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Eine DI-Box (Direct Injection Box, auch Direct Box) ist ein elektronisches Gerät, das ein unsymmetrisches Instrumentensignal (Hochimpedanz) in ein symmetrisches, pegelangepasstes Mikrofonsignal (Niederohmig) umwandelt, um es rauschfrei über lange Kabelwege zum Mischpult oder Interface zu übertragen.

Was ist eine DI-Box?

E-Gitarren, Bässe, Keyboards, Synthesizer und viele andere Instrumente produzieren ein unsymmetrisches Ausgangssignal mit hoher Impedanz (Widerstand) – typisch 10.000 bis 1.000.000 Ohm. Mischpulte und Audiointerfaces haben Mikrofoneingänge, die niederohmige, symmetrische Signale erwarten.

Wenn man ein Instrument direkt per Klinkenkabel ans Pult anschließt, entstehen mehrere Probleme: Pegelinkonsistenz, Empfindlichkeit für Brummen und Einstreuungen (Erdbrummen, Hum), Klangverluste über längere Kabel. Die DI-Box löst all diese Probleme gleichzeitig: Sie wandelt das unsymmetrische Hochimpedanzsignal in ein symmetrisches, niederohmiges Mikrofonsignal um.

Erklärung

Die Funktionen der DI-Box

1. Impedanzwandlung: Die DI-Box hat einen hochohmigen Eingang (z. B. 1 MΩ), der das Instrument nicht bedämpft, und einen niederohmigen Ausgang (150–600 Ω), der zur Mikrofoneingangsbeschaltung passt.

2. Symmetrierung: Das Signal wird von unsymmetrisch (Masse + Signal) auf symmetrisch (Masse + Signal+ + Signal−) umgewandelt. Symmetrische Signale sind immun gegen elektromagnetische Einstreuungen auf langen Kabelwegen (Brummen, Hum).

3. Pegelanpassung: Instrumentensignale (Line-Level, ca. −10 dBV) werden auf Mikrofonpegel (ca. −40 bis −50 dBu) angepasst oder umgekehrt, je nach Signalfluss.

4. Erdtrennung (Ground Lift): Viele DI-Boxen haben einen Ground-Lift-Schalter, der die Masseverbindung zwischen Eingang und Ausgang trennt. Das unterbricht Brummschleifen (Erdschleifen, Ground Loops), die entstehen, wenn mehrere Geräte an verschiedenen Steckdosen geerdet sind.

Passive DI-Box

Passive DI-Boxen verwenden einen Übertrager (Trafo, Transformer): Ein Spulenpaar überträgt das Signal induktiv von der Primär- auf die Sekundärwicklung. Dabei findet die Impedanzwandlung und Symmetrierung statt.

Vorteile:

  • Keine Stromversorgung nötig
  • Robust und langlebig
  • Hochwertige Trafos (z. B. Jenson, Lundahl) fügen einen warm-musikalischen Charakter hinzu

Nachteile:

  • Signalverlust bei sehr hochohmigen Quellen möglich
  • Qualitätsunterschiede je nach Trafoqualität erheblich

Bekannte passive DI-Boxen: Radial ProDI, Whirlwind IMP2, BSS Audio AR-133

Aktive DI-Box

Aktive DI-Boxen enthalten eine eigene Verstärkerschaltung (oft ein FET- oder Opamp-Schaltkreis), die das Signal aktiv puffert.

Vorteile:

  • Sehr hochohmiger Eingang (1–10 MΩ) – ideal für Piezo-Abnehmer und hochohmige Synthesizer
  • Linearer Frequenzgang, neutraler Klang
  • Kein Signalverlust

Stromversorgung: Über Phantomspeisung (48V) (+48 V), Batterie oder separates Netzteil

Nachteile:

  • Braucht Phantomspeisung oder Batterie
  • Weniger charakterreich als hochwertige Trafo-DI

Bekannte aktive DI-Boxen: Radial J48, BSS Audio DI-100, Rupert Neve Designs RNDI

EigenschaftPassive DIAktive DI
StromversorgungKeinePhantomspeisung/Batterie
EingangsimpedanzMittel–HochSehr hoch
KlangcharakterJe nach Trafo, oft warmLinear, neutral
PreisGünstigerTeurer
Ideal fürE-Gitarre, BassPiezo, Synthesizer

