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Treatment und Synopsis sind schriftliche Dokumente in der Drehbuchentwicklung, die eine Geschichte in ihrer Handlungsstruktur darstellen, ohne in die vollständige Skriptform zu gehen — unverzichtbar für Pitching, Redaktion und Finanzierung.

Rubrik: Storytelling & Konzeption · Unterrubrik: Dramaturgie · Niveau: Fortgeschritten


Was sind Treatment und Synopsis?

In der Entwicklung eines Films, einer Serie oder eines anderen Narrative-Projekts gibt es verschiedene schriftliche Entwicklungsstufen. Sie dienen dazu, die Geschichte in wachsendem Detail darzustellen — von der ersten Idee bis zum vollständigen Drehbuch. Die wichtigsten Zwischenstufen sind:

Logline: 1–3 Sätze. Die Essenz der Geschichte. Synopsis: 1–3 Seiten. Die Handlung im Überblick. Treatment: 5–30 Seiten (je nach Format). Die Geschichte in Prosa, szenenweise. Stepoutline/Beatsheet: Tabellarische Auflistung aller Szenen/Beats. Drehbuch: Vollständiges Skript, formatiert.

Diese Dokumente haben unterschiedliche Funktionen: Sie dienen dem Pitching (Interesse wecken), der Entwicklung (Struktur prüfen) und der Finanzierung (Redaktionen, Förderer, Co-Produzenten brauchen schriftliche Grundlagen).


Erklärung

Die Synopsis

Eine Synopsis ist eine Zusammenfassung der Handlung — präzise, klar und spoilerfrei oder spoilernd, je nach Verwendungszweck.

Arten der Synopsis:

Kurz-Synopsis (1 Seite): Für Pressematerial, Filmkataloge, erste Pitch-Unterlagen. Zeigt Prämisse, Hauptfiguren, zentralen Konflikt und Ton. Spoilert in der Regel nicht.

Ausführliche Synopsis (2–5 Seiten): Für Redaktionen und Produzenten. Zeigt den gesamten Handlungsverlauf inklusive Wendepunkte und Ende. Alles wird enthüllt — ein Entscheidungsträger muss die Geschichte vollständig beurteilen können.

Schreibprinzipien der Synopsis:

  • Präsens verwenden ("Hans verlässt die Stadt...")
  • Aktiv schreiben, keine passiven Konstruktionen
  • Figuren beim ersten Auftreten kurz charakterisieren (Name, Alter, Funktion)
  • Den dramaturgischen Spannungsbogen erhalten: Die Synopsis muss spannend zu lesen sein
  • Auf innere Zustände hinweisen, nicht nur auf Handlung ("Hans weiß noch nicht, dass...")
  • Keine Dialoge zitieren (das ist Aufgabe des Drehbuchs)

Häufiger Fehler: Die Synopsis ist eine ausführliche Inhaltsangabe ohne dramaturgische Energie. Eine gute Synopsis liest sich wie ein Romananfang — nicht wie eine Aktenzusammenfassung.

Das Treatment

Das Treatment ist die umfangreichste Vorstufe des Drehbuchs. Es erzählt die Geschichte szenenweise in flüssiger Prosa — ohne Drehbuchformat, aber mit szenischer Logik.

Funktion des Treatments:

  • Dramaturgische Struktur prüfen, bevor das Drehbuch geschrieben wird
  • Redaktionen und Produzenten die Geschichte vollständig darstellen
  • Ko-Autoren, Regisseure und Produzenten auf einen Stand bringen
  • Basis für Entwicklungsgespräche und Feedback

Aufbau eines Treatments:

Deckblatt: Titel, Autor, Datum, Kontakt.

Kurzcharakteristik (1/2 Seite): Genre, Format, Ton, Zielgruppe, Comps.

Figurenportrait (1–2 Seiten): Die Hauptfiguren kurz charakterisiert — nicht biographisch, sondern dramaturgisch: Wer sind sie? Was wollen sie? Was ist ihr innerer Konflikt?

Handlung (Hauptteil): Die Geschichte in Szenen/Sequenzen, in Prosa. Eine Seite entspricht grob einer Minute Laufzeit. Ein Treatment für einen 90-Minuten-Film umfasst damit etwa 15–25 Seiten.

Im Hauptteil des Treatments werden die dramaturgischen Schlüsselmomente klar markiert: Wendepunkte, Tiefpunkte, Climax. Die Leser müssen verstehen, wie die Geschichte strukturiert ist.

Ton und Sprache: Das Treatment schreibt in demselben Ton, den der Film haben wird. Ein Horrorfilm-Treatment liest sich bedrückend; eine Komödie leicht und witzig. Der Ton ist Teil der Information.

