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Instrumentenmikrofonierung bezeichnet die Kunst und Technik, Musikinstrumente mit Mikrofonen so abzunehmen, dass der charakteristische Klang des Instruments optimal und musikalisch sinnvoll eingefangen wird.

Was ist Instrumentenmikrofonierung?

Die Mikrofonierung von Instrumenten ist weit mehr als das bloße Aufstellen eines Mikrofons. Jedes Instrument strahlt Schall aus mehreren Quellen ab, hat ausgeprägte Richtungscharakteristiken und klingt in verschiedenen Abständen völlig unterschiedlich. Die richtige Mikrofonstrategie berücksichtigt Instrument, Raum, gewünschten Klangcharakter und das Zusammenspiel mit anderen Aufnahmequellen. Dabei spielen Richtcharakteristiken von Mikrofonen, Abstand, Winkel und die Wahl des Mikrofontyps zusammen.

Erklärung

Grundprinzipien der Platzierung

Nahaufnahme (Close Miking): Das Mikrofon steht wenige Zentimeter bis ca. 30 cm vom Instrument entfernt. Vorteil: trockener, direkter Klang, gute Trennung von anderen Instrumenten. Nachteil: Klangfärbungen durch Überbetonung einzelner Teilquellen, ausgeprägter Nahbesprechungseffekt (Proximity Effect) bei gerichteten Mikrofonen.

Raumaufnahme (Room Miking / Distant Miking): Das Mikrofon steht 50 cm bis mehrere Meter entfernt. Der Klang ist raumhaltiger, natürlicher, aber schlechter von anderen Klangquellen getrennt.

Kombinierte Abnahme: In professionellen Produktionen werden häufig mehrere Mikrofone kombiniert – eine Nahaufnahme für Definition und eine Raumaufnahme für Atmosphäre. Bei der Mischung wird das Verhältnis beider Spuren angepasst.

Akustische Gitarre

Die akustische Gitarre schwingt hauptsächlich über das Schallloch und die Decke. Das Schallloch direkt anzumikrofonieren klingt oft dumpf und bassüberladen. Bewährter Ansatz:

  • Mikrofon auf den 12. Bund gerichtet, ca. 20–30 cm Abstand (ausgewogener Klang)
  • Für mehr Brillanz: leicht Richtung Steg verschieben
  • Für mehr Wärme: Richtung Korpus/Loch verschieben, aber nicht direkt in die Öffnung
  • Kleinmembran-Kondensator (z. B. Schoeps MK4, Rode NT5) oder Großmembran möglich

E-Gitarre / Gitarrenbox

Bei der abgenommenen E-Gitarre ist die Lautsprecherbox (Cabinet) die primäre Schallquelle.

  • Mittig auf die Kalotte: heller, präsenter Klang
  • Am Rand der Membran: wärmer, weicher Klang
  • Klassische Kombination: Shure SM57 nah am Lautsprecher + Raumkondensator
  • Abstand: 2–15 cm für Nahaufnahme
  • DI-Signal parallel aufnehmen als Rücklage für Re-Amping

Schlagzeug

Das Schlagzeug ist die komplexeste Aufgabe in der Instrumentenmikrofonierung. Typisches Mindest-Setup:

ElementMikrofon-TypPlatzierung
BassdrumDynamisch (z. B. AKG D112)Im/vor dem Resonanzfell
Snare (oben)Dynamisch (SM57)2–5 cm über den Rand
Hi-HatKleinmembran-Kondensator10–15 cm, Richtung Mitte
OverheadsKondensator StereopaarÜber das gesamte Kit, XY oder ORTF
TomsDynamisch je TomAm Rand des Fells
RaumGroßmembran oder Kugel2–4 m Abstand

Klavier / Flügel

Das Klavier strahlt Schall aus dem geöffneten Deckel ab.

  • Stereoabnahme mit zwei Kleinmembran-Kondensatoren über den Saiten
  • Tiefe Saiten (links) und hohe Saiten (rechts) separat mikrofoniern
  • Abstand von den Saiten: ca. 20–40 cm
  • Klassisches Verfahren: beide Mikrofone in die Öffnung richten, XY- oder ORTF-Position

Bläser und Streicher

  • Blasinstrumente (Trompete, Saxofon): Mikrofon nicht direkt in den Trichter, sondern 20–40 cm entfernt, leicht seitlich – starker Luftdruck würde zu Verzerrung führen
  • Streicher (Violine): auf Steg gerichtet, aber einige Zentimeter Abstand; Nahaufnahme betont Streichgeräusche

In der Praxis

Professionelle Toningenieure experimentieren bei jeder Session neu. Faustregeln sind Ausgangspunkte, kein Dogma. Empfehlenswert ist das "Kopfhörer-Prinzip": Während des Aufbaus Kopfhörer aufsetzen und die Position bei laufender Quelle langsam verschieben, bis der Klang stimmt.

Phasenprobleme entstehen häufig beim Einsatz mehrerer Mikrofone. Zwei Mikrofone im gleichen Raum nehmen das gleiche Signal mit zeitlichem Versatz auf, was bei Mischung zu Auslöschungen führen kann (Kammfiltereffekt). Lösung: 3:1-Regel – das zweite Mikrofon sollte mindestens dreimal so weit von der Schallquelle entfernt sein wie das erste.

Vergleich & Abgrenzung

Instrumentenmikrofonierung unterscheidet sich von der Sprachaufnahme durch die stark variierenden Frequenzspektren und Dynamikbereiche. Ein Schlagzeug erreicht Spitzenpegel von über 120 dB SPL, während eine Violine sehr empfindliche Kondensatormikrofone erfordert. Die akustischen Verhältnisse im Aufnahmeraum (siehe Aufnahmeraum & Raumakustik) spielen bei Instrumenten eine noch größere Rolle als bei Sprache.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum sollte ich das Mikrofon nicht direkt ins Schallloch der Gitarre halten? Das Schallloch ist der Bereich mit dem stärksten Luftdruck und dem unausgewogensten Frequenzgang – besonders überbetonte Bässe und dumpfer Mittenklang sind das Ergebnis.

Was ist Re-Amping? Beim Re-Amping wird ein trocken aufgenommenes DI-Signal (z. B. E-Gitarre) nachträglich über eine echte Gitarrenbox abgespielt und neu mikrofonierd. So können Entscheidungen über den Gitarrensound auf die Postproduktion verschoben werden.

Wie viele Mikrofone brauche ich für ein professionelles Schlagzeug? Für eine vollständige Schlagzeugaufnahme werden typischerweise 8–16 Mikrofone verwendet. Für Demoaufnahmen reicht ein hochwertiges Stereoverfahren mit zwei Overheads plus Bassdrum und Snare (4 Mikrofone).

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Bartlett, Bruce & Bartlett, Jenny (2017): Practical Recording Techniques, 7. Aufl., Focal Press.
  • Shure (2022): Microphone Techniques for Music – Studio Recording. Shure Educational Publications.
  • Owsinski, Bobby (2017): The Recording Engineer's Handbook, 4. Aufl., Hal Leonard.
  • Senior, Mike (2011): Recording Secrets for the Small Studio, Focal Press.
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