Reihenstand ist die häufigste Messestandform, bei der der Stand von einer Seite (der Front) zugänglich ist und an drei Seiten von Nachbarständen oder Hallenwänden begrenzt wird.
Rubrik: Messe, Event & Ausstellungsdesign · Unterrubrik: Grundlagen · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Reihenstandfläche, Frontstand, Single-Sided Stand (englisch)
Was ist ein Reihenstand?
Der Reihenstand ist das am häufigsten vorkommende Standformat auf deutschen und internationalen Fachmessen. Er liegt innerhalb einer Reihe gleich ausgerichteter Stände, hat eine offene Frontseite zum Gangbereich hin und wird an den Seiten und am Rücken durch Trennwände, Systemwände oder Nachbarkonstruktionen begrenzt. Trotz seiner Einschränkungen bietet der Reihenstand mit guter Planung erhebliches Kommunikationspotenzial.
Erklärung
Die definierenden Merkmale des Reihenstands sind seine eine offene Seite (die Frontseite), seine klar definierte Rückwand und die zwei geschlossenen Seitenwände. Diese Geometrie begrenzt zwar die Zugangsmöglichkeiten für Besucher, schafft aber gleichzeitig eine kompakte, gut strukturierbare Ausstellungsfläche.
Die Rückwand ist das optische Herzstück des Reihenstands. Sie dient als großformatige Kommunikationsfläche für Markenidentität, Kernbotschaft und Produktpräsentation. Professionelle Messeaussteller nutzen hier großformatige Drucke, LED-Displays oder Systemwandlösungen (z. B. Octanorm, Aluvision), um maximale visuelle Wirkung zu erzielen.
Die Standtiefe (Abstand von Frontgasse bis Rückwand) beträgt bei Reihenflächen typischerweise 3 bis 6 Meter, die Frontbreite variiert je nach gebuchter Fläche. Standardgrößen beginnen bei 9 m² (3 × 3 m), typische Mittelgrößen liegen bei 12 bis 30 m².
Wichtig für die Gestaltung: Die Maximalhöhe ist durch Messebauregeln begrenzt. Bei Reihenflächen gilt in der Regel eine Höchsthöhe von 2,5 bis 3,5 Meter für geschlossene Konstruktionen; in der Rückwandmitte sind oft Ausnahmen für Showelemente bis 5 Meter möglich. Diese Regeln variieren je nach Messegesellschaft und müssen vorab geklärt werden.
Reihenstände eignen sich besonders für Produktpräsentationen in linearer Anordnung (zum Beispiel eine Produktreihe entlang der Rückwand), Beratungsgespräche (ein Stehtisch oder Sitzbereich vorne im Stand), Multimedia-Präsentationen (Screen an der Rückwand) und Produktvorführungen (Demonstrationsfläche in Standmitte). Für Unternehmen, die hauptsächlich tiefgehende Gespräche mit vorqualifizierten Kontakten führen möchten, ist die eingeschränkte Offenheit des Reihenstands oft kein Nachteil, sondern sogar ein Vorteil.
Beispiele
- Messe Frankfurt / Ambiente: Hunderte kleiner Designunternehmen präsentieren ihre Kollektionen auf Reihenflächen von 9–18 m². Die Rückwand wird als Produktkulisse gestaltet, der Vorderbereich als Beratungszone.
- DMEA Berlin (Digitalmesse Gesundheitswesen): Softwareunternehmen nutzen Reihenstände mit Screenwand und zwei bis drei Demonstrationsarbeitsplätzen für Produktpräsentationen.
- Buchmesse Frankfurt: Verlage belegen Gemeinschaftsreihenstände in Länderhallen, wo die Rückwand Programmhighlights kommuniziert.
- Hannover Messe / Start-up-Bereich: Junge Technologieunternehmen präsentieren sich auf standardisierten 9-m²-Reihenflächen mit modularem Systemstand.
- Best Practice – Schüco auf der BAU München: Der Fassadenspezialist gestaltet seinen Reihenstand so, dass die Rückwand als begehbare Produktarchitektur erfahrbar wird – ein Vorbild für maximale Raumnutzung auf begrenzter Fläche.
In der Praxis
Für die Planung eines Reihenstands empfiehlt sich ein Raumplan im Maßstab 1:20, der Rückwandgestaltung, Möblierung, Laufwege und Lichtpositionen zeigt. Gängige Tools: SketchUp für 3D-Visualisierungen, AutoCAD für technische Pläne, InDesign für Grafikvorlagen. Systemwände (Octanorm, MEFO, Aluvision) sind für kleine Reihenstände oft wirtschaftlicher als individueller Messebau. Drucke für die Rückwand werden als Direktdruck auf Alu-Dibond oder als Textilspannsystem (SEG – Silicone Edge Graphics) realisiert. Wichtig: Elektroanschluss, Wasseranschluss und Internet rechtzeitig über den Messeservice der Veranstalter buchen.
Vergleich & Abgrenzung
Im Vergleich zum Eckstand fehlt dem Reihenstand die zweite offene Seite, was die Besucheransprache einschränkt. Im Vergleich zum Inselstand ist er wesentlich kostengünstiger und pflegeleichter. Gegenüber einem Messegemeinschaftsstand hat der individuelle Reihenstand den Vorteil der vollständigen Markenkontrolle. Der Reihenstand unterscheidet sich grundlegend von einem Pop-up-Store: Während der Pop-up dauerhafter ist und Kaufentscheidungen direkt fördert, ist der Messereihenstand zeitlich begrenzt und auf Kontaktanbahnung ausgerichtet.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie gestalte ich eine Rückwand, die wirklich auffällt? Die Rückwand sollte eine einzige, klare Kernbotschaft kommunizieren – nicht mehr als sieben Wörter in der Hauptzeile. Kontrastreiche Farben, professionelle Bildsprache und eine gut lesbare Schrift ab 50 mm Höhe (für 3 Meter Leseabstand) sind entscheidend. LED-Panels oder hinterleuchtete Textilrahmen (Lightboxen) sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit auch in dunkleren Hallenbereichen.
Darf ich bei einem Reihenstand auch Präsentationen nach oben bauen? Ja, aber mit Einschränkungen. Die meisten Messegesellschaften erlauben beim Reihenstand eine Maximalhöhe von 2,5 m für seitliche Wände und bis zu 4–5 m für Rückwandelemente. Konstruktionen über 3 m benötigen oft eine statische Berechnung. Immer die aktuellen Technischen Richtlinien der jeweiligen Messe prüfen.
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Weiterführend
- FAMAB Kommunikationsverband (Hrsg.) (2022): Handbuch Live Communication. FAMAB Verlag.
- Meffert, H. / Kirchgeorg, M. (2005): Markenmanagement auf Messen. Gabler.
- Online: www.auma.de – Technische Richtlinien Messeaussteller
- Online: www.octanorm.de – Systemwandlösungen für Reihenstände
