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Generative Fill ist eine KI-gestützte Funktion in Adobe Photoshop, die auf Basis von Adobe Firefly per Textprompt oder leer belassener Auswahl fotorealistische Inhalte in Bilder einfügt, entfernt oder erweitert, vollständig nicht-destruktiv auf einer eigenen generierten Ebene.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Adobe Photoshop · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Generative KI-Füllung, Firefly-Füllung; Menüpfad: Bearbeiten > Generative Fill (nach Auswahl); Kontextleiste bei aktiver Auswahl; kein festes Tastenkürzel (Aufruf über Kontextleiste)

Was ist Generative Fill?

Generative Fill wurde mit Photoshop 24.6 (Mai 2023, zunächst als Beta) eingeführt und ist seit Photoshop 25.0 (September 2023) in der Vollversion verfügbar. Die Funktion basiert auf generativen KI-Modellen und ist direkt in den Photoshop-Arbeitsablauf integriert. Sie löst das Problem, dass komplexe Bildmontagen, Hintergrundergänzungen und Objektersetzungen bisher zeitaufwendige manuelle Arbeit erforderten.

Ab März 2026 steht im Modell-Dropdown neben dem Standard-Modell (Adobe Firefly Image 5) auch eine Auswahl weiterer Modelle zur Verfügung: Google Gemini (für konsistente Charakterdarstellungen) und Black Forest Labs FLUX.2 Pro (besonders photorealistisch, mit starker Textwiedergabe im Bild). Damit können Anwender je nach Aufgabe das passende Modell wählen.

Erklärung

Generative Fill arbeitet auf Basis von Auswahlbereichen. Der Nutzer erstellt zunächst mit einem beliebigen Auswahlwerkzeug (Rechteckauswahl, Lasso, Objekt auswählen, Schnellauswahl) einen Auswahlbereich im Bild. Sobald eine Auswahl aktiv ist, erscheint in der Kontextaufgabenleiste (Contextual Task Bar) am unteren Bildschirmrand die Schaltfläche „Generative Fill". Nach dem Anklicken öffnet sich ein Texteingabefeld, in das ein Prompt in natürlicher Sprache eingegeben werden kann, auf Deutsch, Englisch oder vielen weiteren Sprachen.

Drei Hauptanwendungsmodi:

  1. Objekte einfügen: Der Nutzer wählt einen leeren oder vorhandenen Bereich aus und beschreibt, was dort erscheinen soll (z. B. „roter Sportwagen auf einer Bergstraße"). Das gewählte Modell erzeugt einen fotorealistischen Inhalt passend zum Kontext des restlichen Bildes.
  2. Objekte entfernen (leerer Prompt): Wird der Textprompt leer gelassen und die Schaltfläche „Generieren" geklickt, ersetzt Photoshop den ausgewählten Bereich durch KI-generierten Hintergrund, der zum umgebenden Kontext passt, ähnlich Content-Aware Fill, aber mit deutlich höherer semantischer Intelligenz.
  3. Generative Expand: Bei Verwendung des Zuschneidewerkzeugs und Erweiterung der Leinwand über die Bildgrenzen hinaus kann Generative Fill den neu entstandenen leeren Bereich automatisch mit passenden Inhalten füllen (Menü: Bild > Generative Expand oder über Kontextleiste beim Zuschneiden). Ab März 2026 generiert Generative Expand in 2K-Auflösung (vorher 1K), was bei großformatigen Produktionen deutlich mehr Detailtreue liefert.

Modellauswahl (ab März 2026):

ModellStärkeAnwendungsfall
Adobe Firefly Image 5Kommerziell sicher, Adobe IP-geprüftStandardproduktion, kommerzielle Projekte
Google GeminiCharakterkonsistenzSerienfotos, wiederkehrende Personen/Figuren
Black Forest Labs FLUX.2 ProPhotorealismus, TextdarstellungArchitektur-, Produkt- und Textelemente im Bild

Referenzbild-Option (Reference Image, ab März 2026):

Über die neue Reference-Image-Option kann vor der Generierung ein eigenes Bild als visuelle Vorlage hochgeladen werden. Photoshop orientiert sich dann bei Stil, Farbgebung und Motiv am Referenzbild, anstatt nur den Textprompt zu verwenden. Das ermöglicht eine präzisere Steuerung des Ergebnisses und sorgt für visuelle Konsistenz, wenn zum Beispiel ein Produktdesign oder ein Markenstil beibehalten werden soll.

Technische Parameter und Eigenschaften:

  • Jede Generierung erzeugt standardmäßig drei Varianten, zwischen denen im Eigenschaften-Panel (Fenster > Eigenschaften) gewechselt werden kann.
  • Das Ergebnis liegt immer auf einer eigenen generierten Ebene mit zugehöriger Vektormaske, das Original bleibt unangetastet.
  • Die Funktion benötigt eine Internetverbindung und eine gültige Creative-Cloud-Lizenz; die Verarbeitung erfolgt auf Adobe-Servern.
  • Generative Credits werden pro Generierungsvorgang verbraucht; Creative-Cloud-Abonnements beinhalten ein monatliches Kontingent.
  • Die Qualität hängt stark von der Präzision des Prompts und der Größe sowie Form der Auswahl ab.
  • Firefly-Modelle sind auf lizenzfreiem Bildmaterial, Adobe Stock und gemeinfreien Werken trainiert und daher für kommerzielle Nutzung freigegeben.

