E-Mail-Copywriting bezeichnet das Schreiben von E-Mail-Texten mit dem Ziel, Leser zu informieren, zu unterhalten und zu einer Handlung zu motivieren.
Rubrik: Online-Marketing & Content · Unterrubrik: E-Mail-Marketing · Niveau: Einsteiger
Was ist E-Mail-Copywriting?
Copywriting ist das Schreiben von Texten, die wirken – die gelesen, verstanden und als Impuls für eine Handlung genutzt werden. Im E-Mail-Kontext bedeutet das: Ein Abonnent öffnet die E-Mail (Betreff und Preheader-Text: Der unterschätzte Hebel haben ihn überzeugt), liest den Text und klickt am Ende auf einen Button oder antwortet. Jeder Satz hat die Aufgabe, den nächsten zu rechtfertigen.
Gutes E-Mail-Copywriting fühlt sich nicht wie Werbung an – es fühlt sich an wie eine Nachricht von einem Menschen, der einem etwas Wichtiges mitzuteilen hat.
Erklärung
Tonalität: Wie schreibt man E-Mails?
Der richtige Ton hängt von Marke und Zielgruppe ab, aber einige universelle Prinzipien gelten:
Schreibe wie ein Mensch E-Mails sind ein persönliches Medium. Ein freundlicher, direkter Ton (Du/Sie je nach Marke) schlägt korporative Distanz. Kurze Sätze. Absätze mit maximal 3–4 Zeilen. Kein Fachjargon, der Abstand schafft.
Schreibe für eine Person Auch wenn tausende Menschen eine E-Mail empfangen – jeder liest sie allein. „Du" (Singular) statt „Ihr" (Plural). Der Text sollte sich anfühlen, als wäre er für genau diesen einen Menschen geschrieben worden.
Aktive Sprache
- Passiv: „Ein Kurs wurde von uns entwickelt"
- Aktiv: „Wir haben einen Kurs entwickelt – für genau dein Problem"
Storytelling in E-Mails
Storytelling ist das effektivste Werkzeug im E-Mail-Copywriting. Warum? Weil Geschichten Emotionen aktivieren, aufmerksam halten und Botschaften verankern. Eine Geschichte braucht drei Elemente: eine Figur, ein Problem und eine Lösung.
Struktur einer Story-E-Mail:
- Hook (Einstieg): Eine Situation, Frage oder Behauptung, die sofort aufhorchen lässt
- „Vor drei Jahren hatte ich noch keine einzige Anfrage pro Woche."
- Problem (Identifikation): Der Leser erkennt sich selbst
- „Ich wusste: Meine Fotos waren gut. Aber niemand wusste, dass ich existierte."
- Wendepunkt: Was hat sich verändert?
- „Dann habe ich angefangen, jeden Dienstag eine kurze E-Mail zu verschicken."
- Lösung/Erkenntnis: Was hat es gebracht?
- „Nach 6 Monaten kamen 40 % meiner Anfragen direkt aus meiner Newsletter-Liste."
- CTA (Handlungsaufforderung): Was soll der Leser jetzt tun?
- „Hier ist der genaue Aufbau, den ich genutzt habe."
Die PAS-Formel
P – Problem: Das Problem des Lesers klar benennen A – Agitate: Das Problem vertiefen, den Schmerz spürbar machen S – Solution: Die Lösung präsentieren (und verlinken)
Beispiel:
- P: „Du weißt nicht, welche Fotos du auf deiner Website zeigen sollst."
- A: „Das kostet dich täglich Anfragen, weil Besucher nicht verstehen, was du besonders machst."
- S: „In meinem Guide zeige ich dir, wie du dein Portfolio so aufbaust, dass Kunden sofort verstehen, warum sie dich buchen sollen."
