Seide ist eine feine, glänzende Filamentfaser, die aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnen wird und zu den edelsten Naturfasern zählt.
Rubrik: Mode · Unterrubrik: Materialien & Textilien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Naturseide, Maulbeerseide, silk
Was ist Seide?
Seide ist die einzige natürliche Filamentfaser – das heißt, sie wird als endloser Faden gewonnen, nicht als kurze Stapelfaser. Sie entsteht aus dem Sekret der Seidenraupe (Larve des Maulbeerspinners), die damit ihren Kokon spinnt. Seide besteht aus dem Protein Fibroin und ist berühmt für ihren weichen Griff und edlen Glanz.
Erklärung
Bei der Gewinnung von Seide werden die Kokons abgehaspelt: Ein einzelner Kokon liefert einen bis zu 1.500 Meter langen Faden. Mehrere dieser feinen Filamente werden zusammengedreht. Die glatte, dreieckige Querschnittsform der Faser reflektiert Licht und erzeugt den typischen Schimmer.
Seide nimmt Feuchtigkeit gut auf, wirkt im Sommer kühlend und im Winter wärmend (thermoregulierend) und lässt sich brillant färben. Man unterscheidet Maulbeerseide (gezüchtet, sehr fein und gleichmäßig) von Wildseide wie Tussahseide, die gröber und unregelmäßiger ist. Im Gegensatz dazu steht die Friedens- oder Peace Silk, bei der der Falter den Kokon vor der Ernte verlassen darf. Seide ist empfindlich gegenüber UV-Licht, Schweiß und scharfen Waschmitteln, weshalb diese Textilfaser besondere Pflege verlangt.
Beispiele
- Maulbeerseide: feinste gezüchtete Seide für Blusen und Tücher.
- Tussahseide: gröbere Wildseide mit unregelmäßiger Struktur.
- Dupionseide: noppige Seide für festliche Stoffe.
- Chiffon aus Seide: transparenter, leichter Stoff.
- Seidensatin: glänzende Webart für Abendmode und Futter.
In der Praxis
Seide wird meist von Hand oder im Seiden-/Feinwaschgang gewaschen, kühl gebügelt und vor direkter Sonne geschützt. In der Mode dient sie für Blusen, Kleider, Krawatten, Schals und hochwertige Futterstoffe. Der Preis richtet sich nach Feinheit, gemessen in Momme (Gewichtseinheit für Seidenstoffe). Designer/innen schätzen Seide für ihren Fall und Glanz, kalkulieren aber die aufwendige Pflege ein. Beim Zuschnitt ist die glatte, rutschende Oberfläche eine Herausforderung, weshalb der Stoff oft zwischen Seidenpapier fixiert oder mit feinen Nadeln im Nahtzugabenbereich gesteckt wird. Wasserflecken und Schweiß können bleibende Ränder hinterlassen, sodass viele Seidenstücke ausschließlich chemisch gereinigt werden.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Seide | Polyester-Imitat |
|---|---|---|
| Herkunft | Seidenraupe | Erdöl |
| Griff | kühl, fließend | glatt, oft statisch |
| Glanz | tief, lebendig | gleichmäßig, hart |
Häufige Fragen (FAQ)
Wie erkennt man echte Seide? Echte Seide fühlt sich kühl an, erwärmt sich rasch in der Hand und verbrennt mit Geruch nach verbranntem Haar zu Asche. Polyester schmilzt zu harten Kügelchen.
Warum ist Seide so teuer? Die Gewinnung ist arbeitsintensiv: Für ein Kilogramm Seide sind tausende Kokons und viel Handarbeit nötig, was den hohen Preis dieser Naturfaser erklärt.
Weiterführend
- Eberle, Hannelore u. a. (2019): Fachwissen Bekleidung. Europa-Lehrmittel.
- Hofer, Alfons (2017): Textil- und Modelexikon. Deutscher Fachverlag.
- Schenek, Anton (2001): Naturfaser-Lexikon. Deutscher Fachverlag.

