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Messebau bezeichnet die Planung, Herstellung, Montage und Demontage von Messeständen und umfasst alle handwerklichen, technischen und gestalterischen Gewerke, die für die physische Realisierung eines Ausstellungsauftritts notwendig sind.

Was ist Messebau?

Messebau ist eine temporäre Form der Architektur – Räume, die in wenigen Tagen entstehen und nach wenigen Tagen wieder verschwinden. Gleichzeitig ist er ein komplexes Handwerks- und Dienstleistungsfeld: Zimmerer, Tischler, Elektriker, Drucker, Grafiker, AV-Techniker und Logistiker arbeiten zusammen, um in kürzester Zeit einen funktionierenden, ästhetisch anspruchsvollen Ausstellungsraum zu schaffen.

Der FAMAB (Fachverband Messe- und Ausstellungsbau) repräsentiert in Deutschland über 150 Mitgliedsunternehmen im Messebau. Die Branche erwirtschaftete 2022 laut FAMAB-Jahresbericht rund 3,8 Mrd. Euro Umsatz in Deutschland.

Erklärung: Die Phasen des Messebaus

Phase 1 – Konzept und Entwurf

Briefing-Analyse: Das Briefing des Ausstellers (→ Messestand planen – Workflow von der Konzeption bis zur Nachbereitung) wird auf technische Umsetzbarkeit geprüft. Welche Konstruktionsformen sind möglich? Welche Materialien eignen sich?

Skizze und Grundriss: Freie Handskizzen klären erste Raumvorstellungen. Dann CAD-Grundriss (AutoCAD, Vectorworks) mit exakten Maßen der angemieteten Standfläche.

3D-Visualisierung: Computervisualisierung (3ds Max, Cinema 4D, SketchUp + V-Ray) vermittelt dem Auftraggeber eine realistische Vorstellung. Wichtig: Materialien, Farben, Licht müssen realistisch dargestellt sein.

Kostenermittlung (erste Kalkulation): Messebau-Kosten setzen sich zusammen aus:

  • Material (Holz, Metall, Textil, Glas, Kunststoff)
  • Zugelieferte Elemente (Möbel, AV-Technik, Grafiken)
  • Lohnkosten für Tischler, Elektriker, Monteure
  • Transport und Logistik
  • Aufbau und Abbau-Stunden

Phase 2 – Ausführungsplanung

Nach Freigabe des Konzepts folgt die detaillierte Ausführungsplanung:

Werkstattzeichnungen: Maßstabsgetreue technische Zeichnungen für alle Bauteile. Wandstärken, Verbindungspunkte, Einbauteile (Steckdosen, Einbauschränke, Monitorhalterungen) werden eingezeichnet.

Stückliste: Vollständige Liste aller Materialmengen und Zukaufteile. Basis für die Materialbeschaffung und Kostencontrolling.

Gewerke-Koordination:

Anmeldung beim Veranstalter: Baupläne und technische Daten (Strombedarf, Gewicht, Standsicherheit) müssen innerhalb der Fristen des Veranstalters eingereicht werden. Verspätete Einreichung kann zu Änderungsaufwand oder Ablehnung führen.

Phase 3 – Produktion

Die Produktion läuft parallel in verschiedenen Gewerken:

Tischlerei / Schreinerei: Individuelle Möbel, Wände, Deckenelemente, Podeste werden in der Werkstatt vorgefertigt. Standardisierte Anschlüsse ermöglichen schnellen Aufbau auf der Messe.

CNC-Fräsen und Laser-Cut: Präzise Formschnitte für dekorative Elemente, Buchstaben, Reliefplatten. CNC-Fräsen aus MDF, Holz, Alu-Dibond; Laser-Gravur für Acrylglas.

Lackierung und Oberflächenbehandlung: Lackierte Oberflächen (RAL-Farben), Folienbeschichtungen, Parkettböden, Teppichböden werden in der Werkstatt vorbereitet oder auf der Messe aufgebracht.

Grafik-Produktion: Großformatdrucke (→ Großformatdruck in Ausstellungen – Banner, Poster und Grafikwände) werden beim Druckdienstleister bestellt. Timeline beachten: 5–10 Werktage für Spannrahmen; 1–2 Werktage für einfache Roll-ups.

Möbelbeschaffung: Mietmöbel (Messemöbel-Dienstleister) oder Kaufmöbel werden bestellt. Lieferung direkt auf die Messe oder vorher ins Lager.

Verpackung und Kennzeichnung: Alle Teile werden für den Transport verpackt, beschriftet und gewichtet. Transportlisten für Zoll (bei internationalen Messen) oder Speditions-Aufträge.

Phase 4 – Logistik und Transport

Transportvarianten:

  • Eigener Transporter: Für kleinere Stände bis ca. 50 m²
  • Spedition (Vorabtransport): Anlieferung ans Messegelände-Logistikzentrum
  • Direktbeistellung: Lkw fährt direkt in Aufbauhalle (wenn Aufbauzeit groß genug)

Messe-Handling: Auf großen Messen (Hannover, Frankfurt, Köln) übernehmen vom Veranstalter autorisierte Logistiker das Handling: Entladen, Einlagern, Anliefern ans Stand. Dieser Service ist kostenpflichtig (je nach Messe: 50–200 € pro m² Standfläche als Pauschalgebühr).

Aufbau-Zeitplan: Veranstalter gibt Aufbautage vor (typisch 2–4 Tage). Kritisch: Bodenbelag vor Konstruktion; Elektrik vor Endmontage; Grafiken zuletzt. Zeitpuffer einplanen.

