Typograf/innen gestalten mit Schrift: Sie wählen Schriften aus, legen Größen, Zeilenabstände und Raster fest und sorgen dafür, dass Bücher, Magazine, Leitsysteme und Bildschirmtexte gut lesbar und stimmig sind. Typograf/in ist heute kein eigener Ausbildungsberuf; man wird es über Grafik- und Kommunikationsdesign oder die Mediengestaltung, angestellte Mediengestalter/innen verdienen laut Entgeltatlas im Median 3.415 Euro, Grafikdesigner/innen auf Spezialistenniveau 4.149 Euro.
Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Design-Berufe · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Typografin, Typograph/in (ältere Schreibweise), Buchgestalter/in, Schriftsetzer/in (historisch), Typographer
Was macht ein Typograf?
Ein Typograf oder eine Typografin entscheidet, wie Text aussieht und wirkt. Dazu gehört die Makrotypografie, also Format, Satzspiegel, Raster und Hierarchie, und die Mikrotypografie: Laufweite, Kerning, Zeilenabstand, richtige Anführungszeichen, Ziffern und Silbentrennung. Gute Typografie fällt kaum auf, sie macht das Lesen leicht.
Vom Type Designer ist der Beruf klar zu trennen: Type Designer/innen entwerfen neue Schriften, Typograf/innen arbeiten mit vorhandenen Schriften und setzen sie für einen Zweck ein.
Erklärung: Aufgaben im Alltag
- Buch- und Magazingestaltung: Satzspiegel, Grundschrift, Auszeichnungen, Kapitelanfänge.
- Corporate Typography: Hausschrift und Typografieregeln für Marken festlegen.
- Satz und Feinschliff: lange Texte setzen, Hurenkinder und Schusterjungen vermeiden, Trennungen prüfen.
- Screen-Typografie: Schriftgrößen, Zeilenlängen und Hierarchien für Websites und Apps.
- Leitsysteme: Schrift im Raum, Lesbarkeit aus Entfernung, Piktogramme.
- Beratung: Schriftlizenzen, Schriftkombinationen, Barrierefreiheit.
Der Begriff Typograf/in beschreibt heute meist eine Spezialisierung innerhalb des Grafikdesigns. Wer sich so nennt, arbeitet oft in Buchverlagen, Editorial-Studios, Corporate-Design-Agenturen oder als Freelancer/in.
Vom Schriftsetzer zum Typografen
Früher war der Weg klar: Man lernte Schriftsetzer/in. Diesen Ausbildungsberuf gibt es seit 1998 nicht mehr. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) fasste der damals neu geschaffene Beruf Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien fünf Ausbildungsberufe zusammen: Schriftsetzer/in, Reprohersteller/in, Reprograf/in, Werbe- und Medienvorlagenhersteller/in und Fotogravurzeichner/in. Die aktuelle Ausbildungsordnung Mediengestalter/in Digital und Print gilt seit dem 1. August 2023. Im Entgeltatlas führt eine Suche nach „Typograf“ deshalb zur Mediengestaltung und zum Schriftsetzer.
Typograf/in werden: Ausbildung und Wege
Schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule für Gestaltung: Grafik- und Kommunikationsdesign mit Typografie, Layout und Editorial als Kernfächern.
Duale Ausbildung Mediengestalter/in Digital und Print: drei Jahre im Betrieb und in der Berufsschule, mit Satz, Layout und Druckvorstufe.
Designstudium an einer Hochschule: Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Typografie oder Buchgestaltung, meist mit Mappe.
Ausbildung an der Lazi Akademie
Wer Typografie zum Kern seiner Arbeit machen will, findet an der Lazi Akademie in Esslingen am Neckar die staatlich anerkannte Ausbildung in Grafik- und Kommunikationsdesign. Der Schwerpunkt Editorial und Print umfasst Typografie, Layout, Typografiesysteme, Zeitschriften- und Buchgestaltung sowie Druckvorstufe und Druckverfahren, gearbeitet wird mit InDesign, Illustrator und Photoshop. Die Ausbildung dauert drei Jahre in Vollzeit, Voraussetzung ist die Mittlere Reife. Bewerben kannst du dich direkt über die Fachbereichsseite.
Gehalt: Was verdient ein Typograf?
Einen eigenen Wert für Typograf/innen nennt der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit nicht. Die Suche führt zur Berufsgattung Digital- und Printmediengestaltung auf Fachkraftniveau mit Mediengestalter/innen und Schriftsetzer/innen: Median 3.415 Euro brutto im Monat, mittlere Hälfte 2.813 bis 4.192 Euro (Datenstand 2025). Unter 25 Jahren liegt der Median bei 2.757 Euro.
