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Export-Rezepte sind in Capture One gespeicherte Exportkonfigurationen mit definierten Ausgabeformaten, Größen und Dateinamen, die per Stapelverarbeitung auf hunderte Bilder gleichzeitig angewendet werden können.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Capture One · Niveau: Fortgeschritten


Was sind Export-Rezepte?

Capture Ones Export-System basiert auf dem Konzept der „Rezepte" (Recipes): Vorkonfigurierte Exporteinstellungen, die jederzeit aktiviert und auf eine Auswahl von Bildern angewendet werden können. Ein einzelnes Bild kann in einem Durchgang mit mehreren Rezepten gleichzeitig exportiert werden – z. B. als Hochauflösungs-TIFF für den Druck, als JPEG für die Kundenvorschau und als kleinere JPEG-Version für Instagram.

Dieses System ist deutlich flexibler als Lightrooms Export-Dialog, der für jeden Exportvorgang separat konfiguriert werden muss.


Erklärung

Export-Rezepte anlegen

Das Export-Panel (Datei → Export oder das dedizierte Rezepte-Panel) zeigt alle vorhandenen Rezepte als Liste. Neue Rezepte werden per Plus-Symbol angelegt und können folgende Parameter definieren:

Dateiformat:

  • JPEG (mit Qualitätsregler 1–100)
  • TIFF (8- oder 16-Bit, komprimiert oder unkomprimiert)
  • PNG
  • DNG (Adobe RAW)
  • PSD (Photoshop-kompatibel)
  • EIP (Enhanced Image Package – Capture One proprietär mit RAW + Einstellungen)
  • Originaldatei (unverändert)

Farbprofil:

  • sRGB (Standard für Web, Social Media)
  • Adobe RGB (für Druck und weiteren Farbumfang)
  • ProPhoto RGB (maximaler Farbraum)
  • CMYK (für Direct-Offset-Ausgabe)
  • Keine Konvertierung (Profil beibehalten)

Auflösung und Größe:

  • Pixelabmessungen (Breite/Höhe in Pixel)
  • Skalierung (Prozent des Originals)
  • Langseite/Kurzseite auf bestimmten Pixelwert begrenzen
  • DPI/PPI (für Print-Ausgaben relevant)

Schärfung:

  • Keine
  • Bildschirm
  • Druck
  • Tiefenschärfe-Schärfung

Dateinamen-Tokens

Capture One unterstützt ein umfangreiches Token-System für die automatische Dateinamengenerierung:

  • [Image Name] – Originalname der Datei
  • [Job Number] – Automatisch hochgezählte Jobnummer
  • [Counter 4] – Vierstellige Nummerierung
  • [Date] – Aufnahmedatum (verschiedene Formate)
  • [Camera] – Kameramodell
  • [Lens] – Objektiv
  • [ISO] – ISO-Wert
  • [Rating] – Sternebewertung

Beispiel-Rezept-Name: Kunde_[Date YYYY-MM-DD]_[Counter 4]_web erzeugt Dateinamen wie Kunde_2024-03-15_0023_web.jpg.

Ordner-Ausgabe und Unterordner-Token

Auch der Ausgabeordner kann mit Token dynamisch definiert werden. Bei Tethering-Jobs mit mehreren Modellen oder Sets kann so automatisch ein Unterordner pro Datum oder Job erstellt werden.

Mehrere Rezepte gleichzeitig anwenden

Durch das Aktivieren mehrerer Rezept-Checkboxen und Klicken auf „Alle exportieren" werden alle aktiven Rezepte in einem Durchgang angewendet. Capture One verarbeitet alle Bilder parallel und nutzt dabei alle verfügbaren CPU-Kerne.

Prozess-Queue (Verarbeitungswarteschlange)

Alle Export-Jobs landen in der Verarbeitungswarteschlange (Process Queue), die unter dem Menü „Verarbeitung" geöffnet werden kann. Hier ist der Fortschritt jedes Jobs sichtbar. Während des Exports kann in Capture One weitergearbeitet werden, da die Verarbeitung im Hintergrund läuft.

Stapelverarbeitung ohne manuelle Selektion

Capture One erlaubt den Export aller Bilder einer Sammlung, eines Albums, einer Session oder eines Katalogsegments ohne manuelle Auswahl. Über „Alle exportieren" oder „Ausgewählte exportieren" wird die Verarbeitung gestartet.

Hot Folder (Automatischer Export-Ordner)

Capture One unterstützt das Konzept eines „Hot Folders": Ein definierter Ordner wird überwacht, und neu hineinkopiierte RAW-Dateien werden automatisch verarbeitet und in einen Ausgabeordner exportiert. Dies ist für vollautomatisierte Workflows (z. B. bei Event-Fotografie mit schneller Lieferanforderung) wertvoll.


Beispiele

  • E-Commerce: 500 Produktbilder werden in einem Schritt als 3000px JPEG für den Webshop und als 16-Bit TIFF für die Druckproduktion exportiert.
  • Fashion-Agentur: Nach dem Shooting werden alle 5-Sterne-Bilder automatisch als JPEG Web und TIFF Druck exportiert – Namensschema enthält Aufnahmedatum und fortlaufende Nummer.
  • Hochzeitsreportage: Export mit zwei Rezepten: hochauflösendes JPEG für den Kunden und kleinformatiges JPEG mit Wasserzeichen für die SNS-Galerie.

In der Praxis

Empfohlene Rezept-Sets:

  1. Web-Lieferung: JPEG, 85 % Qualität, sRGB, Langseite 2500px
  2. Druck/Agentur: TIFF 16-Bit, Adobe RGB, Originalauflösung
  3. Social Media: JPEG, 75 % Qualität, sRGB, 1080 × 1080px (quadratisch)
  4. Archiv: Originaldatei (RAW) in Backup-Ordner

Tastenkürzel: Cmd/Ctrl + D öffnet den Export-Dialog. Cmd/Ctrl + Shift + D startet den direkten Export mit dem zuletzt genutzten Rezept.


Vergleich & Abgrenzung

FunktionCapture One RezepteLightroom ExportPhotoshop Batch
Mehrere Formate gleichzeitigJaNein (ein Export je Durchgang)Begrenzt (Actions)
Token-basierte DateinamenJa, umfangreichJa, umfangreichBegrenzt
Hintergrund-VerarbeitungJaJaNein
Hot FolderJaBegrenztBegrenzt
Styles beim Export anwendenJaJa (Presets)Nein

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich mehrere Rezepte in einem Schritt aktivieren? Ja. Alle Rezepte mit aktiviertem Checkbox werden beim Klick auf „Alle exportieren" gleichzeitig ausgeführt.

Werden Wasserzeichen in Export-Rezepten unterstützt? Ja. Capture One kann Text- oder Bild-Wasserzeichen als Teil eines Rezepts definieren und automatisch auf alle exportierten Bilder aufbringen.

Wie beeinflusst die Anzahl der Rezepte die Export-Performance? Jedes aktive Rezept erzeugt eine separate Ausgabedatei. Bei drei aktiven Rezepten wird jedes Bild dreimal verarbeitet. Die GPU-Beschleunigung hilft, diese Last zu reduzieren.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Phase One (2024): Capture One 24 – Official User Guide. Phase One A/S, Kopenhagen.
  • Andrews, M. (2022): The Capture One Cookbook. Rocky Nook, Santa Barbara.
  • Eismann, K. (2019): The Digital Photographer's Notebook. New Riders, San Francisco.
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