Phase 5 – Aufbau (Montage)

Die Montage ist die kritische Phase, in der alle vorbereiteten Elemente zusammenkommen:

Tag 1 – Bodenbelag: Messeboden (Teppich, Vinyl, Holzparkett) wird auf der rohen Messehallen-Betonboden verlegt. Messebau-Teams beginnen früh morgens.

Tag 2 – Roh-Konstruktion: Wände, Deckenelemente, Trussstrukturen werden aufgestellt und verbunden.

Tag 3 – Technik und Innenausbau: Elektriker verlegen Kabel; AV-Technik wird installiert; Möbel werden eingebaut; Vitrinen aufgestellt (→ Vitrinen & Präsentationssysteme – Exponate inszenieren und schützen).

Tag 4 – Finish und Dekoration: Grafiken werden aufgebracht; Beleuchtung wird eingestellt; Exponate werden platziert; Endabnahme durch Bauleiter.

Bauleiter-Checkliste bei Abnahme:

  • Alle Grafiken korrekt platziert und ohne Blasen/Wellen?
  • Alle Leuchten funktionieren und korrekt ausgerichtet?
  • Alle AV-Geräte getestet?
  • Bodenbelag vollständig und sauber verlegt?
  • Notausgänge frei und beschildert?
  • Standfläche laut Veranstalterplan innerhalb der Grenzen?

Phase 6 – Messelaufzeit

Auch während der Messe gibt es Aufgaben für das Messebau-Team:

  • Kleinreparaturen (Ersatzteile bereithalten!)
  • Tägliche Reinigung des Bodens
  • Technischer Bereitschaftsdienst für AV-Ausfälle
  • Nachjustierung von Exponaten und Licht

Phase 7 – Abbau (Demontage)

Nach Messeschluss beginnt der Abbau – meist unter Zeitdruck, da Veranstalter enge Abbaufristen setzen:

Reihenfolge (umgekehrt zum Aufbau):

  1. Exponate und Wertgegenstände sofort sichern
  2. Grafiken abziehen (vor Abkühlung der Halle – bei Kälte lösen Folien schlecht)
  3. AV-Technik abbauen und einpacken
  4. Möbel
  5. Elektrounterverteilung
  6. Konstruktion/Wände
  7. Bodenbelag
  8. Standfläche besenrein übergeben

Lagerung oder Entsorgung: Wiederverwendbare Teile zurück ins Lager; Einwegteile (bei Einzel-Auftrag) entsorgen oder recyceln (→ Nachhaltige Messestände & Green Events – Ökologisch ausstellen).

Beispiele

  • Hannover Messe Stand 500 m² (Industrie-Aussteller): 6 Wochen Vorlaufzeit Produktion, 4 Aufbautage, 12 Monteure, 3 Elektriker, 80 Transporteinheiten. Gesamtprojektdauer vom Briefing bis Abbau: 6 Monate.
  • System-Messestand 30 m² (wiederverwendbar): Octanorm-Profil, 2 Aufbautage, 2 Monteure, passt in 1 Transporter. Wiederverwendet über 5 Messejahre.

In der Praxis

Zeitplan-Richtwerte für Messebau-Projekte:

PhaseZeitaufwand (ab Auftragserteilung)
Konzept & EntwurfWoche 1–3
Freigabe und AusführungsplanungWoche 3–6
ProduktionWoche 6–12
Transport und Voranlieferung1–2 Wochen vor Messe
Aufbau auf Messe2–4 Tage
Messe-Betrieb3–10 Tage
Abbau1–2 Tage
Einlagerung/Entsorgung1–2 Wochen nach Messe

Vergleich & Abgrenzung

Messebau vs. Innenarchitektur: Innenarchitektur plant dauerhafte Räume; Messebau plant temporäre, reise- und transportgerechte Bauten. Andere Materialanforderungen, andere Konstruktionslogik.

Messebau vs. Theaterbau/Bühnenbau: Bühnenbau (→ Stage Design & Bühnengestaltung – Raum für Auftritte inszenieren) ist ebenfalls temporär, aber auf Performance-Kontext ausgelegt. Messebau betont Produkt- und Markenpräsentation.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man als Aussteller selbst aufbauen? Auf manchen Messen ja (DIY-Stände aus System-Kits). Auf großen Messen (z. B. Hannover Messe) sind viele Gewerke (Elektrik) aus Sicherheitsgründen dem zugelassenen Fachpersonal vorbehalten.

Was ist das Messeboden-Handling? Viele Messegelände-Betreiber erheben eine Handlingpauschale für die Bereitstellung des Messebodens (Trageboden, der den Rohbeton bedeckt). Dieser Kostenpunkt wird gern übersehen.

Wie lange im Voraus Messebauer beauftragen? Für Standard-Stände: 3–6 Monate. Für Sonderanfertigungen oder Premium-Stände: 6–12 Monate. Erfahrene Messebauer sind meist früh ausgebucht.

Was ist ein Systemstand? Ein modularer Stand aus standardisierten Profilen (Octanorm, Syma, Aluvision), die zu verschiedenen Grundrissen zusammengesteckt werden können. Günstiger und schneller als Individualstand, dafür weniger gestalterische Freiheit.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • FAMAB (2023): Jahresbericht Messe- und Ausstellungsbau 2023. Rheda-Wiedenbrück: FAMAB.
  • AUMA (2024): Leitfaden Messebeteiligung für Aussteller. Berlin: AUMA.
  • Kirchgeorg, Manfred et al. (2012): Live Communication Management. Wiesbaden: Gabler.
  • Ueding, Rolf (1995): Management von Messebeteiligungen. Wiesbaden: DUV.
  • DIN EN 1004:2023: Mobile Rüst- und Arbeitsgerüste – Anforderungen für Messebau. Berlin: Beuth Verlag.
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