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Piktogramme sind vereinfachte, symbolische Bildzeichen, die Informationen ohne Sprache kommunizieren; Signaletik bezeichnet das übergeordnete System von Zeichen, Schildern und Orientierungshilfen in einem räumlichen Kontext.

Rubrik: Messe, Event & Ausstellungsdesign · Unterrubrik: Grundlagen · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Piktogramm-System, Zeichensystem, Legende, Symbolsystem, Environmental Signage

Was sind Piktogramme und Signaletik?

Piktogramme sind die gemeinsame Sprache des globalen Raums: Ob am Flughafen, in der Messehalle, im Museum oder im Einkaufszentrum – sie kommunizieren Informationen schnell, sprachunabhängig und für breite Zielgruppen verständlich. Signaletik ist das übergeordnete Designsystem, das Piktogramme zusammen mit Typografie, Farbe und Raumgestaltung zu einem kohärenten Orientierungssystem verbindet. Beide Bereiche sind fundamental für jede Form von öffentlicher Raumgestaltung.

Erklärung

Geschichte der Piktogramme: Die moderne Piktogrammgestaltung hat ihre Wurzeln im frühen 20. Jahrhundert: Otto Neurath entwickelte ab 1925 in Wien die Isotype-Methode (International System of Typographic Picture Education) – ein standardisiertes Bildzeichensystem für statistische Informationen. Die international bekannten olympischen Piktogramme wurden erstmals 1964 in Tokio (Otl Aicher war später Leitgestalter für die Olympischen Spiele 1972 in München) eingesetzt. Seitdem haben sich viele Piktogrammsysteme entwickelt, die heute in internationalen Normen codiert sind.

Normierung und Standards:

  • ISO 7010: Internationale Norm für Sicherheitszeichen (Notausgang, Feuer, Elektro, Chemie etc.). Verbindlich in Europa, Deutschland (DIN EN ISO 7010).
  • ISO 9186: Methoden zur Prüfung der Verständlichkeit von Piktogrammen.
  • AIGA Symbol Signs: 50 öffentliche Informationssymbole, ursprünglich für US-Verkehrsbehörden entwickelt, heute international Standardreferenz für Wayfinding-Piktogramme (Restaurant, Toilette, Taxi etc.).

Gestaltungsprinzipien für Piktogramme:

  1. Einfachheit: Maximale Reduktion auf das Wesentliche; keine unnötigen Details.
  2. Universelle Erkennbarkeit: Das dargestellte Konzept muss kulturübergreifend verständlich sein.
  3. Konsistenz: Alle Piktogramme eines Systems folgen denselben Gestaltungsregeln (Strichstärke, Proportionen, Stil).
  4. Kontrast: Mindestkontrast zwischen Symbol und Hintergrund von 3:1 (nach DIN 32975).
  5. Skalierbarkeit: Funktioniert sowohl auf einem 10 mm-Icon als auch auf einem 2 m-Schild.

Signaletik als Systemdesign: Signaletik verbindet Piktogramme mit Typografie (Schriftsystem, Größenhierarchien), Farben (Farbcodes für Zonen, Statusinformationen), Trägermedien (Schilder, digitale Anzeigen, Bodengrafiken) und Platzierungsregeln (Montagehöhen, Abstände, Sichtachsen) zu einem durchgängigen System. Ein professionelles Signaletik-Konzept wird in einem Signage Manual (Gestaltungshandbuch) dokumentiert und für alle Anwender verbindlich gemacht.

Digitale Piktogramme und Iconsets: Im digitalen Designbereich haben sich standardisierte Icon-Sets durchgesetzt: Google Material Icons, Noun Project, Font Awesome und SF Symbols (Apple) stellen tausende konsistente Piktogramme für digitale Anwendungen bereit. Der Transfer von digitalen Icons zu physischen Schildern erfordert Anpassungen in Strichstärke und Lesbarkeit auf Distanz.