Die AIDA-Formel
A – Attention: Aufmerksamkeit gewinnen (Einstieg, Hook) I – Interest: Interesse aufbauen (Problem, Relevanz) D – Desire: Verlangen wecken (Lösung, Benefits, Social Proof) A – Action: Zur Handlung auffordern (CTA)
Der Call to Action (CTA)
Der CTA ist das Ziel der E-Mail – der Moment, in dem der Leser von Passiv zu Aktiv wechselt. Gute CTAs:
- Klar: Was genau passiert, wenn ich klicke? „Jetzt Kurs ansehen" schlägt „Mehr erfahren"
- Handlungsorientiert: Beginnt mit einem Verb: „Jetzt herunterladen", „Kostenfrei testen", „Platz sichern"
- Spezifisch: „Zeig mir die Methode" schlägt „Hier klicken"
- Einmalig (pro E-Mail): Eine E-Mail, ein CTA – mehrere gleichwertige CTAs verwirren
Platzierung des CTAs:
- Primärer CTA im oberen Drittel der E-Mail (sichtbar ohne Scrollen, „above the fold")
- Wiederholung des CTAs am Ende der E-Mail
- Als Button (visuell hervorgehoben) und als Textlink (für Bildblocking-Umgebungen)
E-Mail-Länge und Lesbarkeit
- Kurze E-Mails (100–200 Wörter): Für klare, anlassbezogene Nachrichten (Ankündigungen, Verkauf)
- Mittlere E-Mails (300–600 Wörter): Für Education, Story-Formate, Newsletter
- Lange E-Mails (700–2000 Wörter): Für Deep-Dive-Newsletter (Substack-Stil), hochengagierte Leser
Struktur für Lesbarkeit:
- Kurze Absätze (2–4 Zeilen)
- Zwischenüberschriften ab ca. 400 Wörtern
- Fettungen für Schlüsselaussagen (sparsam)
- Kein Textblock-Wust ohne visuelle Gliederung
Beispiele
Schlechter CTA: „Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier."
Guter CTA: „Zeig mir den kostenlosen Kursplan →"
Story-Einstieg (schwach): „Wir freuen uns, Ihnen unser neues Kursangebot vorstellen zu dürfen."
Story-Einstieg (stark): „Ich saß mit 23 leeren Terminslots und fragte mich, was ich falsch machte. Dann änderte ich eine Sache."
In der Praxis
- Betreffzeile zuletzt schreiben – erst wenn der Inhalt steht, ist klar, was der beste Hook ist
- Laut vorlesen: Klingt es wie ein Mensch? Klingt es natürlich?
- Swipe-File anlegen: E-Mails sammeln, die einen selbst begeistert haben – Technik analysieren
- Testen: Verschiedene Stile (Story vs. direkte Liste vs. Frage-Einstieg) per A/B-Tests für E-Mails vergleichen
- Erster Satz ist entscheidend: Er muss den zweiten motivieren. „Was ich dir heute zeige, hat mich drei Jahre gekostet."
Vergleich & Abgrenzung
E-Mail-Copywriting vs. Blog-Schreiben: Blogs sind für Suchmaschinen und anonyme Besucher. E-Mails sind für bekannte Abonnenten. Blogs können länger und sachlicher sein; E-Mails profitieren von Persönlichkeit und Direktheit.
Copywriting vs. Content Writing: Copywriting hat ein kommerzielles Ziel (Conversion, Klick, Kauf). Content Writing zielt auf Information und Vertrauen. Die Grenze ist fließend – die besten E-Mails verbinden beides.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie persönlich darf eine Unternehmens-E-Mail sein? Das hängt von der Marke ab. Für kleine Agenturen, Soloselbstständige und Akademien gilt: Je persönlicher, desto besser. Für Großunternehmen ist ein freundlicher, aber etwas professionellerer Ton angemessen.
Sollte jede E-Mail einen Verkaufs-CTA haben? Nein. Das Verhältnis von Mehrwert-E-Mails zu Verkaufs-E-Mails sollte mindestens 3:1 sein, idealerweise 4:1. Wer nur verkauft, verliert Abonnenten.
Wie vermeide ich Spam-Trigger im Text? Bestimmte Wörter erhöhen die Wahrscheinlichkeit, im Spam-Filter zu landen. Mehr dazu im Eintrag Zustellbarkeit: SPF, DKIM, DMARC, Sender-Reputation.
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Weiterführend
- Sugarman, Joseph (2012): The Adweek Copywriting Handbook. Wiley.
- Schwartz, Eugene M. (1966): Breakthrough Advertising. Boardroom.
- Ogilvy, David (1983): Ogilvy on Advertising. Prion Books.
- Kath, Gunnar / Schwarz, Torsten (2010): Praxiswissen Online-Marketing. Gabler.
- Ann Handley (2014): Everybody Writes. Wiley.