Wer typografisch konzeptionell arbeitet, wird eher dem Grafikdesign zugeordnet. Gestalter/innen Grafikdesign auf Spezialistenniveau verdienen im Median 4.149 Euro. Selbstständige Typograf/innen können sich über die Künstlersozialkasse versichern; deren Versicherte im Bereich Bildende Kunst und Design meldeten zum 01.01.2026 ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 21.100 Euro.
Voraussetzungen und Skills
- Sehen lernen: Abstände, Grauwert und Rhythmus eines Textes erkennen.
- Regelwissen: Satzregeln, Schriftklassifikation, Orthografie und Zeichensetzung.
- Software: InDesign für Satz, Illustrator für Wortmarken, Figma für Screen-Typografie.
- Technik: OpenType-Features, Variable Fonts, Schriftlizenzen.
- Geduld: Typografie entsteht im Detail, oft über viele Korrekturgänge.
Beispiele
- Beispiel 1, Buchverlag: Eine Typografin entwickelt die Grundtypografie für eine neue Romanreihe.
- Beispiel 2, Magazin: Ein Typograf legt Raster, Schriften und Auszeichnungen für ein Stadtmagazin fest.
- Beispiel 3, Marke: Eine Agentur definiert mit einer Typografin die Hausschrift und Regeln für alle Medien.
- Beispiel 4, Leitsystem: Ein Typograf prüft Schriftgrößen und Kontraste für die Beschilderung eines Krankenhauses.
- Beispiel 5, Web: Eine Typografin baut eine typografische Skala für ein Design System.
In der Praxis
Typografisches Grundwissen findest du im Wiki unter anderem in den Einträgen Typografie-Grundlagen und Mikrotypografie. Prägend für das Fach waren Gestalter wie Jan Tschichold mit „Die neue Typographie“ (1928) und später Erik Spiekermann. Wer Typograf/in werden will, sollte viel lesen und gute Bücher genau anschauen: Wie groß ist der Rand, wie lang die Zeile, wie sind Kapitel gegliedert?
Berufsaussichten
Reine Satzarbeit ist durch Software und Automatisierung stark zurückgegangen. Gefragt bleibt typografische Kompetenz in Verbindung mit Gestaltung: Buch- und Editorial-Design, Corporate Design, Screen-Typografie und barrierefreie Gestaltung. Typograf/innen mit Wissen über Webfonts, Variable Fonts und Design Systems finden auch in Digitalagenturen Arbeit.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Typograf/in | Type Designer/in |
|---|---|---|
| Kern | Mit Schrift gestalten | Schriften entwerfen |
| Ergebnis | Bücher, Magazine, Marken, Screens | Schriftfamilien, Fonts |
| Werkzeuge | InDesign, Figma, Illustrator | Glyphs, FontLab |
| Weg | Grafikdesign, Mediengestaltung | Grafikdesign mit Spezialisierung |
Mehr zum Nachbarberuf steht unter Type Designer/in: Schriftgestaltung als Beruf, Wege, Gehalt. Gegenüber Mediengestalter/in Digital und Print: Ausbildung und Gehalt liegt der Schwerpunkt der Typograf/innen stärker auf Gestaltung als auf Produktion.
Häufige Fragen
Wie wird man Typograf? Über eine gestalterische Ausbildung in Grafik- und Kommunikationsdesign, die duale Ausbildung zum/zur Mediengestalter/in Digital und Print oder ein Studium in Kommunikationsdesign. Einen eigenen Ausbildungsberuf Typograf/in gibt es nicht.
Gibt es den Schriftsetzer noch? Nein. Der Ausbildungsberuf Schriftsetzer/in ging 1998 laut BIBB im neuen Beruf Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien auf.
Was verdient ein Typograf? Einen eigenen Wert gibt es nicht. Mediengestalter/innen und Schriftsetzer/innen liegen laut Entgeltatlas im Median bei 3.415 Euro brutto im Monat, Grafikdesigner/innen auf Spezialistenniveau bei 4.149 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen Typograf und Type Designer? Typograf/innen setzen vorhandene Schriften gestalterisch ein. Type Designer/innen entwerfen neue Schriften und Schriftfamilien.
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Weiterführend
- Bundesinstitut für Berufsbildung (2003): Evaluation des Berufes Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien, Zweiter Zwischenbericht zum Forschungsprojekt 4.2012. bibb.de
- Bundesinstitut für Berufsbildung (2023): Ausbildungsberuf Mediengestalter/-in Digital und Print modernisiert, Pressemitteilung 14/2023. bibb.de
- Bundesagentur für Arbeit (2026): Entgeltatlas, Berufe „Schriftsetzer/in“ und „Gestalter/in Grafikdesign“, Datenstand Entgeltatlas 2025, abgerufen November 2026. web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas
- Willberg, Hans Peter; Forssman, Friedrich (1997): Lesetypografie. Mainz: Verlag Hermann Schmidt.
- Bringhurst, Robert (1992): The Elements of Typographic Style. Vancouver: Hartley & Marks.
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