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Specular-Glossiness ist ein älterer PBR-Workflow, der Materialien über Diffuse- (Streufarbe), Specular- (Reflexionsfarbe) und Glossiness-Kanäle (invertierte Rauheit) beschreibt – noch verbreitet in Film-VFX und Legacy-Render-Pipelines.

Was ist der Specular-Glossiness Workflow?

Der Specular-Glossiness-Workflow (SG-Workflow) war chronologisch der erste verbreitete PBR-Standard in der Spielebranche (Unreal Engine 3-Ära, ca. 2007–2012) und ist seitdem in Film-VFX-Renderern wie V-Ray (bis Version 3.x), mental ray und frühen Arnold-Versionen gebräuchlich.

Im Kern ersetzt der SG-Workflow den Metallic-Kanal des modernen MR-Workflows durch einen RGB-Specular-Kanal: Dieser enthält direkt die Farbe der spekulären (spiegelnden) Reflexion. Der Glossiness-Kanal ist das mathematische Inverse der Roughness: Hohe Glossiness = glatt = niedrige Roughness.

Während der MR-Workflow heute in Game-Engines dominiert, ist SG noch in bestimmten Film-VFX-Pipelines, älteren Studios und einigen proprietären Render-Engines anzutreffen.

Erklärung

Die drei Kernkanäle im SG-Workflow

Diffuse (Albedo) Enthält die gestreute (diffuse) Farbe des Materials – ähnlich wie Base Color im MR-Workflow, aber mit einem wichtigen Unterschied: Bei metallischen Materialien enthält Diffuse idealisiert Schwarz (Metalle haben keine diffuse Komponente), während MR's Base Color für Metalle die Reflexionsfarbe enthält.

In der Praxis: Häufig findet man SG-Texturen, bei denen Diffuse auch für Metalle nicht komplett schwarz ist – ein häufiger Fehler in älteren Assets.

Specular RGB-Kanal für die spekuläre Reflexionsfarbe:

  • Für Metalle: Reflexionsfarbe des Metalls (Kupfer = orangerot, Gold = gelbgold, Stahl = leicht grau)
  • Für Dielektrika: Einheitliche Graustufe (F0-Wert), typisch zwischen 0.03–0.08 (Schwarz = kein Specular, Weiß = maximales Specular)

Das ist der Kernunterschied zu MR: SG erlaubt pro Pixel eine eigene RGB-Specular-Farbe, MR berechnet diese automatisch aus Metallic und Base Color.

Glossiness Graustufenkanal: Inverse von Roughness.

  • Glossiness 0 = vollständig rau (= Roughness 1)
  • Glossiness 1 = spiegelglatt (= Roughness 0)

Konvertierung: Glossiness = 1 - Roughness (einfache Invertierung)

Konvertierung zwischen SG und MR

Substance Painter und Substance Designer können zwischen SG und MR konvertieren. Die Konvertierungslogik:

SG → MR:

  • Metallic-Erkennung: Wenn Specular-Wert > bestimmter Schwellenwert → Metallic = 1
  • Base Color für Metalle: Aus Specular-Kanal ableiten
  • Base Color für Dielektrika: Aus Diffuse-Kanal
  • Roughness: Invertiertes Glossiness

MR → SG:

  • Für Metallic = 1: Diffuse = Schwarz, Specular = Base Color
  • Für Metallic = 0: Diffuse = Base Color, Specular = F0-Grauwert (ca. 0.04)
  • Glossiness: Invertiertes Roughness

Diese Konvertierung ist nicht verlustfrei bei Materialien mit gemischten Metallic-Werten.

Warum noch SG verwenden?

Historische Gründe: Bestehende Asset-Libraries aus der Pre-MR-Ära (vor ~2014) sind im SG-Format. Für Fortsetzungsprojekte oder Legacy-Games ist SG daher noch relevant.

Renderer-Kompatibilität: Einige ältere oder proprietäre Renderer (V-Ray 3.x und früher, mental ray, Redshift vor 3.0) haben bessere SG-Support als MR.

Künstlerische Kontrolle: SG erlaubt mehr direkte Kontrolle über die Reflexionsfarbe – ein Vorteil in Film-VFX, wo Artists exakt festlegen wollen, wie Metall-Reflexionen aussehen.

