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Federico Fellini ( 20. Januar 1920, Rimini – † 31. Oktober 1993, Rom) war ein italienischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der als einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts gilt und mit Filmen wie La Dolce Vita und 8½* die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum auf der Leinwand auflöste.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „Il Maestro", „Regisseur der Träume", „der Zirkusdirektor des Kinos"

Biografie

Federico Fellini wurde 1920 in der Adriaküstenstadt Rimini geboren – einer Welt aus Strand, Kleinstadtleben, Zirkusartisten und frommen Bürgern, die er zeitlebens in seinen Filmen beschwören würde. Als Jugendlicher zeichnete er Karikaturen für Zeitschriften und verdiente als Gelegenheitszeichner seinen Lebensunterhalt. 1939 übersiedelte er nach Rom, wo er für satirische Zeitschriften arbeitete und das Schreiben von Drehbüchern erlernte.

Die Begegnung mit Roberto Rossellini, für den er an Rom, offene Stadt (1945) mitarbeitete, brachte ihn endgültig zum Kino. Seine ersten eigenen Werke – Varieté (1950) und Die Müßiggänger (1953) – entstanden noch im Geiste des Neorealismus, der damals das italienische Kino dominierte. Mit La Strada (1954) begann Fellinis Loslösung vom Neorealismus: Die Geschichte einer Zirkusartistin und ihres brutalen Gefährten ist zwar in ärmlichen Verhältnissen angesiedelt, aber bereits von einer mythischen, märchenhaften Qualität durchdrungen.

Der internationale Durchbruch kam mit La Dolce Vita (1960), das das Sittenbild der römischen Oberschicht in einer Reihe von nächtlichen Episoden sezierte und mit dem Begriff „Paparazzo" (nach einer Figur im Film) einen neuen Begriff in den Sprachschatz einspeiste. Sein nächstes Werk (1963) gilt als das filmische Selbstporträt schlechthin: Ein Regisseur, der an einem Film arbeitet und dabei in Fantasien, Erinnerungen und Träume versinkt. Mit Amarcord (1973) kehrte Fellini nach Rimini zurück – in einem liebevoll-satirischen Erinnerungsfilm über das Italien des Faschismus.

Fellini war mit der Schauspielerin Giulietta Masina verheiratet, für die er Hauptrollen in La Strada und Cabiria (1957) schrieb. Er starb 1993 kurz nach seinem 50. Hochzeitstag in Rom.

Filmstil & Ästhetik

Fellinis Kino ist unverwechselbar: üppige Tableaus, groteske Figuren, die Verbindung von Nostalgie und Satire, von Zartem und Groteskem. Er war ein Liebhaber des Zirkus, der Oper, des Varietés – all jene Formen des Schauspiels, die übertreiben, kostümieren, parodieren. Seine Bildsprache ist nie zurückhaltend: Karneval, religiöse Prozessionen, ausufernde Partys – Fellini liebte das Schauspiel innerhalb des Schauspiels.

Gleichzeitig besaß er ein feines Gespür für Melancholie: Unter der barocken Oberfläche seiner Bilder liegt immer eine Trauer um das Verlorene, um Kindheitserinnerungen, um die Unmöglichkeit echter menschlicher Verbindung. Die Frau als Mutterfigur, als Erlöserin, als Traumgestalt – diese Ambivalenz durchzieht sein gesamtes Werk.

Wichtige Filme (Auswahl)

  • La Strada (Die Straße, 1954): Giulietta Masina als tragische Zirkusartistin; Oscar für Besten Fremdsprachigen Film.
  • Die Nächte der Cabiria (Le notti di Cabiria, 1957): Prostituierte sucht Liebe und Würde; Masina in ihrer Glanzrolle; Oscar für Besten Fremdsprachigen Film.
  • La Dolce Vita (Das süße Leben, 1960): Episodisches Sittengemälde des Rom der späten 1950er; Marcello Mastroianni als Klatschreporter.
  • 8½ (Otto e mezzo, 1963): Regisseur in der Schaffenskrise taucht in Fantasien und Erinnerungen; Oscar für Besten Fremdsprachigen Film.
  • Giulietta und die Geister (Giulietta degli spiriti, 1965): Fellinis erster Farbfilm; weibliches Gegenstück zu .
  • Satyricon (Fellini – Satyricon, 1969): Surreal-drastische Adaption von Petrons Antiken-Epos; eines seiner verstörendsten Werke.
  • Roma (1972): Essayistisches Portrait Roms; Dokument, Fiktion und Erinnerung vermischt.
  • Amarcord (1973): Episodische Jugenderinnerungen an Rimini im Faschismus; Oscar für Besten Fremdsprachigen Film.
  • Prova d'orchestra (Orchesterprobe, 1978): Politische Parabel über Autorität und Chaos, verkleidet als Dokumentarfilm.
  • Und das Schiff fährt... (E la nave va, 1983): Abenteuer auf einem Ozeandampfer 1914; Opernsänger und Reflexionen über Kunst und Geschichte.

Einfluss & Bedeutung

Fellini gehört zu den wenigen Regisseuren, deren Name ein Adjektiv hervorbrachte: „Felliniesque" bezeichnet weltweit eine bestimmte Art grotesker, surrealer, überschwänglicher Bildsprache. Sein Einfluss reicht von Woody Allen (Stardust Memories) über Federico Almodovar bis Tim Burton. Die Idee des Regisseurs als traumverarbeigendem Autobiografen – als Urbild – hat zahlose Filmemacher zur Selbstreflexivität ermutigt.

In der Filmtheorie steht Fellini für die Überwindung des Neorealismus hin zu einem dezidiert subjektiven, traumhaft-assoziativen Kino. Er zeigte, dass Film nicht nur Wirklichkeit abbilden, sondern die innere Welt des Menschen mit derselben Glaubwürdigkeit darstellen kann.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Vier Oscars für Besten Fremdsprachigen Film: La Strada (1957), Die Nächte der Cabiria (1958), (1964), Amarcord (1975)
  • Ehren-Oscar für sein Lebenswerk (1993)
  • Palme d'Or, Cannes, für La Dolce Vita (1960)
  • Goldener Löwe, Venedig, Lebenswerk (1985)

Häufige Fragen (FAQ)

*Was bedeutet der Titel ? Fellini hatte bis 8½* siebeneinhalb Spielfilme als Hauptregisseur und einige Kurzfilme inszeniert – der Film war also sein achter-und-halber. Der Titel ist ein selbstironischer Kommentar auf seine eigene Karriere und zugleich eine Aussage über die unvollständige, nie ganz beendete Natur kreativer Arbeit. Der Film selbst ist ein Film über einen Regisseur, der keinen Film fertigstellen kann.

Was ist der Begriff „Paparazzo" und woher kommt er? Der Begriff geht auf eine Figur in La Dolce Vita zurück: Paparazzo ist der Name des Pressefotografen, der den Protagonisten bei seiner Arbeit begleitet. Fellini wählte den Namen angeblich aus dem Drehbuch, inspiriert von einem sizilianischen Dialektausdruck für eine unangenehm aufdringliche Fliege oder Wespe. Nach dem Welterfolg des Films wurde „Paparazzo" (Plural: Paparazzi) zum Gattungsbegriff für aggressive Prominentenfotografen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Tullio Kezich: Federico Fellini. Ein Leben, Rowohlt, 2007
  • Cinecittà Luce Filmarchiv, Rom: cinecittaluce.it
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