Ein Pitch ist die verdichtete, dramaturgisch strukturierte Präsentation eines Projekts — mit dem Ziel, Interesse, Vertrauen und eine Entscheidung zu erzeugen.
Rubrik: Storytelling & Konzeption · Unterrubrik: Dramaturgie · Niveau: Fortgeschritten
Was ist ein Pitch?
Im Medienbereich bezeichnet "Pitch" die Präsentation eines kreativen Projekts vor Entscheidungsträgern — Redakteuren, Produzenten, Verlegern, Investoren, Kunden. Das Ziel ist immer dasselbe: den Gegenüber so zu überzeugen, dass er "Ja" sagt — zu einem Film, einer Serie, einem Buch, einer Werbekampagne, einem Marketingkonzept.
Der Pitch ist selbst eine narrative Konstruktion: Er erzählt eine Geschichte über das Projekt, über seinen Wert und über warum jetzt der richtige Moment dafür ist. Ein guter Pitch wendet dieselben Prinzipien an, die er bewirbt — er ist strukturiert, emotional ansprechend und hat einen klaren Spannungsbogen.
Erklärung
Die Grundkomponenten des Pitchs
Die Logline: Die Logline ist die auf einen Satz verdichtete Essenz einer Geschichte. Sie beantwortet: Wer? Will was? Warum ist das schwierig? Was steht auf dem Spiel?
Format: [Protagonist] + [Ziel] + [Hindernis] + [Einsatz / Thema]
Beispiel: "Ein verarmter Detektiv in einer dystopischen Zukunft soll eine Mordserie aufklären und entdeckt, dass die Täter keine Menschen mehr sind — und er selbst der nächste auf der Liste ist."
Eine starke Logline erzeugt unmittelbar Bilder, Figuren und Emotionen. Sie ist das härteste Destillat des Projekts und der erste Test, ob eine Geschichte funktioniert.
Das Konzept: In zwei bis fünf Sätzen: Was ist die Geschichte? Was macht sie einzigartig? Was ist das Thema? Das Konzept erweitert die Logline um Ton, Welt und Besonderheit.
Der Protagonist: Wer ist die zentrale Figur? Was will er oder sie? Was ist der innere Konflikt? Warum ist er oder sie interessant? Kurze, präzise Charakterisierung — genug, um Empathie zu erzeugen.
Der Konflikt: Was ist das zentrale Hindernis? Wer oder was ist der Antagonist? Warum ist das Überwinden dieses Hindernisses bedeutsam?
Die Welt: In welcher Welt spielt die Geschichte? Was ist der visuelle und atmosphärische Ton? Was ist besonders an diesem Setting?
Das Thema: Worum geht es wirklich? Was ist die menschliche Frage, die diese Geschichte stellt? Gute Projekte haben ein Thema, das über den Plot hinausgeht.
Vergleichstitel (Comps): "Wie [Bekannter Film/Serie A] trifft auf [Bekannter Film/Serie B]." Vergleichstitel helfen Entscheidungsträgern, das Projekt einzuordnen, Zielgruppen zu verstehen und Risiken abzuschätzen. Wichtig: Vergleichstitel sollten realistisch und recent sein.
Das Team / Der Author: Warum bist du die richtige Person für dieses Projekt? Was qualifiziert dich? Erfahrungen, Referenzen, persönliche Verbindung zum Stoff.
Der Call to Action: Was ist der nächste Schritt? Klar und konkret: "Wir bitten um die Möglichkeit, ein Treatment einzureichen." / "Wir suchen eine Co-Produktion für..." / "Ich brauche grünes Licht für Phase 2."
Die dramaturgische Struktur des Pitchs
Ein Pitch folgt einer miniaturisierten Drei-Akt-Struktur:
Akt 1 (Aufmerksamkeit): Hook — eröffne mit etwas, das sofort Interesse weckt. Eine überraschende Frage, eine verstörende Aussage, ein konkretes Bild. Nie mit Schuldigen-Abwimmeln beginnen: "Ich weiß, ihr habt wenig Zeit, also..."
Akt 2 (Entwicklung): Entfalte das Projekt. Logline, Protagonist, Konflikt, Welt, Thema, Vergleichstitel. Baue Interesse auf; zeige, warum das Projekt funktioniert.
Akt 3 (Auflösung): Warum jetzt? Warum du? Warum dieser Entscheidungsträger? Call to Action. Schluss, der im Gedächtnis bleibt.
