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Wim Wenders ( 14. August 1945, Düsseldorf; lebt in Berlin) ist ein deutscher Filmregisseur, Drehbuchautor, Produzent und Fotograf, der mit Werken wie Paris, Texas und Der Himmel über Berlin* das internationale Autorenfilm-Kino nachhaltig geprägt und sich als einer der renommiertesten europäischen Filmemacher etabliert hat.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „Poet des Road Movies", „Architekt des Blicks", „der philosophische Wanderer des deutschen Kinos"

Biografie

Wilhelm Ernst Wenders wurde 1945 in Düsseldorf als Sohn eines Chirurgen geboren und wuchs im Nachkriegsdeutschland auf, das von amerikanischer Popkultur – Rock 'n' Roll, Comics, Kino – überschwemmt wurde. Diese Faszination für Amerika und zugleich die ambivalente Beziehung zu ihr durchzieht sein gesamtes Werk. Er studierte zunächst Medizin und Philosophie, bevor er 1967 an die neu gegründete Hochschule für Film und Fernsehen in München (HFF) wechselte.

Am Münchener Filmstudium begegnet Wenders dem Werk von John Ford, Nicholas Ray und Michelangelo Antonioni – Regisseure, deren Auseinandersetzung mit Raum, Zeit und Einsamkeit sein Denken formen. Sein früher Film Im Lauf der Zeit (1976) gilt als Meisterwerk des deutschen Kinos: zwei Männer auf einer langen Fahrt entlang der innerdeutschen Grenze, ohne dramatische Handlung, aber mit tiefer Reflexion über das Verhältnis von Deutschen zu amerikanischer Kultur.

Sein internationaler Durchbruch kam mit Paris, Texas (1984): Ein Mann taucht aus der Wüste auf, ohne Erinnerung – und sucht seine Frau und seinen Sohn. Das Drehbuch schrieb Sam Shepard, die Musik Ry Cooder. Der Film gewann die Palme d'Or in Cannes und machte Wenders zum weltbekannten Namen. Drei Jahre später folgte Der Himmel über Berlin (1987): Engel über einer geteilten Stadt sehnen sich nach dem Menschsein – ein Film über Sehnsucht, Berührung und die verlorene Einheit.

In den 1990er Jahren experimentierte Wenders mit digitaler Technologie und 3D, drehte Musik-Dokumentarfilme (Buena Vista Social Club, 1999) und verlagerte seinen Schwerpunkt zunehmend auf die Bildenden Künste – er ist international als Fotograf ausgestellt. Zuletzt kehrte er mit Perfect Days (2023), einem japanisch gedrehten Film über einen Toilettenreiniger in Tokio, zu großer internationaler Beachtung zurück (Cannes Preis für Beste Regie, Oscar-Nominierung).

Filmstil & Ästhetik

Wenders ist ein Regisseur des Schauens: Lange Einstellungen auf Straßen, Landschaften, Gesichter – sein Kino nimmt sich Zeit, zu beobachten. Er liebt das Road Movie nicht als Flucht, sondern als Metapher: Auf der Reise begegnet man sich selbst und dem, was man verloren hat. Amerika ist in seinem Werk sowohl Sehnsuchtsziel als auch Ort der Entfremdung.

Musikalisch ist sein Kino reich und bewusst: Er wählt Musik nicht als Untermalung, sondern als gleichberechtigte erzählerische Stimme. Ry Cooder (Paris, Texas), Van Morrison, Nick Cave – die Soundtrack-Auswahl ist immer Teil des filmischen Konzepts. Fotografisch ist Wenders von großem Format geprägt: Weitwinkeleinstellungen, die Figuren in Landschaft einbetten, statt sie von ihr zu trennen.

Wichtige Filme (Auswahl)

  • Alice in den Städten (1974): Journalist reist mit einem fremden Mädchen durch Europa und Amerika; erstes Meisterwerk.
  • Im Lauf der Zeit (1976): Zwei Männer, ein Filmvorführer und ein Kinderarzt, fahren die innerdeutsche Grenze entlang; Schwarzweißfilm, 167 Minuten.
  • Der amerikanische Freund (1977): Thriller nach Patricia Highsmith; Bruno Ganz und Dennis Hopper.
  • Paris, Texas (1984): Amnestischer Mann sucht seine Familie in Amerika; Palme d'Or Cannes.
  • Der Himmel über Berlin (Wings of Desire, 1987): Berliner Engel wollen Mensch werden; Filmgedicht über Einsamkeit und Berührung.
  • Bis ans Ende der Welt (1991): Globale Odyssee in die nahe Zukunft; existiert in einer fünfstündigen Director's-Cut-Version.
  • Buena Vista Social Club (1999): Dokumentarfilm über kubanische Musiker; weltweiter Erfolg.
  • Pina (2011): 3D-Dokumentarfilm über die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch; bewegendes Filmdenkmal.
  • Perfect Days (2023): Japanischer Film über die stille Würde alltäglicher Arbeit; Hidetoshi Nishijima als Toilettenreiniger.

Einfluss & Bedeutung

Wim Wenders ist eine der prägenden Stimmen des Neuen Deutschen Films und des europäischen Autorenfilms der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Einfluss zeigt sich in der breiten Auseinandersetzung mit dem Road Movie als filmischem Genre und philosophischem Konzept, in der Ernstnahme des Blicks und der Langsamkeit als filmische Werte sowie in der Öffnung des deutschen Kinos gegenüber amerikanischen und internationalen Einflüssen.

Sein fotografisches Werk – ausgestellt in Galerien von New York bis Tokio – zeigt, dass sein Blick weit über das Medium Film hinausgeht. Als Präsident der Europäischen Filmakademie (2001–2017) engagierte er sich aktiv für die Stärkung des europäischen Autorenkinos.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Palme d'Or, Cannes, für Paris, Texas (1984)
  • Beste Regie, Cannes, für Perfect Days (2023)
  • Goldener Bär, Berlinale, für Der Himmel über Berlin (1987)
  • Deutscher Filmpreis (mehrfach)
  • Oscar-Nominierungen für Buena Vista Social Club und Perfect Days

Häufige Fragen (FAQ)

*Was macht Der Himmel über Berlin zu einem so besonderen Film? Der Himmel über Berlin* verbindet eine philosophische Prämisse – unsterbliche Engel, die das Leben der Menschen beobachten – mit einer konkreten historischen Situation: das geteilte Berlin kurz vor dem Mauerfall. Wenders gelingt es, Sehnsucht, Einsamkeit und das Paradox des Menschseins in poetischen Bildern zu fassen, ohne ins Kitschige abzugleiten. Die Schwarzweiß-Perspektive der Engel kontrastiert mit dem Farberleben des Menschen und ist ein zentrales formales Mittel des Films.

Was bedeutet die Amerikanisierung als Thema in Wenders' Werk? Wenders ist zutiefst von amerikanischer Kultur beeinflusst – und zugleich besorgt um deren kulturellen Imperialismus, der das Eigene verdrängt. In Im Lauf der Zeit gibt es eine berühmte Replik: „Die Amis haben unsere Kinderseelen kolonialisiert." Wenders liebt amerikanisches Kino, amerikanische Musik und Landschaft – aber er fragt ständig, was davon bleibt und was verloren geht, wenn man die eigene Kultur durch fremde ersetzt.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Wim Wenders: Emotion Pictures. Reflexionen über das Kino, Verlag der Autoren, 1986
  • Wim Wenders Foundation, Berlin: wim-wenders.com
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