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Viskose ist eine regenerierte Zellulosefaser aus Holz; zur selben Gruppe zählen Modal und Lyocell (Tencel).

Rubrik: Mode · Unterrubrik: Materialien & Textilien · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Rayon, Reyon, Kunstseide, Regeneratfaser, CV

Was ist Viskose?

Viskose ist eine halbsynthetische Faser: Ihr Rohstoff ist natürliche Zellulose (meist aus Holz), die chemisch aufgelöst und neu zu Fasern geformt wird. Deshalb spricht man von regenerierten Zellulosefasern. Viskose vereint Eigenschaften von Natur- und Chemiefasern: Sie fühlt sich weich und kühl an wie Baumwolle, fällt aber fließend wie Seide.

Erklärung

Bei der klassischen Viskose-Herstellung wird Zellulose mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff in eine zähflüssige Spinnmasse (daher der Name „viscose") überführt und durch Spinndüsen in ein Fällbad gepresst. Dieses Verfahren ist chemikalienintensiv und stand wegen Schwefelkohlenstoff-Emissionen in der Kritik.

Verwandte Zellulosefasern verbessern diese Bilanz: Modal ist eine festere, formstabilere Variante. Lyocell (Markenname Tencel) wird im Lösungsmittelverfahren mit ungiftigem N-Methylmorpholin-N-oxid in einem geschlossenen Kreislauf hergestellt, der über 99 % des Lösungsmittels zurückgewinnt – das gilt als umweltfreundlicher. Alle diese Zellulosefasern sind sehr saugfähig, hautfreundlich und biologisch abbaubar, neigen aber dazu, im nassen Zustand an Festigkeit zu verlieren. Viskose und ihre Verwandten sind damit eine wichtige Brücke zwischen Naturfasern und vollsynthetischen Chemiefasern.

Beispiele

  • Viskose: fließende Blusen, Kleider, Futter.
  • Modal: weiche Unterwäsche und T-Shirts.
  • Lyocell/Tencel: nachhaltigere Denim- und Blusenstoffe.
  • Cupro: seidenähnliche Faser aus Baumwoll-Linters.
  • Bambusviskose: Viskose aus Bambuszellulose.

In der Praxis

Viskose sollte schonend und kühl gewaschen werden, da sie nass empfindlich ist und einlaufen kann; Handwäsche oder Feinwaschgang sind üblich. In der Mode ersetzt Viskose oft Seide bei fließenden Sommerstoffen und wird mit Baumwolle oder Elasthan gemischt. Wer auf Nachhaltigkeit achtet, bevorzugt Lyocell oder zertifizierte Viskose (z. B. mit FSC-Holz oder EU Ecolabel). Beim Zuschnitt ist zu bedenken, dass reine Viskose stark knittern und sich im Laufe des Tages dehnen kann, weshalb sie für formgebende Teile oft mit stabileren Fasern kombiniert wird. Die Herkunft des Holzes ist ein zentrales Nachhaltigkeitskriterium, da unkontrollierter Einschlag zur Abholzung von Urwäldern beitragen kann – Organisationen wie Canopy bewerten Hersteller deshalb nach ihren Rohstoffquellen.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalViskoseLyocell (Tencel)
VerfahrenViskoseprozessLösungsmittel-Kreislauf
Nassfestigkeitniedrigerhöher
Umweltprofilkritischergünstiger

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Viskose eine Natur- oder Kunstfaser? Viskose ist eine halbsynthetische Faser: Der Rohstoff (Zellulose aus Holz) ist natürlich, die Faser selbst wird aber chemisch erzeugt. Man zählt sie zu den Chemiefasern.

Was ist der Unterschied zwischen Viskose und Lyocell? Beide sind Zellulosefasern. Lyocell wird in einem geschlossenen, lösungsmittelschonenden Kreislauf hergestellt und ist nassfester sowie umweltfreundlicher als klassische Viskose.

Weiterführend

  • Bobeth, Wolfgang (1993): Textile Faserstoffe. Springer.
  • Eberle, Hannelore u. a. (2019): Fachwissen Bekleidung. Europa-Lehrmittel.
  • Lenzing AG (2022): Sustainability Report. lenzing.com
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