Der Elevator Pitch
Der Elevator Pitch (30–60 Sekunden) ist die extremste Verdichtung: Was würdest du erzählen, wenn du jemanden Wichtiges zufällig im Aufzug triffst und bis zum nächsten Stockwerk Zeit hast?
Struktur:
- Hook (5 Sek.): Ein Satz, der fesselt.
- Kern (20 Sek.): Logline + Protagonist + Konflikt.
- Besonderheit (10 Sek.): Was macht es einmalig?
- Call (5 Sek.): Was wünschst du dir von diesem Gespräch?
Storytelling im Pitch: Die Zuhörer-Geschichte
McKinsey-Berater und Narrative-Designer teilen eine Erkenntnis: Der effektivste Pitch beginnt nicht mit dem Produkt, sondern mit einer Geschichte — oft einer kurzen Anekdote oder Beobachtung, die das Problem oder das Thema des Projekts greifbar macht.
"Ich bin vor zwei Jahren durch X gereist und habe Y beobachtet. In diesem Moment wurde mir klar, dass niemand diese Geschichte erzählt. Also habe ich angefangen..."
Diese Rahmung macht den Pitch persönlich, gibt ihm eine Herkunft und macht das Thema real.
Beispiele
Erfolgreicher Film-Pitch: Das Pitch-Meeting für Alien (1979) soll mit einer einzigen Zeile gewonnen worden sein: "Jaws in Space." Zwei Vergleichstitel, ein unmittelbares Bild, maximale Klarheit über Ton und Genre.
Serie: Ein typischer Netflix-Pitch für Drama-Serien enthält: Logline, Protagonisten-Skizze, Serienmittelplan (Was passiert in Staffel 1? Wo endet sie?), Thema, Comps, Team.
Werbe-Pitch: Eine Kreativagentur pitcht eine Kampagne: Problem des Kunden → strategischer Ansatz → kreative Leitidee → Execution Beispiele → Mediastrategie → Messung des Erfolgs.
In der Praxis
Vorbereitung
- Das Projekt so oft erklären, bis die Logline sitzt.
- Auf die häufigsten Einwände vorbereitet sein (Budget, Zielgruppe, Wettbewerb).
- Den Entscheidungsträger recherchieren: Was finanziert er normalerweise? Was fehlt in seinem Portfolio?
Im Raum
- Langsam sprechen — Aufregung beschleunigt das Sprechen, das macht den Pitch schwerer verständlich.
- Konkrete Bilder verwenden, nicht abstrakte Beschreibungen.
- Auf Reaktionen eingehen: Ein Pitch ist ein Gespräch, kein Monolog.
Nach dem Pitch
- Follow-up-Material bereithalten: Treatment & Synopsis: Vom Konzept zum Skript, Serienmittelplan, Exposé.
- Timing: Nicht sofort hinterherschicken — einen Tag warten, dann professionell nachfassen.
Vergleich & Abgrenzung
Pitch vs. Treatment: Der Pitch ist mündlich und verdichtet; das Treatment & Synopsis: Vom Konzept zum Skript ist schriftlich und ausführlicher.
Pitch vs. Exposé: Ein Exposé ist ein schriftliches Dokument, das ein Projekt umfassend beschreibt. Der Pitch ist die mündliche Kurzversion.
Elevator Pitch vs. Full Pitch: Der Elevator Pitch überzeugt, das Gespräch fortzuführen. Der Full Pitch führt zur Entscheidung.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lang sollte ein Pitch sein? Elevator Pitch: 30–60 Sekunden. Formaler Meeting-Pitch: 10–20 Minuten (inkl. Rückfragen). Niemals länger als die zugewiesene Zeit.
Was sind die häufigsten Fehler? Zu viel Handlung, zu wenig Charakter und Thema. Zu langsame Einführung. Kein klarer Call to Action. Fehlende Vergleichstitel.
Soll ich ein Skript vorlesen? Nein. Der Pitch muss natürlich klingen. Ein vorbereitetes Skript ist gut als Vorbereitung, aber im Raum sollte er freier geliefert werden.
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Weiterführend
- Otte, David: The Hollywood Standard: The Complete and Authoritative Guide to Script Format and Style. Michael Wiese Productions, Studio City 2013.
- Clevé, Bastian: Film Production Management. 4. Aufl. Focal Press, Oxford 2015.
- Keane, Christopher: The Story Within: New Insights and Inspiration for Writers. Writer's Digest Books, Cincinnati 1999.
- Snyder, Blake: Save the Cat! Michael Wiese Productions, Studio City 2005.
- McKee, Robert: Story: Die Prinzipien des Drehbuchschreibens. Alexander Verlag, Berlin 2000.
