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InDesign vs. Affinity Publisher 2 ist der zentrale Vergleich im Desktop-Publishing-Markt: Adobe InDesign als langjähriger Industriestandard mit Abo-Modell gegen Affinity Publisher 2 von Serif als leistungsfähige Einmalkauf-Alternative.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: InDesign · Niveau: Fortgeschritten


Was ist Affinity Publisher 2?

Affinity Publisher 2 ist die Desktop-Publishing-Anwendung von Serif (UK), die 2019 in Version 1 erschien und 2022 als Version 2 erheblich erweitert wurde. Sie gilt als ernsthafteste Alternative zu Adobe InDesign auf dem Markt und hat seit ihrer Veröffentlichung einen signifikanten Marktanteil gewonnen, insbesondere bei Freelancern, kleineren Studios und Nutzern, die Adobes Abonnementmodell ablehnen.

Erklärung

Lizenzmodell

InDesign: Ausschließlich als Creative-Cloud-Abo erhältlich. Preise (Stand 2024):

  • InDesign einzeln: ca. 24–27 € / Monat
  • Creative Cloud All Apps: ca. 60–65 € / Monat (für alle Adobe-Anwendungen)
  • Keine dauerhafte Einmallizenz verfügbar
  • Ohne Abo verliert man Zugang zu den Programmen

Affinity Publisher 2: Einmalkauf ohne Abonnement:

  • Publisher 2 einzeln: ca. 70 € (oder Affinity V2 Universal Licence für alle drei Apps ca. 165 €, einmalig)
  • Keine monatlichen Kosten
  • Updates innerhalb einer Hauptversion inklusive (V2.x kostenlos)
  • Dauerhaft nutzbar auch ohne weitere Zahlungen

Fazit Kosten: Für regelmäßige Nutzer ist InDesign über ein Jahr (≈300 €) deutlich teurer als der Affinity-Einmalkauf. Für professionelle Studios mit bestehender Creative-Cloud-Lizenz entsteht kein Zusatzkosten für InDesign.

Funktionsumfang im Vergleich

Master Pages / Musterseiten: Beide bieten vergleichbare Musterseiten-Funktionalität. InDesigns Parent-Child-Hierarchie (verschachtelte Musterseiten) ist flexibler. Affinity Publisher hat „Master Pages" mit Eltern-Kind-Beziehung, aber etwas eingeschränkter.

Typografie: InDesigns Typografie-Engine (Absatz-Kompositor, optischer Randausgleich, GREP-Stile) ist umfangreicher und professioneller. Affinity Publisher hat solide Typografie, aber keinen Absatz-Kompositor und keinen optischen Randausgleich.

Stile (Formate): Beide haben Absatz-, Zeichen- und Objektformate. InDesigns GREP-Stile und verschachtelte Stile sind in Affinity nicht vorhanden.

Tabellen: Beide unterstützen professionelle Tabellen mit Zellen- und Tabellenformaten. Die Handhabung ist in InDesign ausgereifter, insbesondere bei automatischen Tabellen-Fortsetzungen über Seiten.

Bilder und Verknüpfungen: Vergleichbar. Beide verknüpfen extern. InDesigns Verknüpfungs-Panel ist detailreicher; Affinity bietet ähnliche Funktionalität.

Ebenen: Beide bieten vollständiges Ebenen-System, in Affinity mit einer etwas anderen UI-Metapher.

PDF-Export und Druckvorbereitung: InDesign hat breiteren PDF/X-Support und ausgefeiltere Preflight-Funktionen. Affinity Publisher exportiert PDF/X-1a, X-3, X-4 und bietet Preflight-Funktionen, ist aber nicht so tief integriert wie InDesigns Preflight-Profile.

EPUB-Export: Beide exportieren Reflowable und Fixed Layout EPUB. InDesign ist ausgereifter; Affinity Publishers EPUB-Ausgabe ist solide, aber weniger konfigurierbar.

Skripting/Automatisierung: InDesign hat eine sehr umfangreiche JavaScript-API (Scripting in InDesign: JavaScript & ExtendScript). Affinity Publisher bietet kein Scripting in vergleichbarer Tiefe – ein erheblicher Nachteil für automatisierungsintensive Produktionen.

Datenzusammenführung / Data Merge: InDesign hat eingebauten Datenzusammenführung (Data Merge). Affinity Publisher 2 hat (Stand 2024) keine vergleichbare eingebaute Funktion.

KI-Features: InDesign integriert Adobe Firefly (KI-Features in InDesign (Generative Expand, Alt-Text)). Affinity Publisher 2 hat keine eingebauten generativen KI-Features (Stand 2024).

Affinity Publisher 2: StudioLink-Funktion

Affinity Publisher 2 enthält eine exklusive Funktion: StudioLink. Ohne die Anwendung zu wechseln, kann direkt in Publisher auf alle Werkzeuge von Affinity Photo (Bildbearbeitung) und Affinity Designer (Vektorgrafik) zugegriffen werden. Ein Klick schaltet zwischen den drei Anwendungen um, ohne die Datei zu speichern oder neu zu öffnen.

Dies ist ein erheblicher Workflow-Vorteil gegenüber InDesign, das immer in separate Programme (Photoshop, Illustrator) wechseln muss. Die Affinity V2 Universal Licence umfasst alle drei Apps.

Dateikompatibilität

InDesign-Dateien in Affinity Publisher öffnen: Möglich über IDML (InDesign Markup Language). Affinity Publisher kann IDML importieren, aber die Konvertierung ist nicht verlustfrei: Einige Features werden nicht korrekt übersetzt (komplexe Skripte, bestimmte Effekte, verschachtelte Musterseiten).

