Grading ist das systematische Vergrößern und Verkleinern eines Basisschnitts auf weitere Konfektionsgrößen, sodass eine konsistente Passform über die gesamte Größenreihe erhalten bleibt.
Rubrik: Mode · Unterrubrik: Modedesign-Prozess · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Größengradierung, Gradierung, Schnittgradierung, engl. pattern grading
Was ist Grading (Größengradierung)?
Grading bezeichnet das maßgenaue Ableiten aller Konfektionsgrößen aus einem geprüften Mustergröße-Schnitt. Statt jede Größe neu zu konstruieren, wird der Basisschnitt nach festgelegten Gradierregeln an definierten Punkten verschoben. So entsteht aus einer Größe 38 die komplette Größenreihe von 32 bis 48 mit gleichbleibender Proportion und Passform.
Erklärung
Grundlage des Gradings ist eine Maßtabelle, die für jede Größe die Differenzen in Brust-, Taillen- und Hüftumfang sowie in den Längen vorgibt. Diese Sprünge – etwa 4 cm im Umfang pro Konfektionsgröße – werden über Gradierregeln auf einzelne Schnittpunkte verteilt. Beim Grading wandert jeder Konstruktionspunkt entlang eines X- und eines Y-Wertes, sodass die Summe aller Verschiebungen exakt den Maßdifferenzen entspricht.
Man unterscheidet zwischen manueller Gradierung (mit Lineal, Gradierdreieck und Stift) und CAD-gestützter Größengradierung in Systemen wie Gerber AccuMark, Lectra Modaris oder Optitex. In der CAD-Gradierung werden Gradierregeln einmal hinterlegt und automatisch auf alle Schnittteile angewendet. Das Grading muss anschließend immer durch eine Probenähung der Eckgrößen kontrolliert werden, weil sich Passformfehler an kleinen und großen Größen am stärksten zeigen. Eine fehlerhafte Gradierung führt zu Reklamationen über die gesamte Serie hinweg – Grading ist deshalb eine der verantwortungsvollsten Tätigkeiten in der Schnitttechnik.
Beispiele
- Damen-Hose: Der Bundumfang wird pro Größe um 4 cm gegradet, verteilt auf vordere und hintere Mitte sowie die Seitennähte.
- T-Shirt-Grundschnitt: Vergrößerung über Brust-, Schulter- und Längenpunkte aus einer Mustergröße M.
- Blazer: Komplexe Gradierung mit Armloch, Revers und Ärmel, die proportional mitwachsen müssen.
- Kinderbekleidung: Gradierung nach Körpergröße in Zentimetern statt nach Konfektionsgrößen.
- Plus-Size-Linie: Eigene Gradierregeln, weil sich Maßzuwächse oberhalb Größe 46 nicht linear verhalten.
In der Praxis
In der Praxis arbeiten Schnitttechniker/innen meist CAD-gestützt und legen sogenannte Gradiernester an, in denen alle Größen übereinandergelegt sichtbar werden. Wichtig ist die Wahl realistischer Maßtabellen – Hausmaße einer Marke weichen oft von Normmaßen ab. Vor der Serienfertigung werden Eckgrößen genäht und am Modell oder an der Puppe geprüft. Grading verlangt sauberes Schnittverständnis, weil ein verschobener Eckpunkt sich auf Nahtlängen, Abnäher und Passzeichen auswirkt.
Vergleich & Abgrenzung
Grading wird häufig mit der Schnittkonstruktion verwechselt. Die Konstruktion erstellt den ursprünglichen Schnitt einer Größe; das Grading leitet daraus nur weitere Größen ab.
| Merkmal | Grading | Schnittkonstruktion |
|---|---|---|
| Ausgangspunkt | fertiger Mustergröße-Schnitt | Körpermaße, leerer Bogen |
| Ziel | komplette Größenreihe | ein passgenauer Einzelschnitt |
| Hauptwerkzeug | Gradierregeln, CAD-Nesting | Konstruktionsmaße, Hilfslinien |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Grading und Schnittkonstruktion? Die Schnittkonstruktion erzeugt den Erstschnitt einer einzigen Größe aus Körpermaßen. Grading vergrößert oder verkleinert diesen geprüften Schnitt nach Maßtabelle auf alle weiteren Konfektionsgrößen, ohne die Grundform zu verändern.
Warum reicht beim Grading nicht einfaches proportionales Skalieren? Weil sich Körpermaße nicht gleichmäßig verändern: Der Umfang wächst anders als die Länge, und Details wie Armlöcher oder Knopfabstände dürfen nicht im gleichen Verhältnis mitwachsen. Grading verteilt die Zuwächse deshalb gezielt auf einzelne Punkte.
Weiterführend
- Hohenstein, Margarete; Stieglmeier, Ingrid (2018): Schnittkonstruktion und Gradierung. Verlag Europa-Lehrmittel.
- Cooklin, Gerry (2012): Pattern Grading for Women's Clothes. Wiley-Blackwell.
- Schierbaum, Hannelore (2015): Modellschnitte für Damenbekleidung. Rundschau-Verlag.