Thru-Ausgang (Instrument Through)

Die meisten DI-Boxen haben einen Thru-Ausgang (auch "Amp Out" oder "Link"): Das Signal geht unverändert direkt durch die Box hindurch zu einem Instrumentalverstärker oder weiter. So kann man gleichzeitig:

  1. Das Direktsignal per DI-Box ans Mischpult geben (für Re-Amping oder sauberen digitalen Grundsound)
  2. Das Instrument über den Verstärker spielen und mikrofonieren

Diese Kombination ist in Studiosessions sehr gebräuchlich bei E-Gitarre und E-Bass.

Beispiele

Live-Sound: Ein Bassist schließt seinen Bass per DI-Box am Stageboxanschluss an. Das Signal läuft symmetrisch über 30 m Multicore-Kabel zum FOH-Mischpult, ohne Brummen oder Klangverlust.

Podcast mit Keyboard-Einspielung: Ein Keyboarder möchte direkt über sein Interface aufnehmen. Eine DI-Box wandelt das Stereo-Output des Keyboards (zwei Klinke) in zwei symmetrische XLR-Signale für das Interface.

Re-Amping: Das DI-Signal einer E-Gitarre wird trocken aufgenommen. Im Mix spielt man das Signal über eine Re-Amp-Box zurück in einen Gitarrenverstärker und nimmt diesen mit Mikrofon ab. Das DI-Signal dient als Rücklage (Mikrofonierung von Instrumenten).

In der Praxis

Wann ist eine DI-Box unverzichtbar?

  • Wenn Instrumente ohne eigene Symmetrierung ans Mischpult angeschlossen werden
  • Bei Kabellängen über 5–10 m (Brummrisiko)
  • Bei Brummschleifen (Erdproblemen) im Signalweg
  • Wenn ein Piezo-Abnehmer (Akustikgitarre, Upright-Bass) angeschlossen wird – Piezo-Abnehmer haben sehr hohe Ausgangsimpedanzen

Was ist keine DI-Box: Ein einfaches Klinke-auf-XLR-Adapter-Kabel ist keine DI-Box. Es wandelt nur den Steckverbinder, nicht die Impedanz oder das Symmetrieprinzip. Solche Kabel sind oft die Ursache von Brummschleifen.

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich eine DI-Box, wenn mein Interface einen HiZ-Eingang hat? Ein HiZ-Eingang (High Impedance, auch Instrument-Eingang) erfüllt die Impedanzwandlung direkt am Interface. Für kurze Kabellängen und einzelne Instrumente ist das ausreichend. Für lange Kabel, mehrere Quellen oder Live-Einsatz ist eine separate DI-Box robuster.

Was ist eine Ground-Loop und wie entsteht sie? Eine Ground-Loop (Erdschleife) entsteht, wenn zwei Geräte über verschiedene Wege mit der Erde verbunden sind. Der Potenzialunterschied zwischen den Erdungspunkten erzeugt einen kleinen Strom, der als Brummen (50 Hz) hörbar wird. Der Ground-Lift-Schalter unterbricht eine dieser Erdverbindungen.

Kann ich eine DI-Box auch umgekehrt nutzen (Re-Amp-Box)? Nein. Eine DI-Box wandelt von Instrument-Level (hochohmig) auf Mikrofonpegel. Eine Re-Amp-Box macht genau das Umgekehrte: Aus symmetrischem Linienpegel (DAW-Ausgang) wird ein unsymmetrisches Instrumentensignal für den Gitarrenverstärker. Verwechslung kann Equipment beschädigen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Radial Engineering (2023): DI Box User Guide – Understanding Direct Boxes. Online-Dokumentation.
  • Winer, Ethan (2013): The Audio Expert, Focal Press. Kapitel 8: Line Levels, Impedances.
  • Rupert Neve Designs (2022): RNDI Technical Notes. Online-Dokumentation.
  • Jensen Transformers (2020): Understanding the DI Box. Anwendungsnoten.
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