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Martin Charles Scorsese ( 17. November 1942, Queens, New York; lebt in New York) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Produzent, Drehbuchautor und Filmhistoriker, der mit Werken wie Taxi Driver, Goodfellas und Raging Bull* das amerikanische Kino der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat und als einer der bedeutendsten lebenden Filmemacher gilt.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „Marty", „der Großmeister des New Hollywood", „der Filmhistoriker unter den Regisseuren"

Biografie

Martin Scorsese wurde 1942 in Queens, New York, als Sohn sizilianisch-amerikanischer Einwanderer geboren und wuchs in Little Italy in Manhattan auf. Als Kind litt er an schwerem Asthma und verbrachte viel Zeit drinnen; das Kino wurde sein Fenster zur Welt. Besonders das klassische Hollywood-Kino, die Gangsterfilme der Warner-Ära und das europäische Autorenkino prägten seine frühe Cinephilie.

Er studierte Film an der New York University (NYU), wo er auch unterrichtete und frühe Kurzfilme produzierte. Sein erster Langfilm Who's That Knocking at My Door (1967) war ein Low-Budget-Werk über italoamerikanische Jugendliche in New York. Mit Mean Streets (1973), der die Welt von Little Italy in einem fast dokumentarischen Stil einfing und Harvey Keitel und Robert De Niro ihre ersten großen Rollen gab, etablierte sich Scorsese als wichtige Stimme des New Hollywood.

Der internationale Durchbruch gelang mit Taxi Driver (1976): Robert De Niro als psychisch gestörter Vietnam-Veteran in einem nächtlichen New York – ein Film, der zur Ikone des amerikanischen Paranoia-Kinos wurde und die Palme d'Or in Cannes gewann. Es folgten Raging Bull (1980), Goodfellas (1990), The Age of Innocence (1993), Casino (1995), Gangs of New York (2002) und The Departed (2006), mit dem Scorsese endlich seinen ersten Regie-Oscar gewann.

In den 2010er Jahren blieb Scorsese in Form: The Wolf of Wall Street (2013), Silence (2016) und The Irishman (2019) zeigen die Bandbreite seines reifen Schaffens. Er ist auch als Filmhistoriker und -bewahrer aktiv: Die Film Foundation, die er 1990 gründete, hat hunderte von Filmen restauriert und archiviert.

Filmstil & Ästhetik

Scorseses filmische Sprache ist von hoher Energie und visueller Raffinesse geprägt: schnelle Schnittfolgen, sorgfältig kuratierte Soundtracks aus Rock, Soul und klassischer Musik, Steadicam-Fahrten und die Nutzung von Voice-Over als Erzählinstrument. Er liebt es, Figuren in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, bevor er sie in Extremsituationen versetzt.

Thematisch kehrt Scorsese immer wieder zu denselben Kernfragen zurück: Schuld und Erlösung (oft im Kontext seiner katholischen Erziehung), Gewalt als Teil der amerikanischen Männlichkeit, der Konflikt zwischen Loyalität und Moral in Gemeinschaften (Mafia, Polizei, Religion). Musik ist bei Scorsese niemals Hintergrundbegleitung: Jeder Song ist dramaturgisch präzise gesetzt.

Wichtige Filme (Auswahl)

  • Mean Streets (1973): Italoamerikanische Jugendliche in Little Italy; Robert De Niro und Harvey Keitel.
  • Taxi Driver (1976): Einsamer Vietnam-Veteran plant Attentat; Palme d'Or Cannes; ikonisches New-York-Bild.
  • Raging Bull (1980): Jake LaMotta, Boxweltmeister und selbstzerstörerischer Mensch; Robert De Niro (Oscar); oft als bester Film der 1980er genannt.
  • Goodfellas (1990): Henry Hills Aufstieg und Fall in der Mafia; Meisterwerk des Gangsterfilms.
  • Cape Fear (Kap der Angst, 1991): Remake des gleichnamigen Thrillers; Robert De Niro als entlassener Straftäter.
  • The Age of Innocence (Zeit der Unschuld, 1993): Edith-Wharton-Adaption; überraschend zartes Kostümdrama.
  • Casino (1995): Las-Vegas-Mafia-Epos; De Niro und Joe Pesci.
  • Gangs of New York (2002): Historischer Gangsterfilm im 19. Jahrhundert Manhattan; DiCaprio und Day-Lewis.
  • The Departed (Departed – Unter Feinden, 2006): Remake des hongkongesischen Infernal Affairs; Oscar für Beste Regie.
  • The Irishman (Der Ire, 2019): Retrospektive Gangster-Elegie; De Niro, Pacino, Pesci; Netflix-Produktion.

Einfluss & Bedeutung

Martin Scorsese ist der wichtigste lebende Vertreter der auteur-Tradition im amerikanischen Mainstream-Kino. Sein Einfluss auf das Gangsterfilm-Genre ist vergleichbar dem von Coppola mit Der Pate: Goodfellas hat die Darstellung von Kriminalität, Loyalität und Männlichkeit im Film für Generationen geprägt. Regisseure wie Quentin Tarantino, Paul Thomas Anderson und David O. Russell nennen ihn als ihr wichtigstes Vorbild.

Als Filmhistoriker und -bewahrer ist Scorsese zudem eine Institution: Die Film Foundation hat über 900 Filme restauriert, sein Buch A Personal Journey with Martin Scorsese Through American Movies (1995) ist ein Standardwerk der Filmgeschichte, und seine Einmischung in Debatten über das Kino – etwa seine Netflix-Kritik oder seine Aussage, dass Marvel-Filme kein Kino seien – zeigt sein dauerndes Engagement.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Oscar für Beste Regie für The Departed (2007)
  • Palme d'Or, Cannes, für Taxi Driver (1976)
  • AFI Life Achievement Award (1997)
  • BAFTA Fellowship (2012)
  • Insgesamt acht Oscar-Nominierungen als Bester Regisseur

Häufige Fragen (FAQ)

*Warum gilt Goodfellas als der vielleicht wichtigste Gangsterfilm nach Der Pate? Goodfellas verzichtet auf die tragische Grandiosität von Der Pate* und ersetzt sie durch eine erschreckend alltagsnahe, energetische Darstellung des Mafia-Lebens. Die atemlose Erzählgeschwindigkeit, die pointierten Charakterstudie (Joe Pesci als Tommy DeVito) und die konsequent vom Voice-Over des Protagonisten durchdrungene Struktur machen den Film zu einem Paradigma des Genres. Scorsese zeigt Kriminalität nicht als tragischen Ausnahmefall, sondern als normalisierte Lebensweise – was umso erschreckender wirkt.

Was bedeutet Schuldgefühl und Erlösung in Scorseses Werk? Scorsese wurde als Sohn streng katholischer italoamerikanischer Eltern erzogen und erwog als junger Mann, Priester zu werden. Diese religiöse Prägung zeigt sich in der Wiederkehr von Schuld und der Sehnsucht nach Absolution in seinen Filmen: Travis Bickle in Taxi Driver, Jake LaMotta in Raging Bull, Henry Hill in Goodfellas – alle tragen schwere Schuld, alle suchen auf ihre Art nach Erlösung, die sie nie vollständig finden. Scorsese selbst bezeichnet seinen Film Silence (2016) als sein persönlichstes Werk.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Peter Biskind: Easy Riders, Raging Bulls. Sex, Drugs und Rock'n'Roll in Hollywood, Heyne, 1999
  • Film Foundation, Filmerhaltung: film-foundation.org
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