Affinity-Dateien in InDesign öffnen: Nicht direkt. Affinity Publisher kann Dokumente als PDF oder IDML-ähnliches Format exportieren, aber der native .afpub-Export ist inkompatibel mit InDesign.

Für Druckereien: Die meisten professionellen Druckereien kennen InDesign. Affinity Publisher-Projekte werden für die Druckerei als PDF/X exportiert – genau wie InDesign. Aus Drucksicht sind beide Ausgaben äquivalent, wenn das PDF korrekt ist.

Marktposition und Kompatibilität

InDesign als Industriestandard: In der professionellen Publishing-Branche (Verlag, Agentur, Druckvorstufe) ist InDesign der Standard. Stellenanzeigen für DTP-Layouter verlangen InDesign-Kenntnis. Ausgegebene Dokumente werden als INDD- oder IDML-Dateien übergeben.

Affinity als aufstrebender Herausforderer: Im kreativen Freelancer-Markt, bei Selbstverlegern und in kleinen Studios gewinnt Affinity. Für Eigenproduktionen, die nur als PDF ausgegeben werden, ist Affinity vollwertig.

Einsatzempfehlungen

InDesign wählen wenn:

  • In einem Unternehmen oder einer Agentur gearbeitet wird, die InDesign als Standard nutzt
  • Umfangreiche Scripting-Automatisierung nötig ist
  • Komplexe Buchproduktionen mit dem Buch-Feature erforderlich sind
  • Tief in das Adobe-Ökosystem (Creative Cloud, Stock, Bridge) integriert gearbeitet wird
  • Weiterbildungszertifikate oder Berufsqualifikationen auf InDesign ausgerichtet sind (z. B. ACE-Zertifizierung)

Affinity Publisher 2 wählen wenn:

  • Keine bestehende Adobe CC Lizenz vorhanden ist und die Kosten ein Faktor sind
  • Hauptsächlich als Freelancer für kleinere Projekte (Broschüren, Flyer, selbst verlegte Bücher) gearbeitet wird
  • StudioLink die Arbeit mit gleichzeitiger Bildbearbeitung und Vektorgrafik erleichtert
  • Das Projekt ausschließlich als PDF ausgegeben wird (keine INDD-Übergabe nötig)
  • Datenschutzbedenken bezüglich der Cloud-Infrastruktur bestehen

Scribus als dritte Option

Scribus ist die kostenlose, Open-Source-Alternative. Es ist deutlich weniger benutzerfreundlich als InDesign oder Affinity, bietet aber vollständige CMYK- und PDF/X-Unterstützung. Geeignet für Organisationen mit sehr kleinem Budget, die bereit sind, mehr Zeit in Einarbeitung zu investieren.

Beispiele

Lokaler Verein, Mitgliederzeitschrift: 24-seitige Vereinszeitung, viermal im Jahr, kein Grafikprofi. Affinity Publisher 2 (Einmalkauf 70 €) ist kosteneffizienter und für diesen Zweck vollständig ausreichend.

Designagentur, Werbekampagnen: Mittelgroße Agentur mit 8 Layoutern. InDesign ist der Standard, alle Mitarbeiter haben Creative Cloud All Apps. Kundendateien werden als INDD und IDML übergeben. Affinity wäre hier kein sinnvoller Austausch.

Buchautor, Selbstverlegung: Ein Autor legt sein 200-seitiges Sachbuch selbst auf. Affinity Publisher 2 Universal Licence für 165 € bietet Buch-Layout, Bildbearbeitung und Vektorelemente in einem Paket. Die Ausgabe als PDF/X für die Druckerei ist problemlos.

In der Praxis

Parallelbetrieb: Viele Profis kennen beide Programme. Für die eigene Produktion wird Affinity eingesetzt (Kosteneinsparung), für Kundenaufträge InDesign (Kompatibilität).

Lernkurve: Wer InDesign kann, findet sich in Affinity Publisher schnell zurecht – die Konzepte sind ähnlich, die UI etwas anders. Der Umkehrweg gilt ebenso.

Vergleich & Abgrenzung

InDesign vs. QuarkXPress: QuarkXPress ist der historische Konkurrent von InDesign und hat sich als professionelles Tool gehalten, spielt aber im Massenmarkt eine deutlich kleinere Rolle als in den 1990er Jahren.

InDesign vs. Scribus: Scribus ist kostenlos und Open Source, bietet solide Druckvorbereitung, fehlt aber bei Benutzerfreundlichkeit und modernen Features.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man Affinity Publisher lernen, wenn man InDesign für eine Stelle braucht? Bedingt. Die Konzepte sind übertragbar, aber die UI und spezifischen Funktionen unterscheiden sich. Für InDesign-Berufsanforderungen sollte man direkt InDesign lernen, nicht als Umweg über Affinity.

Hat Affinity Publisher eine Zukunft? Affinity wurde 2022 von Canva übernommen. Canva hat versichert, dass Affinity weiterentwickelt wird. Langfristige Strategie ist unklar, aber kurzfristig ist Affinity aktiv in Entwicklung.

Ist InDesign für Einsteiger geeignet? Ja, aber es hat eine Lernkurve. Für einfache Projekte empfehlen viele Einsteigern Affinity Publisher als zugänglicheren Einstieg, um die Grundkonzepte zu erlernen, bevor sie zu InDesign wechseln.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Walden, Taz: Affinity Publisher 2: The Definitive Guide. Rocky Nook, 2023.
  • Witmer, Anne-Marie: Switching from InDesign to Affinity Publisher. CreativePro, 2022.
  • Serif Ltd.: Affinity Publisher 2 – What's New. Affinity Blog, 2022.
  • Adobe Inc.: InDesign vs. Competitors. Adobe Blog, 2023.
  • Phinney, Thomas: Desktop Publishing Software Comparison. Phinney on Fonts, 2023.
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