SG in Substance Painter

Substance Painter unterstützt SG als projektweiten Workflow-Modus:

  • Beim Anlegen eines neuen Projekts: Document Settings → Shader → PBR Specular/Glossiness wählen
  • Alle Layer-Kanäle wechseln zu SG-Benennung (Diffuse statt Base Color, Glossiness statt Roughness)
  • Export-Presets für V-Ray und andere SG-Renderer vorhanden

Beispiele

Polierter Stahl im SG-Workflow:

  • Diffuse: Schwarz (Metall hat keine Diffustreflexion)
  • Specular: Leicht graublau (#C0C0C5) – spiegelndes Stahl-Grau
  • Glossiness: ~0.92 (fast glatt)

Lackiertes Holz im SG-Workflow:

  • Diffuse: Holzbraun (Albedo)
  • Specular: ~0.04 Grau (dielektrisches F0)
  • Glossiness: ~0.6–0.7 (glänzend, aber nicht spiegelglatt)

Rost im SG-Workflow:

  • Diffuse: Orangebraun
  • Specular: Sehr niedrig, ~0.01–0.02 (matt, dielektrisch)
  • Glossiness: ~0.1–0.2 (sehr rau)

In der Praxis

Der SG-Workflow ist für neue Projekte selten empfehlenswert. Ausnahmen:

  1. Bestehende Asset-Pipelines in SG-basierten Studios
  2. V-Ray bis Version 3.x (ab V-Ray 4.0 ist MR besser unterstützt)
  3. Sehr spezifische Artist-Kontrolle über Reflexionsfarben in Film-VFX
  4. Konvertierungs-Aufgaben bei der Migration alter SG-Assets zu modernen Engines

Für Einsteiger: SG-Workflow lernen ist nur dann sinnvoll, wenn ein spezifischer Betrieb oder Renderer es erfordert. MR als Einstieg ist für alle modernen Projekte der richtige Weg.

Vergleich & Abgrenzung

AspektSpecular-GlossinessMetallic-Roughness
Verbreitung heuteRückläufigDominant
Physikalische KorrektheitHoch (wenn korrekt genutzt)Sehr hoch
FehleranfälligkeitHöherNiedriger
Kontrolle über ReflexionsfarbeDirekte RGB-KontrolleIndirekt via Metallic+Base Color
Standard für GamesNein (legacy)Ja
Standard für Film-VFXTeilweiseZunehmend
glTF-StandardNeinJa

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich SG-Assets in Unreal Engine 5 verwenden? Ja, aber UE5 verwendet intern MR. SG-Texturen müssen konvertiert werden (manuell oder via Substance Painter SG-zu-MR-Konvertierung).

Was bedeutet "F0" im SG-Kontext? F0 ist der Fresnel-Reflexionswert bei 0° Einfallswinkel. Für Dielektrika: ~0.04 (4%). Im SG-Workflow wird dieser Wert direkt im Specular-Kanal als Graustufe kodiert.

Ist V-Ray heute noch SG-basiert? V-Ray Next (Version 4+) und V-Ray 6 haben vollständige MR-Unterstützung über den V-Ray Material (VRayMtl). SG-Workflow ist optional verfügbar, aber nicht mehr Standard.

Wie erkenne ich, ob ein altes Asset SG oder MR verwendet? Im Dateinamen oder in der Materialstruktur: SG-Assets haben Texturkanäle benannt als „Diffuse/Albedo", „Specular", „Glossiness". MR-Assets: „BaseColor/Albedo", „Metallic", „Roughness".

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Burley, B. (2012): Physically Based Shading at Disney. SIGGRAPH 2012. (Enthält Vorläufer beider Workflows)
  • Gotanda, Y. (2010): Physically Based Rendering: The Tri-Ace Way. SIGGRAPH 2010. (Frühe SG-PBR-Implementierung)
  • Lagarde, S. & de Rousiers, C. (2014): Moving Frostbite to Physically Based Rendering 3.0. SIGGRAPH 2014. (Vergleich SG und MR in Frostbite Engine)
  • Chaos Group (2023): V-Ray Material – PBR Workflow Guide. docs.chaos.com
  • Adobe (2024): Specular/Glossiness – Substance 3D Painter Export Templates. helpx.adobe.com/substance-3d-painter
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