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Design Review ist ein strukturierter Prozess, bei dem Designentwürfe anhand definierter Kriterien analysiert, diskutiert und bewertet werden – mit dem Ziel, Qualität zu sichern und die nächsten Entwicklungsschritte zu bestimmen.

Rubrik: Soft Skills & Berufspraxis · Unterrubrik: Kommunikation & Präsentation · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Design-Kritik, Crit, Design Critique, Entwurfsbesprechung, Creative Review

Was ist ein Design Review?

In Designagenturen, UX-Teams und Kreativstudios ist der Design Review ein regelmäßiges Format: Entwürfe werden gezeigt, diskutiert und weiterentwickelt. Das Review ist dabei mehr als eine Präsentation – es ist ein kollaborativer Denkprozess. Wer Reviews gut moderiert und Entwürfe professionell präsentiert, beschleunigt den Kreativprozess und verbessert die Ergebnisse deutlich.

Erklärung

Zwei Seiten des Reviews: Der Design Review hat zwei Rollen, die bewusst unterschieden werden sollten:

Entwürfe präsentieren (Präsentatorperspektive): Wer seinen Entwurf zeigt, sollte mehr tun als nur „auspacken". Professionelle Entwurfspräsentation folgt einem Muster:

  1. Kontext setzen: Was war das Briefing, welches Problem wird gelöst?
  2. Entscheidungen erläutern: Welche gestalterischen Entscheidungen wurden warum getroffen? (Nicht verteidigen, sondern begründen.)
  3. Führen, nicht zeigen: Dem Publikum einen Blickpfad geben – was soll zuerst wahrgenommen werden?
  4. Erwartungen an Feedback formulieren: „Ich möchte heute besonders Feedback zu... hören" – das steuert den Review.

Entwürfe reviewen (Reviewer-Perspektive):

  1. Beschreiben vor bewerten: Zuerst neutral beschreiben, was zu sehen ist (ohne Wertung), dann erst Schlussfolgerungen ziehen.
  2. Kriterien benennen: Woran wird gemessen? Das Briefing ist der Maßstab, nicht persönlicher Geschmack.
  3. Fragen stellen: Offene Fragen öffnen den Designprozess: „Was wäre, wenn...?" oder „Wieviele Nutzer haben diesen Fall?"
  4. Alternativen vorschlagen, nicht Lösungen diktieren: „Ich frage mich, ob eine andere Farbtemperatur die Lesbarkeit verbessern würde" statt „Mach es rot."

Das „I Like, I Wish, What If"-Modell (Stanford d.school): Eine schnelle Review-Methode, bei der jeder Teilnehmer strukturiert eine Beobachtung (I like), eine Verbesserungsidee (I wish) und eine Explorationsfrage (What if?) nennt.

Crits in der Kreativausbildung: Das Format der Crit (Kritik) aus der Kunsthochschule – öffentliche, kritische Besprechung von Arbeiten – bildet die Grundlage moderner Design-Review-Kultur. Es trainiert sowohl das Geben als auch das Empfangen von Feedback unter Druck.

Beispiele

  1. Internes Wochenfeedback: Das Designteam zeigt jeden Freitag aktuelle Arbeiten im Stehformat (15 Minuten). Jede Person bekommt zwei Minuten Feedback nach dem „I Like, I Wish, What If"-Modell.
  2. Kundenpräsentation von Konzepten: Drei Designvarianten werden gezeigt, jede mit eigenem Begründungsrahmen (Rationale). Der Kunde wird gebeten, jeweils zu benennen, was er an jeder Variante gut und weniger gut findet – bevor eine Richtung gewählt wird.
  3. UX Review: Ein Usability-Problem wird im Design Review mit Nutzerdaten belegt – Screenshot + Heatmap + Zitat aus einem Nutzerinterview. Faktenbasiertes Feedback statt Meinungen.
  4. Solo-Critique: Ein Designer unterzieht den eigenen Entwurf einem Selbst-Review nach 24 Stunden Abstand – mit frischem Blick und Bezug auf das ursprüngliche Briefing.
  5. Stakeholder-Review: Vor dem Kundengespräch wird der Entwurf intern reviewed – ein Teammitglied spielt den Advocatus Diaboli und stellt alle möglichen Einwände vor.

In der Praxis

  • Präsentationskontext dokumentieren: Den Entwurf nie ohne Briefing und Begründung zeigen. „Das habe ich so gemacht, weil..." gehört zur Präsentation.
  • Zeitrahmen setzen: Review-Sessions mit klarer Zeit pro Entwurf (z. B. 10 Minuten pro Person) halten die Energie hoch und verhindern Überforderung.
  • Diskussionen dokumentieren: Ergebnisse und offene Punkte aus dem Review schriftlich festhalten – sonst geht wertvolles Feedback verloren.
  • Psychologische Sicherheit schaffen: Nur in einem Umfeld, in dem Kritik ohne Angst vor Konsequenzen geäußert werden kann, entstehen ehrliche Reviews. Das ist eine Führungsaufgabe.
  • Prototypen früh zeigen: Je früher Entwürfe in den Review kommen (auch wenn unfertig), desto mehr Korrekturgelegenheiten entstehen. „Don't be precious" – sich nicht an frühe Entwürfe klammern.

Vergleich & Abgrenzung

Design Review vs. Kundenabnahme: Die Kundenabnahme ist ein formaler Schritt am Ende eines Projekts. Der Design Review ist ein iterativer Prozess innerhalb der Entwicklung – er findet auch intern und ohne Kundenbeteiligung statt.

Design Review vs. Qualitätssicherung (QA): QA prüft technische Korrektheit und Vollständigkeit. Design Review bewertet gestalterische Qualität, strategische Passung und kommunikative Wirkung.

Häufige Fragen (FAQ)

Was tue ich, wenn ein Review in einen Geschmacksstreit ausartet? Zurück zu den Kriterien führen: „Woran messen wir das? Was sagt das Briefing?" Geschmacksargumente („Ich finde das unschön") durch kriterienbasierte Fragen ersetzen: „Was ist die Wirkung auf die Zielgruppe?"

Wie bereite ich einen Entwurf für einen Review vor? Entwurf in Kontext einbetten: Briefing zusammenfassen, Designentscheidungen begründen, Fragen formulieren, auf die Feedback gewünscht wird. Screenshots oder Prototypen statt reine Dateipräsentation nutzen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Buxton, Bill (2007): Sketching User Experiences. Morgan Kaufmann.
  • Norman, Don (2013): The Design of Everyday Things. Basic Books.
  • Kolko, Jon (2011): Exposing the Magic of Design. Oxford University Press.
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