Was ein Treatment nicht ist:

  • Kein Drehbuch-Entwurf mit Dialogfragmenten
  • Keine Inhaltsangabe ohne dramaturgische Energie
  • Keine Wunschliste für die Ausstattung

Serienentwicklung: Bibel, Pilotskript und Serienmittelplan

Bei Serien kommen zusätzliche Dokumente hinzu:

Pilotsynopsis: Die Handlung des ersten (oft doppelt langen) Pilotfolge.

Serienmittelplan: Ausblick auf die gesamte erste Staffel oder weitere Staffeln. Zeigt, wie die Geschichten weiterentwickelt werden. Wichtig für Redaktionen, die langfristig entscheiden.

Series Bible / Story Bible: Das übergeordnete Regelwerk der Serie. Vgl. Story Bible: Das Regelwerk für Serien & Franchises.


Beispiele

Filmentwicklung: Die meisten deutschen Filmförderungen (FFA, Länderförderungen) verlangen beim Erstantrag eine Kurzbeschreibung (1–2 Seiten Synopsis) und ein Treatment (10–20 Seiten). Das Drehbuch wird erst nach positiver Entwicklungsförderungsentscheidung fertiggestellt.

Serienentwicklung: Beim Pitch einer neuen Serie an eine Redaktion (ARD, ZDF, Netflix) wird typischerweise ein Paket eingereicht: Logline, Kurz-Synopsis, Charakterportraits, Pilotsynopsis, Mittelplan für Staffel 1, Autorenvita.

Doku-Entwicklung: Bei Dokumentarfilmen ersetzt das Treatment oft die dramaturgische Skizze: Wer sind die Protagonisten? Welche Situationen werden gedreht? Wie lautet die These? Vgl. Dramaturgie im Dokumentarfilm.


In der Praxis

Die Entwicklungsreihenfolge

  1. Idee → Logline: Gibt es eine Geschichte, die trägt?
  2. Logline → Synopsis (kurz): Trägt die Struktur?
  3. Synopsis (kurz) → Pitch / Ersten Gesprächen: Gibt es Interesse?
  4. Entwicklungsvertrag → Treatment: Detaillierte Strukturentwicklung.
  5. Treatment → Drehbuch: Übersetzung in Skriptformat.
  6. Drehbuch → Mehrere Überarbeitungen.

Feedback auf Treatment einarbeiten

Das Treatment ist das ideale Stadium für strukturelles Feedback: Fehler in der Dramaturgie lassen sich auf 20 Seiten korrigieren — auf 100 Seiten Drehbuch ist es deutlich aufwendiger. Der Entwicklungsprozess soll Fehler frühzeitig aufdecken.

Digital Tools

Professionelle Drehbuchsoftware (Final Draft, Celtx, Fade In) hat Treatment-Templates. Wichtiger als das Tool ist die dramaturgische Klarheit des Inhalts.


Vergleich & Abgrenzung

Treatment vs. Exposé: Im deutschen Sprachraum wird "Exposé" oft synonym mit Treatment verwendet. Präziser: Ein Exposé ist etwas kürzer und stärker pitch-orientiert; ein Treatment ist die vollständige szenische Vorstufe.

Treatment vs. Outline: Eine Outline (Stepoutline) ist eine tabellarische Szenenauflistung ohne Prosa. Sie ist ein Arbeits-Werkzeug für den Autor; ein Treatment ist ein Kommunikationsdokument für Dritte.

Synopsis vs. Logline: Die Logline ist der extremste Destillat (1 Satz). Die Synopsis ist eine vollständige Handlungsdarstellung.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie lang soll ein Treatment sein? Faustregel: 1 Seite Treatment pro 5 Minuten Laufzeit. Ein Kurzfilm (15 Min.) → 3 Seiten. Ein Spielfilm (90 Min.) → 15–20 Seiten.

Soll das Treatment spoilern? Ja, wenn es für Entscheidungsträger ist. Nein, wenn es für Presseunterlagen ist. Immer klar angeben, für wen das Dokument gedacht ist.

Wie viel Dialog gehört ins Treatment? Keiner — außer einem prägnanten Ausnahmedialog, der den Ton perfekt trifft. Treatment schreibt Handlung, nicht Dialoge.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Otte, David: The Hollywood Standard. Michael Wiese Productions, Studio City 2013.
  • Katz, Steven D.: Film Directing Shot by Shot. Michael Wiese Productions, Studio City 1991.
  • Hant, Peter: Das Drehbuch: Praktische Filmdramaturgie. Zweitausendeins, Frankfurt 1999.
  • Wibker, Martin: Drehbuch schreiben für Film und Fernsehen. List, München 2009.
  • Keane, Christopher: Showbiz Aids Your Success: Writing Screenplays. Prentice Hall, 2000.
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