen Schau gedacht sind, sondern eigenständig im Browserformat konzipiert werden. Werkzeuge: Story Maps (ArcGIS), Omeka, IIIF-Viewer, Story.js oder proprietary CMS-Systeme.

Museum als digitaler Dienst: Digitale Audioguides, Lern-Apps, Podcasts, E-Learning-Kurse und Newsletter-Serien gehören zum Standardangebot zeitgemäßer Museen. Besonders aktiv: das Rijksmuseum Amsterdam mit seiner Rijksstudio-App (1 Mio. Nutzer).

Herausforderungen der Digitalisierung umfassen Urheberrecht (auch Werke toter Künstler können durch Fotografenurheberrecht geschützt sein), Nachhaltigkeit (digitale Infrastruktur erfordert kontinuierliche Pflege), Qualitätssicherung (Metadaten sind oft unvollständig) und Barrierefreiheit (Screenreader-Kompatibilität, Untertitel, Audiodeskription).

Beispiele

  1. Rijksmuseum Amsterdam – Rijksstudio – Über 700.000 hochauflösende Werke frei herunterladbar; Nutzer erstellen eigene Kollektionen; einer der erfolgreichsten Open-Access-Ansätze weltweit.
  2. Louvre – Collections en ligne – 483.000 Objekte der Sammlung online recherchierbar; 3D-Modelle für ausgewählte Skulpturen; kostenloser Zugang ohne Registrierung.
  3. Smithsonian Institution – 4,7 Millionen Objekte digital verfügbar; weltweit größtes digitales Kulturgutarchiv; CC0-Lizenzierung für alle gemeinfreien Werke.
  4. Staatliche Museen zu Berlin – SMB-digital – Verbundplattform der Berliner Museen mit einheitlicher Suchoberfläche und IIIF-kompatibler Bildausgabe.
  5. Google Arts & Culture – Frida Kahlo – Interaktive Biografie der Künstlerin mit Hochauflösungsansichten, virtuellen Haus-Rundgängen und Video-Interviews; Beispiel für contentstarke digitale Kuratierung.

In der Praxis

Digitalisierungsprojekte in Museen beginnen mit einer Sammlungsanalyse (Welche Objekte haben Priorität?) und einer Infrastrukturplanung (DAM-System, IIIF-Server, CMS-Anbindung). Für die Massendigitalisierung kommen Buchscanner, Fotostudios mit Repeatability-Systemen und zunehmend auch KI-gestützte Bilderkennungslösungen zum Einsatz. Metadaten werden nach internationalen Standards (Dublin Core, LIDO, CIDOC-CRM) strukturiert. Für kleinere Museen bietet museum-digital.de eine kostenlose Verbundlösung.

Vergleich & Abgrenzung

Digitale Museen unterscheiden sich von virtuellen Ausstellungen dadurch, dass der Fokus auf der Sammlung und deren dauerhafter Zugänglichkeit liegt, nicht auf einem einzelnen kuratierten Erlebnis. Gegenüber der Online-Galerie (primär Verkaufsplattform) steht die wissenschaftliche Erschließung und Bildungsaufgabe im Vordergrund.

Häufige Fragen (FAQ)

Ersetzen digitale Angebote den physischen Museumsbesuch? Forschungsergebnisse zeigen das Gegenteil: Digitale Angebote wecken häufig Interesse und motivieren zu einem physischen Besuch. Das „Digital Leads to Physical"-Phänomen ist in der Museumsforschung gut belegt. Digitale und physische Erlebnisse ergänzen sich komplementär.

Was kostet die Digitalisierung einer Museumssammlung? Die Kosten variieren stark: Eine einfache Fotografie (Aufsicht, DSLR) kostet ca. 5–15 € pro Objekt; professionelle 3D-Scans können mehrere Hundert Euro pro Objekt kosten. Für ein mittelgroßes Museum mit 50.000 Objekten sind Digitalisierungsprojekte im Millionenbereich keine Seltenheit. Förderungen durch die Kulturministerien der Länder und die Kulturstiftung des Bundes existieren.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Parry, Ross (Hrsg., 2010): Museums in a Digital Age. Routledge.
  • Russo, Angelina (2012): Digital Cultural Communication. Routledge.
  • Online: museum-digital.de – www.museum-digital.de
  • Online: Europeana – www.europeana.eu
  • Online: Google Arts & Culture – artsandculture.google.com
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