Chemiefasern sind industriell hergestellte Textilfasern; die wichtigsten synthetischen Vertreter sind Polyester und Nylon (Polyamid).
Rubrik: Mode · Unterrubrik: Materialien & Textilien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Kunstfasern, Synthesefasern, man-made fibres
Was sind Chemiefasern?
Chemiefasern sind Textilfasern, die nicht direkt aus der Natur entnommen, sondern in einem industriellen Prozess erzeugt werden. Man teilt sie in synthetische Fasern aus Erdöl (Polyester, Nylon) und zellulosische Chemiefasern aus natürlichen Rohstoffen (z. B. Viskose). Polyester ist heute die weltweit am häufigsten verwendete Faser überhaupt.
Erklärung
Synthetische Chemiefasern entstehen, indem ein flüssiges Polymer durch feine Düsen (Spinndüsen) gepresst und zu endlosen Filamenten erstarrt wird – ein Verfahren, das man Spinnen im chemietechnischen Sinn nennt. Polyester (PES) ist reißfest, formstabil, knitterarm und trocknet schnell. Nylon bzw. Polyamid (PA) ist besonders abriebfest und elastisch und wurde 1938 von DuPont (Wallace Carothers) als erste vollsynthetische Faser eingeführt.
Synthetische Chemiefasern nehmen kaum Feuchtigkeit auf, sind dadurch schnelltrocknend, aber auch geruchsanfällig und elektrostatisch. Ihr größter Nachteil im Nachhaltigkeitskontext: Sie sind erdölbasiert, nur schwer abbaubar und geben beim Waschen Mikroplastik ab. Zugleich ermöglichen Chemiefasern Funktionseigenschaften, die Naturfasern nicht bieten – etwa hohe Dehnbarkeit durch Elasthan. Recyceltes Polyester (rPET) aus PET-Flaschen gewinnt als ressourcenschonende Alternative an Bedeutung.
Beispiele
- Polyester: Sportbekleidung, Fleece, Futterstoffe.
- Nylon/Polyamid: Strumpfhosen, Funktionsjacken, Taschen.
- Elasthan/Spandex: Stretchanteil in Jeans und Sportmode.
- Acryl: wollähnliche Faser für Strick.
- Polypropylen: leichte Faser für Funktionsunterwäsche.
In der Praxis
Chemiefasern werden meist bei niedrigen Temperaturen gewaschen, da sie hitzeempfindlich sind und sonst schmelzen oder verformen können. In der Mode werden sie oft mit Naturfasern gemischt, um Pflegeleichtigkeit und Stretch zu erzielen. Beim Waschen empfiehlt sich ein Mikrofaserbeutel, um Fasereintrag in Gewässer zu mindern. Einkäufer/innen prüfen zunehmend, ob Recyclinganteile zertifiziert sind. Beim Bügeln ist Vorsicht geboten, da viele Synthesefasern bereits bei mittlerer Hitze glänzende Stellen bekommen oder verkleben. Mischgewebe erschweren zudem das Recycling, weil sich die unterschiedlichen Faserarten am Lebensende nur mit hohem Aufwand wieder voneinander trennen lassen – ein Grund, warum sortenreine Materialien in der Kreislaufwirtschaft bevorzugt werden.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Polyester | Nylon (Polyamid) |
|---|---|---|
| Stärke | sehr formstabil | sehr abriebfest |
| Elastizität | gering | höher |
| Typischer Einsatz | Outdoor, Sport | Strümpfe, Taschen |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Polyester und Nylon? Beides sind Synthesefasern. Polyester ist formstabiler und UV-beständiger, Nylon (Polyamid) ist elastischer und abriebfester – daher etwa für Strumpfhosen.
Sind Chemiefasern schädlich für die Umwelt? Synthetische Chemiefasern sind erdölbasiert und setzen beim Waschen Mikroplastik frei. Recyceltes Polyester (rPET) reduziert den Rohstoffbedarf, löst das Mikroplastikproblem aber nicht vollständig.
Weiterführend
- Eberle, Hannelore u. a. (2019): Fachwissen Bekleidung. Europa-Lehrmittel.
- Bobeth, Wolfgang (1993): Textile Faserstoffe. Springer.
- Textile Exchange (2023): Materials Market Report. textileexchange.org

