Neural Filters sind eine Sammlung KI-gestützter Bildbearbeitungsfilter in Adobe Photoshop, die auf neuronalen Netzen basieren und komplexe Transformationen wie Altersveränderung, Gesichtsausdruck-Modifikation, Stilübertragung und automatische Kolorierung mit wenigen Reglern ermöglichen.
Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Adobe Photoshop · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: KI-Filter, Neuronale Filter; Menüpfad: Filter > Neural Filters; kein direktes Tastenkürzel; englisch: Neural Filters
Was ist Neural Filters?
Neural Filters wurde mit Photoshop 22.0 (Oktober 2020) eingeführt und ist seitdem kontinuierlich um neue Filter erweitert worden. Die Funktion bündelt eine wachsende Bibliothek an auf maschinellem Lernen basierenden Filtern unter einer einheitlichen Oberfläche. Einige Filter laufen lokal auf dem Rechner (Cloud-Symbol mit Häkchen), andere erfordern eine Internetverbindung und Adobe-Serverleistung (Cloud-Symbol mit Pfeil zum Download). Die Neural Filters lösen Aufgaben, die zuvor aufwendige manuelle Retusche oder externe Plugins erforderten.
Erklärung
Der Neural-Filters-Arbeitsbereich (Filter > Neural Filters) öffnet ein dediziertes Panel mit einer übersichtlichen Filterbibliothek. Filter sind in Kategorien eingeteilt und können durch Klick aktiviert werden. Neue oder aktualisierte Filter können direkt aus dem Panel heruntergeladen werden.
Wichtige verfügbare Filter (Stand Photoshop 2025):
Smart Portrait (Empfohlen / Beta): Der bekannteste Neural Filter erlaubt die nicht-destruktive Veränderung von Gesichtsausdrücken und -merkmalen über Schieberegler:
- Glücklichkeit (–50 bis +50): Mundwinkel und Wangenmuskulatur werden verändert.
- Überraschung, Wut, Alter, Haardichte, Blickrichtung: Weitere Regler modifizieren entsprechende Gesichtsmerkmale.
- Gesicht aufhellen: Erhöht die Helligkeit der Gesichtshaut selektiv.
- Augen glätten: Reduziert Fältchen und Rötungen um die Augen.
Die Funktion erkennt automatisch Gesichter im Bild. Sind mehrere Gesichter vorhanden, kann über ein Auswahlmenü zwischen ihnen gewechselt werden.
Stilübertragung (Style Transfer): Überträgt den Malstil eines Referenzbildes auf das aktuelle Foto. Stärke und der Einfluss auf Farbe versus Textur sind separat regelbar. Vordefinierte Kunststile (Impressionismus, Expressionismus etc.) stehen als Vorlagen bereit; eigene Referenzbilder können importiert werden.
Foto in Zeichnung (Sketch): Wandelt ein Foto in eine Bleistift-, Kohle- oder Tuschezeichnung um. Parameter: Strichbreite, Intensität, Kontrast.
Tiefenunschärfe (Depth Blur – Beta): Erzeugt eine simulierte Tiefenunschärfe (Bokeh) auf Basis einer KI-geschätzten Tiefenkarte. Brennweite, Blendenzahl und Fokuspunkt sind einstellbar. Das Ergebnis ist weniger präzise als ein echtes Bokeh oder eine manuelle Methode, aber für schnelle Ergebnisse gut geeignet.
Kolorierung (Colorize): Färbt Schwarz-Weiß-Fotos automatisch ein. Farbbereiche können manuell mit Farbpunkten überschrieben werden.
Superauflösung (Super Resolution): Verdoppelt die Bildauflösung durch KI-basierte Hochskalierung – technisch eher in Camera Raw oder Lightroom verankert, aber auch über Neural Filters zugänglich.
Ausgabe-Optionen: Alle Neural Filter können ausgegeben werden als: aktuelle Ebene, neue Ebene, Smart Object, neues Dokument. Die Ausgabe als Smart Object ist besonders empfohlen, da nachträgliche Anpassungen so erhalten bleiben.
