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Quentin Jerome Tarantino ( 27. März 1963, Knoxville, Tennessee; lebt in Los Angeles) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Produzent, der mit Pulp Fiction, Kill Bill, Inglourious Basterds und Django Unchained* das postmoderne Kino des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts definierte und als einer der einflussreichsten Filmemacher seiner Generation gilt.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „QT", „der Videotheks-Cinephile", „König des Genrezitats"

Biografie

Quentin Tarantino wurde 1963 in Knoxville, Tennessee, geboren und wuchs in Los Angeles auf. Als Kind der Unterschicht und Sohn einer alleinerziehenden Mutter fand er früh im Kino seine Welt: Er schwänzte häufig die Schule, um in Kinos zu sitzen. Eine klassische Filmausbildung hat Tarantino nie genossen; stattdessen arbeitete er fünf Jahre lang in einer Videothek – Video Archives in Manhattan Beach, Kalifornien – und saugte dabei täglich Filme aus allen Genres und Kontinenten in sich auf.

Mit Anfang Zwanzig begann er, Drehbücher zu schreiben. Sein Drehbuch zu True Romance (1993, Regie: Tony Scott) und Natural Born Killers (1994, Regie: Oliver Stone) wurden von anderen verfilmt. Sein eigenes Regiedebüt Reservoir Dogs (1992) – über einen Banküberfall, der schiefgeht, in nicht-linearer Erzählstruktur – wurde beim Sundance Film Festival gezeigt und sofort als Entdeckung gefeiert. Die Dialoge, der Witz und die nonchalante Haltung zur Gewalt waren neu und aufregend.

Mit Pulp Fiction (1994) erreichte Tarantino weltweite Bekanntheit: Das verschachtelte Gangsterfilm-Mosaik mit John Travolta, Samuel L. Jackson und Uma Thurman gewann die Palme d'Or in Cannes und wurde zum Kultfilm. In der Folge entstanden Jackie Brown (1997, Hommage an den Blaxploitation-Film), Kill Bill Vol. 1 & 2 (2003/2004, Martial-Arts-Rache-Opus), Inglourious Basterds (2009, revisionistischer Zweiter Weltkrieg), Django Unchained (2012, Spaghetti-Western und Sklaverei) und The Hateful Eight (2015).

Tarantino hat öffentlich angekündigt, nach zehn Filmen mit dem Filmemachen aufzuhören; sein zehntes Werk wurde mehrfach angekündigt, aber noch nicht realisiert (Stand 2026).

Filmstil & Ästhetik

Tarantinos Kino ist zutiefst referenziell: Jeder Film ist ein liebevolles, kenntnisreiches Zitat aus Jahrzehnten von B-Movies, Exploitation-Filmen, Italowestern, Kung-Fu-Filmen, Film Noir und französischer Nouvelle Vague. Er liebt es, Genres zu mischen, Erwartungen zu brechen und das Billige und das Hohe in einer bewusst postmodernen Geste zu verbinden: Kill Bill ist zugleich ein Anime-Film, ein Martial-Arts-Film, ein Western und eine griechische Tragödie.

Formal sind seine Stärken die Dialoge – langen, improvisierten wirkenden Gesprächsszenen, die zugleich witzig, bedrohlich und charakterenthüllend sind – und die nichtlineare Erzählstruktur. Musik ist bei Tarantino immer präzise und überraschend: Er sucht existierende Stücke aus der Filmgeschichte und der Populärkultur, die in einem neuen Kontext eine neue Bedeutung entfalten.

Wichtige Filme (Auswahl)

  • Reservoir Dogs (1992): Bankräuber-Nachspiel; nichtlineare Struktur; kammerspielartige Spannung.
  • Pulp Fiction (1994): Ineinandergeschachtelte Gangstergeschichten in Los Angeles; Palme d'Or Cannes; Kultfilm der 1990er.
  • Jackie Brown (1997): Hommage an den Blaxploitation-Film; Pam Grier; reifste und ruhigste Tarantino-Arbeit.
  • Kill Bill: Volume 1 (2003): Braut rächt sich an ihrer ehemaligen Truppe; Martial-Arts, Anime, Western.
  • Kill Bill: Volume 2 (2004): Fortsetzung; ruhiger und dialogischer als Teil 1.
  • Inglourious Basterds (2009): Alternative Geschichte des Zweiten Weltkriegs; Christoph Waltz als Oberst Landa (Oscar).
  • Django Unchained (2012): Befreiter Sklave rächt sich; Spaghetti-Western im amerikanischen Süden; Oscar für Bestes Drehbuch.
  • The Hateful Eight (2015): Acht Fremde in einer Poststation in Wyoming; Kammerspiel-Western auf 70mm gedreht.
  • Once Upon a Time in Hollywood (2019): Los Angeles 1969; Sharon Tate und Charles Manson; nostalgisch-melancholisch.

Einfluss & Bedeutung

Tarantino ist die prägendste Figur des amerikanischen Indie-Kinos der 1990er Jahre und ein globaler Kulturexport sondergleichen. Pulp Fiction hat nicht nur das Kino, sondern die Popkultur der 1990er definiert: seine nichtlineare Struktur, seine Dialoge, seine Soundtrack-Auswahl wurden tausendfach kopiert. Eine ganze Generation von Filmemachern – von Guy Ritchie bis Edgar Wright – ist durch Tarantinos Schule gegangen.

Als Cinephiler hat Tarantino das Bewusstsein für die Filmgeschichte – besonders für B-Kino, Exploitation und Weltfilm – in ein breites Publikum getragen. Er produzierte und verlieh Werke wie Chungking Express (Wong Kar-wai) über seine Firma Rolling Thunder Pictures und verhalf so anderen Filmemachern zu internationaler Sichtbarkeit.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Palme d'Or, Cannes, für Pulp Fiction (1994)
  • Oscar für Bestes Originaldrehbuch für Pulp Fiction (1995) und Django Unchained (2013)
  • BAFTA für Bestes Originaldrehbuch (mehrfach)
  • Goldener Globus für Bestes Drehbuch (mehrfach)

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist das Besondere an Tarantinos Dialogen? Tarantinos Dialoge sind scheinbar banal – Figuren sprechen über Hamburger, Fußpflege oder Fernsehserien – aber in diesem scheinbar Nebensächlichen enthüllen sich Charaktere, Machtverhältnisse und die Atmosphäre einer Szene. Diese Technik der „Seitenband-Information" schafft Spannung durch das Hinausschieben des dramatischen Kerns und lässt die Figuren lebendig und glaubwürdig wirken. Sie ist direkt von Jean-Luc Godard und Howard Hawks beeinflusst.

Wie verhält sich Tarantino zu der Kritik, er glorifiziere Gewalt? Tarantino argumentiert, dass Gewalt im Kino eine andere moralische Kategorie darstellt als reale Gewalt: Die Gewalt seiner Filme ist stilisiert, ritualisiert und fast immer in einem Genre-Kontext eingebettet, der sie als filmische Konvention markiert. Gleichzeitig räumt er ein, dass er Gewalt ästhetisch befriedigend findet – er hält das für ehrlicher als die verbreitete Praxis, Gewalt unter dem Mantel des Sozialen zu glorifizieren und dabei so zu tun, als sei man moralisch neutral.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Jami Bernard: Quentin Tarantino. The Man and His Movies, Harper Perennial, 1995
  • Miramax / A Band Apart, Produktions-Website: miramax.com
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