← Zurück zu Messe & Event
Kuratierung (lat. cura = Sorge, Pflege) bezeichnet den Prozess der inhaltlichen Auswahl, Anordnung und Kontextualisierung von Objekten, Inhalten oder Themen mit dem Ziel, eine bedeutungsvolle Ausstellungsnarration zu schaffen.

Rubrik: Messe, Event & Ausstellungsdesign · Unterrubrik: Ausstellungsdesign & Museum · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Kuration, Curation, Ausstellungskonzeption, Sammlung kuratieren

Was ist Kuratierung?

Kuratierung ist die intellektuelle und gestalterische Kernaufgabe jeder Ausstellung. Der Kurator oder die Kuratorin entscheidet, welche Objekte gezeigt werden, in welchem Zusammenhang sie zueinander stehen, welche Geschichte sie gemeinsam erzählen und welche Objekte weggelassen werden. Diese Auswahl- und Deutungsmacht ist keineswegs neutral: Jede Ausstellung ist ein Argument, eine Perspektive, eine Positionierung. Kuratierung macht implizite Wertungen explizit und setzt Prioritäten.

Erklärung

Das Berufsbild des Kurators entstand in europäischen Fürstensammlungen des 16. Jahrhunderts. Der Begriff „Curator" bezeichnete ursprünglich den Aufseher über eine Sammlung – jemanden, der sich um die physische Bewahrung kümmerte. Mit dem Aufkommen öffentlicher Museen im 18. und 19. Jahrhundert wandelte sich die Rolle: Kuratoren wurden zu wissenschaftlichen Experten, die Sammlungen erschlossen, katalogisierten und für die Öffentlichkeit interpretierten.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich aus der Museumsarbeit heraus das unabhängige Kuratorentum: Freie Kuratoren wie Harald Szeemann, der 1969 die legendäre Ausstellung „When Attitudes Become Form" konzipierte, etablierten den Kurator als eigenständige kreative Autorschaft jenseits institutioneller Bindungen. Heute gilt Szeemann als Erfinder des Konzepts der „Ausstellung als Kunstwerk".

Kuratierungsprinzipien lassen sich nach verschiedenen Logiken ordnen:

  • Chronologisch: Geschichte als Zeitstrahl (häufig in historischen Museen)
  • Thematisch: Gegenstände nach übergreifenden Themen (z. B. „Arbeit", „Krieg", „Liebe")
  • Räumlich/geografisch: Kulturen oder Regionen als Ordnungsprinzip
  • Material-/Gattungsbasiert: Gemälde, Skulptur, Fotografie als separate Räume
  • Konzeptuell/narrativ: Eine übergeordnete These gliedert alle Exponate

Das kuratorische Narrativ ist das zentrale Instrument: Es definiert eine Leitfrage oder -these, der alle Ausstellungsinhalte folgen. Ein starkes Narrativ macht eine Ausstellung einprägsam und unterscheidbar von anderen. Schwache Narrative – „wir zeigen unsere Sammlung" – führen zu unverbundenen Exponatansammlungen ohne Erlebnisqualität.

Bedeutende Kuratorinnen und Kuratoren der Gegenwart: Okwui Enwezor (documenta 11, 2002), Catherine David (documenta X, 1997), Carolyn Christov-Bakargiev (documenta 13, 2012). Im deutschsprachigen Raum: Kasper König, Rein Wolfs, Beatrix Ruf.

Beispiele

  1. documenta 11, Kassel (2002) – Okwui Enwezor kuratierte mit einem postkolonialen Narrativ, das erstmals Stimmen aus Lateinamerika, Afrika und Asien gleichberechtigt einbezog; ein Meilenstein der Kuratorengeschichte.
  2. „Sensation", Royal Academy London (1997) – Charles Saatchi kuratierte eine bewusst provokative Sammlung junger britischer Kunst (Young British Artists); Kuratierung als Markenbildung.
  3. Historisches Museum Frankfurt, Dauerausstellung (2017) – Kuratorisch niedrigschwellige Stadtgeschichte, die lokale Objekte mit persönlichen Erzählungen verbindet; Kuratierung als demokratisches Projekt.
  4. Humboldt Forum, Berlin (ab 2021) – Kontrovers debattierte Kuratierung ethnologischer Sammlungen im Kontext von Kolonialgeschichte und Restitutionsdebatten.
  5. Haus der Geschichte, Bonn – Kuratierung als politische Bildung: Objekte der deutschen Nachkriegsgeschichte werden in ihrer gesellschaftlichen Wirkungsdimension gezeigt.

In der Praxis

Der kuratorische Prozess beginnt mit einer Forschungsphase: Quellenstudium, Sammlungsrecherche, Experteninterviews. Danach folgt die Konzeptphase mit der Formulierung des Narrativs, der Objektliste (oft zehnmal mehr Objekte als schließlich gezeigt werden) und dem kuratorischen Text. In der Abwägungsphase werden Konservierungsfragen, Leihgesuche (internationaler Leihverkehr), Versicherungsfragen und Transportaufwände geklärt. Kuratoren arbeiten eng mit Ausstellungsgestaltern, Restauratoren, Registraren und Bildungsabteilungen zusammen. Software: Sammlungsdatenbanken (TMS, MuseumPlus), Projektmanagementsysteme (Asana, MS Project).

Vergleich & Abgrenzung

Kuratierung ist inhaltliche Arbeit; Ausstellungsdesign ist räumlich-gestalterische Umsetzung. Beide sind aufeinander angewiesen und müssen eng zusammenarbeiten. Die Dramaturgie beschreibt speziell den zeitlichen und emotionalen Bogen einer Ausstellung. Sammlungsmanagement (Registratur) ist der administrative Teil der Kuratorenarbeit, der oft von spezialisierten Registraren übernommen wird.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man Kuratierung studieren? Ja – spezialisierte Masterprogramme in Curatorial Studies existieren an der HfG Frankfurt, der Städelschule, dem Goldsmiths College London oder dem Royal College of Art London. Viele Kuratoren kommen aber über Kunst-, Kulturwissenschafts- oder Museumsstudiengänge ins Feld.

Was ist „digitale Kuratierung"? Im erweiterten Sinne bezeichnet digitale Kuratierung die Auswahl und Kontextualisierung von Online-Inhalten – z. B. das Kuratieren von Social-Media-Inhalten, Spotify-Playlists oder Sammlungen auf Google Arts & Culture. Im engeren Museumssinn betrifft es die inhaltliche Erschließung und Aufbereitung digitaler Sammlungen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Obrist, Hans Ulrich (2008): A Brief History of Curating. JRP Ringier.
  • Marincola, Paula (Hrsg., 2006): What Makes a Great Exhibition? Philadelphia Exhibitions Initiative.
  • Roelstraete, Dieter (2012): The Way of the Shovel. Art as Archaeology. MCA Chicago.
  • Online: Independent Curators International – www.curatorsintl.org
  • Online: Bundesverband Museumspädagogik – www.bvmp.eu
← Zurück zu Messe & Event
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar