Eltern unterstützen ihr Kind bei der Berufswahl, indem sie Interessen und Stärken gemeinsam erkunden, Praktika und Beratung ermöglichen und die Entscheidung begleiten statt sie vorzugeben; laut Bertelsmann Stiftung (2025) sind Eltern für 77 Prozent der jungen Menschen die wichtigste Hilfe bei der Ausbildungsplatzsuche.
Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Eltern · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Berufsorientierung begleiten, Eltern als Berufswahlbegleiter, Berufswahl mit Eltern
Was heißt es, das Kind bei der Berufswahl zu unterstützen?
Die Frage „Wie helfe ich meinem Kind bei der Berufswahl?“ stellen sich viele Eltern, sobald in der Schule Praktika und Bewerbungen anstehen. Unterstützen heißt dabei nicht, den richtigen Beruf auszusuchen. Es heißt, dem Kind zu helfen, sich selbst besser kennenzulernen, Möglichkeiten zu entdecken und eine eigene, gut begründete Entscheidung zu treffen. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Rolle der Eltern als „begleiten statt lenken“.
Erklärung
Eltern sind die wichtigste Stütze
Die Bertelsmann Stiftung hat für ihre Untersuchung „Ausbildungsperspektiven 2025“ 1.755 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren befragt. Von denen, die schon Erfahrung mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz hatten, wurden unterstützt:
| Unterstützt von | Anteil |
|---|---|
| Eltern | 77 Prozent |
| Freund/innen | 40 Prozent |
| Schule und Lehrkräften | 38 Prozent |
| anderen Familienmitgliedern | 32 Prozent |
| Berufsberatung der Arbeitsagentur | 30 Prozent |
| Bekannten | 22 Prozent |
Eltern haben also großen Einfluss. Dieser Einfluss kann auch bremsen: 13 Prozent der Befragten nennen es als große Schwierigkeit, dass Eltern oder Freund/innen gegen eine Ausbildung waren. Hilfreich ist deshalb eine offene Haltung, die verschiedene Wege gelten lässt.
Die Berufswahl ist ein Prozess
Die Bundesagentur für Arbeit gliedert den Weg in mehrere Schritte: Stärken herausfinden, Berufsfelder kennenlernen, Wege in die Ausbildung entdecken, Praxiserfahrung sammeln, einen Ausbildungsplatz finden, sich bewerben und sich auf den Start vorbereiten. Eltern können in jeder Phase anders helfen: am Anfang mit Gesprächen und Beobachtungen, später mit Kontakten, Fahrten zu Infotagen und Unterstützung bei Bewerbungen.
Kostenlose Hilfe der Bundesagentur für Arbeit (Stand: November 2026)
- Berufsberatung: persönlich und kostenlos, auch an der Schule. Einen Termin mit der Berufsberatung können Eltern laut Bundesagentur auch zusammen mit ihrem Kind vereinbaren. Sie beantwortet auch Fragen zur finanziellen Unterstützung während der Ausbildung.
- meinBERUF: das Berufswahlportal der Bundesagentur auf arbeitsagentur.de/bildung, mit eigenem Bereich für Eltern samt Checklisten. Die frühere Adresse planet-beruf.de leitet dorthin weiter.
- Check-U: ein kostenloser Berufsorientierungstest, der Stärken sichtbar macht und ab der 8. Klasse konkrete Vorschläge für passende Ausbildungsberufe liefert.
- meinBERUF GO: ein Einstieg, mit dem Jugendliche in rund 15 Minuten herausfinden, welche Berufswelten und Arbeitsweisen zu ihnen passen.
- BERUFENET und BERUFE.TV: Datenbank und Kurzvideos zu vielen Berufen.
Beispiele
- Das Kind hat keine Idee: Statt nach dem Traumberuf zu fragen, gemeinsam sammeln, was Spaß macht: Was tust du in deiner Freizeit, wobei vergisst du die Zeit, wofür fragen dich andere um Hilfe? Daraus lassen sich Berufsfelder ableiten.
- Das Kind will etwas Kreatives: Ein Jugendlicher filmt und schneidet in seiner Freizeit Videos. Die Eltern recherchieren gemeinsam mit ihm Berufe in Film, Fotografie, Grafik und Animation, schauen sich Portfolios an und besuchen Infotage passender Schulen und Betriebe.
- Praktikum als Test: Eine Schülerin glaubt, sie wolle in die Pflege. Nach zwei Wochen Praktikum ist sie sicher. Ihr Bruder merkt im Praktikum im Büro, dass ihm das nicht liegt. Beides ist ein Gewinn.
- Unterschiedliche Vorstellungen: Die Eltern wünschen sich einen „sicheren“ Beruf, das Kind will Fotograf/in werden. Ein gemeinsamer Termin bei der Berufsberatung bringt Fakten zu Wegen, Anforderungen und Arbeitsmarkt auf den Tisch.
- Absagen verarbeiten: Nach mehreren Absagen ist das Kind entmutigt. Die Eltern gehen mit ihm die Unterlagen durch, üben ein Vorstellungsgespräch und suchen Alternativen. Auch dazu hat die Bundesagentur Tipps für Eltern.
In der Praxis
Früh anfangen, ohne Druck: Laut Bundesagentur interessieren sich viele junge Menschen ab der 7. Klasse für Berufsorientierung, in diesem Zeitraum liegen oft auch die ersten Praktika. Wichtig ist, dass Gespräche beiläufig bleiben und nicht zum Verhör werden.
Gute Fragen stellen: Die Bundesagentur empfiehlt, die Entscheidung mit Fragen zu begleiten. Beispiele: Was kannst du besonders gut? Wie möchtest du arbeiten, eher allein oder im Team, drinnen oder draußen, am Computer oder mit den Händen? Was ist dir bei einem Beruf wichtig?
Stärken spiegeln: Eltern sehen oft Dinge, die das Kind selbst nicht bemerkt, etwa Geduld mit jüngeren Geschwistern oder Ausdauer beim Basteln. Solche Beobachtungen konkret benennen.
Praxis ermöglichen: Praktika, Ferienjobs, Schnuppertage und Gespräche mit Menschen aus dem Beruf zeigen den Alltag besser als jede Broschüre. Eltern können Kontakte aus dem eigenen Umfeld vermitteln.
Infotage gemeinsam besuchen: Ausbildungsmessen, Tage der offenen Tür und Infotage von Schulen und Betrieben helfen, Wege zu vergleichen. Vorab gemeinsam Fragen notieren: Welche Voraussetzungen gibt es? Wie sieht ein typischer Tag aus? Welche Abschlüsse sind möglich?
Für Familien, deren Kind sich für Gestaltung interessiert, bietet zum Beispiel die Lazi Akademie in Esslingen am Neckar einen kostenlosen und unverbindlichen Infotag an, vor Ort oder per Google Meet, zu dem Eltern ausdrücklich willkommen sind. Jugendliche sehen dort Studios, Schnitträume und laufende Projekte und sprechen direkt mit Studierenden und Lehrenden. Zusätzlich gibt es einmal im Monat einen 45-minütigen Online-Infoabend nur für Eltern zu Ablauf, Abschlüssen, Kosten, Finanzierung und Perspektiven.
Bei Bewerbungen helfen, nicht übernehmen: Die Bundesagentur rät Eltern, Bewerbungen gegenzulesen und Tipps zu Formulierungen zu geben, das Schreiben aber nicht selbst zu übernehmen. Vorstellungsgespräche lassen sich gut gemeinsam üben.
Eigene Wünsche prüfen: Viele Eltern übertragen eigene Erfahrungen oder Ängste. Ein Beruf, der vor 25 Jahren sicher war, ist es heute nicht automatisch, und umgekehrt sind neue Berufe nicht automatisch brotlos.
Finanzierung klären: Welche Förderung in Frage kommt, hängt vom gewählten Weg ab. Verbindliche Auskunft im Einzelfall geben Berufsberatung, BAföG-Amt und Familienkasse.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Begleiten | Lenken |
|---|---|---|
| Haltung | „Was passt zu dir?“ | „Das ist das Richtige für dich.“ |
| Rolle der Eltern | Gesprächspartner/in, Türöffner/in | Entscheider/in |
| Wirkung | Kind entwickelt eigene Begründung | Kind folgt fremden Erwartungen |
| Risiko | Entscheidung dauert länger | höhere Gefahr von Abbruch und Unzufriedenheit |
Berufsorientierung in der Schule und Begleitung durch die Eltern ergänzen sich. Die Schule organisiert Praktika, Kompetenzanalysen und Kontakt zur Berufsberatung. Eltern kennen das Kind am längsten und können im Alltag nachfragen, ermutigen und Kontakte vermitteln.
Häufige Fragen
Wie helfe ich meinem Kind bei der Berufswahl, wenn es keine Ahnung hat? Mit Fragen nach Interessen und Stärken statt nach dem Traumberuf, mit Orientierungstests wie Check-U und mit Praktika in verschiedenen Bereichen. Ein Termin bei der kostenlosen Berufsberatung der Arbeitsagentur bringt zusätzliche Ideen.
Können Eltern gemeinsam mit dem Kind zur Berufsberatung? Laut Bundesagentur für Arbeit können Eltern einen Termin bei der Berufsberatung auch zusammen mit ihrem Kind vereinbaren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen und Ziele des Kindes.
Ab wann sollte man sich mit der Berufswahl beschäftigen? Laut Bundesagentur für Arbeit interessieren sich viele Jugendliche ab der 7. Klasse für Berufsorientierung, oft stehen dann auch die ersten Praktika an. Lockere Gespräche über Interessen sind schon früher möglich.
Was tun, wenn ich mit dem Berufswunsch meines Kindes nicht einverstanden bin? Sorgen offen ansprechen, gemeinsam Fakten zu Wegen, Anforderungen und Perspektiven sammeln und ein Praktikum im Wunschberuf ermöglichen. Oft klärt die Praxis mehr als jede Diskussion.
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Weiterführend
- Bertelsmann Stiftung (2025): Ausbildungsperspektiven 2025. Eine repräsentative Befragung von jungen Menschen. Gütersloh, Juli 2025.
- Bundesagentur für Arbeit (2026): meinBERUF: Informationen für Eltern.
- Bundesagentur für Arbeit (2026): Fahrplan für die Berufswahl: Wann können Eltern helfen?
- Bundesagentur für Arbeit (2026): BERUFENET.
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