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Materialauswahl und Stoffrecherche ist der Prozess, geeignete Stoffe, Garne und Zutaten für eine Kollektion zu finden und auszuwählen – nach Fall, Funktion, Kosten und Nachhaltigkeit.

Rubrik: Mode · Unterrubrik: Modedesign-Prozess · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Stoffauswahl, Materialscouting, Sourcing

Was ist Materialauswahl und Stoffrecherche?

Materialauswahl und Stoffrecherche bezeichnen das Suchen, Prüfen und Festlegen der Textilien und Zutaten, aus denen eine Kollektion entsteht. Die Stoffrecherche findet mögliche Materialien, die Materialauswahl entscheidet, welche tatsächlich verwendet werden. Materialauswahl und Stoffrecherche prägen Optik, Tragegefühl, Funktion und Kosten eines Kleidungsstücks maßgeblich.

Erklärung

Stoffe bestimmen, wie ein Entwurf wirkt und funktioniert. Derselbe Schnitt fällt in steifer Baumwolle völlig anders als in fließender Seide. Die Stoffrecherche beginnt oft auf Materialmessen wie Première Vision, bei Lieferanten, in Musterbüchern und zunehmend digital. Dabei werden Faserart, Gewicht, Bindung, Dehnung, Pflegeeigenschaften und Preis betrachtet. Designer/innen fordern Stoffmuster (Swatches) an und testen sie auf Fall, Lichtwirkung und Verarbeitbarkeit.

Die Materialauswahl wägt mehrere Kriterien ab: gestalterische Wirkung, Funktion (etwa Atmungsaktivität oder Wasserabweisung), Verfügbarkeit in benötigter Menge, Lieferzeit, Preis und zunehmend Nachhaltigkeit. Zertifikate wie GOTS oder OEKO-TEX dokumentieren ökologische und soziale Standards. Eine fundierte Materialauswahl beruht auf Textilkunde – dem Wissen über Fasern, Gewebe und ihre Eigenschaften (Hallett & Johnston 2014). Die gewählten Materialien fließen in das Tech Pack und das Farb- und Materialkonzept ein und werden in der Mustererstellung erprobt. Frühe, sorgfältige Stoffrecherche verhindert teure Fehlentscheidungen in der Produktion.

Beispiele

  • Beispiel 1: Auswahl eines fließenden Viskosestoffs für einen Sommerrock nach Falltest am Korpus.
  • Beispiel 2: Stoffrecherche auf der Première Vision mit anschließender Swatch-Bestellung.
  • Beispiel 3: Wahl eines GOTS-zertifizierten Bio-Baumwolljerseys für eine nachhaltige Linie.
  • Beispiel 4: Funktionsmaterial mit Membran für eine wetterfeste Outdoor-Jacke.
  • Beispiel 5: Garn- und Knopfauswahl als Teil der Materialentscheidung für eine Strickkollektion.

In der Praxis

In der Praxis testen Designer/innen Stoffe physisch: Wie fällt das Material, wie reagiert es auf Licht, wie näht es sich? Ein Falltest am Körper oder an der Büste ist aussagekräftiger als ein Bild. Bei der Materialauswahl ist Verfügbarkeit kritisch – ein perfekter Stoff nützt nichts, wenn er nicht in benötigter Menge lieferbar ist. Profis dokumentieren Stoffe mit Lieferant, Artikelnummer, Mindestmenge und Preis, damit die Auswahl reproduzierbar bleibt und reibungslos ins Tech Pack übergeht.

Vergleich & Abgrenzung

Die Materialauswahl betrifft die physischen Stoffe, das CMF-Konzept ordnet Farbe und Material gestalterisch zu einem System.

MerkmalMaterialauswahlCMF-Konzept
Fokuskonkrete StoffeGesamtsystem aus Farbe + Material
ErgebnisStofflisteabgestimmtes Konzept
PhasemittelKonzept/Entwurf

Häufige Fragen (FAQ)

Worauf achtet man bei der Materialauswahl? Auf Fall und Optik, Funktion, Verarbeitbarkeit, Verfügbarkeit und Lieferzeit, Preis sowie zunehmend auf Nachhaltigkeit und Zertifizierungen wie GOTS oder OEKO-TEX.

Wo findet man neue Stoffe? Auf Materialmessen wie Première Vision, bei spezialisierten Lieferanten, in Musterbüchern (Swatches) und über digitale Sourcing-Plattformen.

Weiterführend

  • Hallett, Clive; Johnston, Amanda (2014): Fabric for Fashion: The Complete Guide. Laurence King.
  • Fischer, Anette (2009): Sewing for Fashion Design. AVA Publishing.
  • Sorger, Richard; Udale, Jenny (2017): The Fundamentals of Fashion Design. Bloomsbury.
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