Performance: Local ausgeführte Filter sind schnell (Sekunden), cloud-basierte Filter können je nach Serverauslastung und Internetgeschwindigkeit 10–60 Sekunden pro Vorschau benötigen.
Beispiele
- Werbefoto-Retusche: Ein Modell wirkt auf dem Bild etwas ernst – über Smart Portrait wird der „Glücklichkeit"-Regler auf +20 gestellt, das Ergebnis auf neuer Ebene ausgegeben und mit einer Ebenenmaske auf das Gesicht beschränkt.
- Historische Fotos kolorieren: Schwarzweiß-Familienfotos aus den 1940er-Jahren werden mit dem Kolorierungsfilter eingefärbt und mit manuellen Farbpunkten für Hautton und Kleidung korrigiert.
- Kunstprojekt mit Stilübertragung: Landschaftsfoto wird im Stil Van Goghs neu interpretiert; Stilstärke 70%, Farbeinfluss 50% – Ausgabe als neue Ebene, Deckkraft auf 60% reduziert für subtilen Effekt.
- Portrait mit simuliertem Bokeh: Porträtfoto mit flachem, unruhigem Hintergrund bekommt durch Depth Blur eine sanfte Tiefenunschärfe, Fokustiefe wird auf die Augen gesetzt.
- Altersveränderung für Kampagne: Für eine Gesundheitskampagne wird eine Person per Smart Portrait in zwei Versionen dargestellt: aktuelle und um 20 Jahre gealterte Version – ohne Model-Shooting.
In der Praxis
Smart Portrait ist am zuverlässigsten bei frontal aufgenommenen, gut belichteten Gesichtern. Bei Seitenprofilen oder starken Schattenwürfen auf dem Gesicht versagt die Gesichtserkennung häufig. Es empfiehlt sich, immer auf einer neuen Ebene oder als Smart Object auszugeben, um die Originalebene zu erhalten. Für den Stilübertragungsfilter gilt: Kleine Stilstärken (20–40%) wirken oft natürlicher als maximale Werte. Neural Filters ersetzen keine manuelle Retusche bei professionellen Anforderungen, sind aber ideal für schnelle Konzeptarbeiten und Präsentationen.
Vergleich & Abgrenzung
| Filter | Ansatz | Vergleichbares Werkzeug |
|---|---|---|
| Smart Portrait | KI, gesichtsbasiert | Liquify mit Gesichtswerkzeug |
| Stilübertragung | KI, neuronales Netz | Manuelle Maltechnik-Simulation |
| Kolorierung | KI, farbbasiert | Manuelles Kolorieren mit Farbebenen |
| Depth Blur | KI, Tiefenkar | Linsenunschärfe-Filter + Tiefenmaske |
Häufige Fragen (FAQ)
Warum sind manche Neural Filters ausgegraut oder als Beta markiert? Filter mit „Beta"-Kennzeichnung befinden sich noch in aktiver Entwicklung und können instabil sein oder unerwartet hohe Verarbeitungszeiten aufweisen. Ausgegraute Filter wurden noch nicht heruntergeladen – per Klick auf den Pfeil neben dem Filter werden sie aus der Adobe-Cloud geladen und lokal installiert.
Kann ich Neural Filters auf Smart Objects anwenden? Ja. Wenn das Bild als Smart Object vorliegt, öffnet Photoshop Neural Filters mit dem enthaltenen Pixel-Inhalt. Das Ergebnis muss anschließend als neue Ebene ausgegeben werden; eine Rückkonvertierung in den Smart-Object-Container ist dabei nicht automatisch möglich.
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Weiterführend
- Adobe Photoshop Benutzerhandbuch – helpx.adobe.com/de/photoshop
- Adobe Neural Filters Übersicht – helpx.adobe.com/de/photoshop/using/neural-filters.html
- Dügen, Haike: Photoshop 2025 – Praxis-Training, mitp Verlag, 2024
