Wolle ist eine tierische Naturfaser, meist vom Schaf; weitere Tierhaarfasern stammen von Ziegen, Kamelartigen und Kaninchen.
Rubrik: Mode · Unterrubrik: Materialien & Textilien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Schurwolle, animalische Fasern, Tierhaar, wool
Was ist Wolle?
Wolle ist das aus dem Fell von Schafen gewonnene Haar, das zu Garn versponnen wird. Im weiteren Sinn umfasst der Begriff Tierhaarfasern auch das Haar anderer Tiere wie Ziege oder Kamel. Wolle besteht aus dem Protein Keratin und ist eine der wärmsten und elastischsten Naturfasern.
Erklärung
Die Faserstruktur von Wolle ist gekräuselt und von einer Schuppenschicht umgeben. Diese Kräuselung schließt Luft ein und sorgt für die hervorragende Wärmedämmung. Wolle kann bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen, und ist von Natur aus schwer entflammbar sowie geruchshemmend. Die Schuppenschicht ist allerdings auch der Grund, warum Wolle bei Hitze, Feuchtigkeit und Reibung verfilzt.
Tierhaarfasern unterscheiden sich in Feinheit (gemessen in Mikron): Merinowolle ist besonders fein und kratzt kaum. Edle Tierhaarfasern wie Kaschmir (Kaschmirziege), Mohair (Angoraziege), Alpaka, Angora (Kaninchen) und Kamelhaar gelten als Luxusfasern. Rechtlich darf nur Faser aus erstmaliger Schur als „Schurwolle" bezeichnet werden. Tierschutzthemen wie Mulesing prägen heute die Beschaffung von Wolle.
Beispiele
- Merinowolle: feine, hautfreundliche Wolle für Funktionsshirts.
- Kaschmir: sehr feines, weiches Ziegenhaar für Pullover.
- Mohair: glänzendes Haar der Angoraziege.
- Alpaka: leichte, warme Faser aus den Anden.
- Kamelhaar: wärmender Rohstoff für Mäntel.
In der Praxis
Wolle wird meist im Schon- oder Wollwaschgang gewaschen oder gar nicht – Lüften reicht oft, da Wolle selbstreinigend wirkt. Filzfreiausrüstung (Superwash) ermöglicht maschinenwaschbare Wolle. In der Mode kommt Wolle in Anzügen, Mänteln, Strick und Funktionsbekleidung zum Einsatz. Designer/innen achten auf Mikronwerte, Herkunfts- und Tierwohlzertifikate wie den Responsible Wool Standard. Zur Lagerung gehört der Schutz vor Motten, deren Larven sich vom Keratin der Faser ernähren und Löcher hinterlassen; saubere, gut belüftete Aufbewahrung beugt vor. Bei Mischungen ist zu beachten, dass schon ein geringer Anteil hochwertiger Tierhaarfaser wie Kaschmir den Preis deutlich erhöht, ohne die Eigenschaften des Stoffs grundlegend zu verändern – ein Punkt, den eine ehrliche Faserkennzeichnung transparent machen sollte.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Schafwolle | Kaschmir |
|---|---|---|
| Quelle | Schaf | Kaschmirziege |
| Feinheit | mittel | sehr fein |
| Preis | moderat | hoch |
Häufige Fragen (FAQ)
Warum kratzt manche Wolle und andere nicht? Entscheidend ist die Faserfeinheit in Mikron. Feine Wolle wie Merino oder Kaschmir liegt unter 19 Mikron und reizt die Haut kaum, gröbere Wolle kratzt.
Was bedeutet „Schurwolle"? Schurwolle stammt aus der ersten Schur lebender Schafe und ist frei von wiederverwendeter Faser – im Gegensatz zu Reißwolle aus recycelten Textilien.
Weiterführend
- Eberle, Hannelore u. a. (2019): Fachwissen Bekleidung. Europa-Lehrmittel.
- Bobeth, Wolfgang (1993): Textile Faserstoffe. Springer.
- The Woolmark Company (2022): Wool Fibre Guide. woolmark.com