Beispiele

  1. Himmelserweiterung: Fotograf wählt den Himmelbereich eines Landschaftsfotos aus und gibt „dramatischer Sonnenuntergang mit Wolken" als Prompt ein, der Himmel wird fotorealistisch ersetzt, ohne den Horizont manuell freizustellen.
  2. Model ohne störende Passanten: In einem Straßenfoto werden unerwünschte Personen im Hintergrund mit dem Lasso markiert, leerer Prompt eingegeben, der Hintergrund wird nahtlos rekonstruiert.
  3. Produktfoto-Hintergrund: Ein freigestelltes Produktfoto bekommt durch Generative Expand (jetzt in 2K) einen neuen Studiohintergrund mit Texturelementen auf Basis eines Prompts.
  4. Kleidungswechsel an Figur: Ein Modedesigner ersetzt das Oberteil einer Person im Bild durch einen anderen Schnitt, indem er den Bereich auswählt und „weißes Leinenhemd, leger" eingibt.
  5. Konsistente Charakterdarstellung: Bei einer Fotoserie mit wiederkehrender Figur wird Google Gemini als Modell gewählt und ein Referenzbild der Person hochgeladen, um optische Konsistenz über mehrere generierte Bilder hinweg zu sichern.

In der Praxis

Für präzise Ergebnisse empfiehlt sich eine exakte, weich gefederte Auswahl (Auswahl > Kante verbessern, 2–5 px Weichzeichnen). Zu kleine Auswahlbereiche unter 50 × 50 Pixel liefern oft schwache Ergebnisse. Englischsprachige Prompts liefern tendenziell konsistentere Ergebnisse als deutsche, da die Modelle primär auf englischen Daten trainiert wurden. Mehrere Generierungsdurchläufe können sinnvoll kombiniert werden: Ebenen aus verschiedenen Varianten per Maske zusammenfügen. Die generierte Ebene lässt sich wie jede normale Ebene mit Ebenenmasken weiter verfeinern. Vorsicht: Bei Porträts kann Generative Fill unerwartete Gesichtsveränderungen erzeugen, Auswahlbereich dann enger auf das Zielobjekt begrenzen.

AI Markup (Beta, ab 2026): Das AI-Markup-Werkzeug ist eine experimentelle Funktion, bei der der Nutzer per Zeichengeste (Freihandlinie oder Umkreisung) direkt auf dem Bild Bereiche oder Objekte markiert. Ein eingeblendeter KI-Assistent schlägt daraufhin kontextsensitive Aktionen vor (Entfernen, Ersetzen, Anpassen) und führt sie auf Wunsch aus. Dieses Konzept verkürzt den Weg von der Bildidee zur Bearbeitung weiter und ergänzt die klassische Auswahl-basierte Arbeitsweise.

Vergleich & Abgrenzung

FunktionMethodeStärke
Generative FillKI / cloudbasiert, mehrere Modelle wählbarVollständige Neuerzeugung von Inhalten per Prompt
Content-Aware FillLokal, algorithmischSchnell, offline, für einfache Hintergrundreparaturen
KopierstempelManuellPixelgenaue Kontrolle, reproduzierbar
Patch-WerkzeugHalbautomat.Textur-Übertragung aus definiertem Quellbereich

Content-Aware Fill ist schneller und benötigt keine Internetverbindung, ist aber auf das Fortsetzen vorhandener Muster beschränkt. Generative Fill kann semantisch völlig neue Inhalte erzeugen, die im Original nicht vorhanden waren.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich Generative Fill ohne Internetverbindung nutzen? Nein. Generative Fill ist ein cloudbasierter Dienst, der auf Adobe-Servern und externen Modellanbietern läuft. Ohne aktive Internetverbindung und gültige Creative-Cloud-Lizenz steht die Funktion nicht zur Verfügung. Für Offline-Retusche bleibt Content-Aware Fill die beste Alternative.

Darf ich mit Generative Fill erzeugte Bilder kommerziell verwenden? Bei Verwendung von Adobe Firefly Image 5 ist die kommerzielle Nutzung freigegeben, da das Modell auf lizenzierten Inhalten trainiert wurde. Adobe bietet eine IP-Schadloshaltung (IP indemnification) für Unternehmenskunden an. Für die Modelle Google Gemini und Black Forest Labs FLUX.2 Pro gelten die jeweiligen Nutzungsbedingungen der Modellanbieter. Die Lizenzbedingungen der verwendeten Creative-Cloud-Lizenz sind in jedem Fall zu prüfen.

Was bringt die Referenzbild-Option (Reference Image)? Mit einem hochgeladenen Referenzbild kann die visuelle Richtung der Generierung gezielt gesteuert werden: Photoshop berücksichtigt Stil, Farbpalette und Motivcharakter des Referenzbildes zusätzlich zum Textprompt. Das ist besonders nützlich für konsistente Produktdesigns, Markenwelten oder Bildserien.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe Blog: „New Generative AI features in Photoshop", blog.adobe.com, März 2026
  • Adobe Photoshop Benutzerhandbuch, helpx.adobe.com/de/photoshop
  • Adobe Firefly Übersicht, firefly.adobe.com
  • Fstoppers: „Photoshop March 2026 Update: Reference Image, Multi-Model Support and 2K Expand", fstoppers.com, März 2026
  • Bondy, Peter: Adobe Photoshop, Das umfassende Handbuch, Rheinwerk Verlag, 2024
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