Beispiele

  1. Olympische Spiele München 1972 – Otl Aicher: Das Piktogramm-System von Otl Aicher für die Münchner Olympiade gilt als Meilenstein des modernen Designdenkens – geometrisch, klar, noch heute wegweisend.
  2. Hannover Messe – Hallenleitsystem: Das Hallenleitsystem der Hannover Messe verwendet farbcodierte Piktogramme für verschiedene Themenbereiche (Energie, Mobilität, Digital) kombiniert mit mehrsprachiger Beschriftung.
  3. Flughafen Frankfurt – Terminals: Das Piktogrammsystem des Frankfurter Flughafens folgt AIGA- und ISO-7010-Standards, ergänzt durch eigene CI-konforme Icons für flughafenspezifische Informationen.
  4. Museumsquartier Wien: Das Orientierungssystem verbindet historische Architektur mit einem zeitgenössischen Piktogramm-Signaletik-System für Touristen aus aller Welt.
  5. Best Practice – Heathrow T5 / Pentagram: Pentagram entwickelte für Heathrow Terminal 5 ein Piktogramm-Signaletik-System, das für Anerkennung im Environmental Graphic Design sorgte und seitdem international als Referenz zitiert wird.

In der Praxis

Die Entwicklung eines Piktogramm-Systems beginnt mit der Bedarfsanalyse: Welche Informationen müssen vermittelt werden? Welche Zielgruppen (mehrsprachig, mobilitätseingeschränkt, Altersgruppen) müssen berücksichtigt werden? Dann folgt die Recherche normativer Anforderungen (ISO 7010, DIN-Normen). Für die Gestaltung eigener Piktogramme: Adobe Illustrator auf einem 24×24-px-Raster mit konsistenten Strichstärken. Verständlichkeitstests (formative und summative Evaluation) sind für normkritische Piktogramme (Sicherheit) Pflicht. Für Messen und Events können Piktogramme aus Standardbibliotheken (Noun Project, AIGA Signs) lizenziert und CI-konform angepasst werden.

Vergleich & Abgrenzung

Piktogramme unterscheiden sich von Icons durch ihre physische Anwendungsgröße und ihre normative Einbindung. Im Vergleich zu Logos sind Piktogramme auf Universalverständlichkeit ausgelegt, nicht auf Markendifferenzierung. Signaletik ist umfassender als Beschilderung (die nur physische Träger beschreibt) und spezifischer als Wayfinding (das auch architektonische Orientierungselemente umfasst). Gegenüber Infografik ist Signaletik systemorientiert und normgebunden, während Infografik stärker narrative und gestalterische Freiheit hat.

Häufige Fragen (FAQ)

Darf ich Piktogramme aus dem Internet für kommerzielle Projekte verwenden? Das hängt von der Lizenz ab. ISO-7010-Sicherheitszeichen sind normiert und frei nutzbar. AIGA Symbol Signs sind gemeinfrei. Kommerzielle Icon-Sets (Noun Project, Icons8) erfordern je nach Lizenzmodell Attribution oder kostenpflichtige Nutzungsrechte. Adobe Stock und Shutterstock bieten lizenzierte Piktogramme für kommerzielle Anwendungen. Immer die Lizenzbedingungen prüfen, bevor Piktogramme in Kundenprojekten eingesetzt werden.

Wie groß muss ein Piktogramm auf einem Schild sein? Die DIN 4844-1 gibt Hinweise zur Mindestgröße von Sicherheitszeichen in Abhängigkeit vom Betrachtungsabstand: Als Richtwert gilt, dass die Zeichenhöhe mindestens 1/200 der Betrachtungsdistanz betragen sollte. Für einen Schild in 10 m Entfernung wäre also eine Mindesthöhe von 5 cm erforderlich. Für Wayfinding-Schilder auf Messen (Betrachtungsabstand 3–5 m) empfehlen sich Piktogramme von mindestens 3–4 cm Höhe.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Aicher, O. / Krampen, M. (1977): Zeichensysteme der visuellen Kommunikation. Alexander Koch Verlag.
  • Mijksenaar, P. (1997): Visual Function: An Introduction to Information Design. Princeton Architectural Press.
  • Online: www.segd.org – Society for Experiential Graphic Design
  • Online: www.din.de – DIN EN ISO 7010, DIN 32975, DIN 4844-1
  • Online: thenounproject.com – Globale Piktogramm-Bibliothek
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