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Kameraassistent ist eine Fachkraft am Filmset, die den Director of Photography (DoP) bei allen kameratechnischen Aufgaben unterstützt – von der Schärfenziehung bis zur Pflege und Vorbereitung der Kameraausrüstung.

Was ist ein Kameraassistent?

Der Kameraassistent – im englischsprachigen Raum als 1st AC (First Assistant Camera) oder Focus Puller bezeichnet – gehört zur Kameraabteilung und ist die wichtigste Unterstützungskraft des Kameramanns bzw. der Kamerafrau. In größeren Produktionen gibt es eine klare Hierarchie: Der 1st AC ist für die Fokusarbeit und die technische Kamerabereitschaft verantwortlich, während der 2nd AC (Second Assistant Camera) die Klappe führt, Kamerawagen bedient und das Magazinwechseln übernimmt. Ein weiterer Begriff ist Clapper Loader, der historisch aus dem Analogfilm stammt und den Ladeassistenten bezeichnet.

Erklärung

Aufgaben und Verantwortung

Die Arbeit des 1st AC dreht sich im Kern um die Schärfenziehung (Focus Pulling). Während der Kameramann die Komposition und Bewegung bestimmt, muss der 1st AC in Echtzeit die Fokusposition des Objektivs anpassen, sodass die gewünschten Motive scharf abgebildet werden. Dies erfordert exaktes Messverständnis, körperliches Gespür und – besonders bei Objektiven mit kurzer Schärfentiefe (z. B. Blende 1.4) – höchste Konzentration.

Typische Aufgaben im Überblick:

  • Vor dem Dreh: Kamera aufbauen, Objektive reinigen und überprüfen, Fokusmarken mit Maßband oder Laserentfernungsmesser setzen, Filterhalter montieren
  • Während der Aufnahme: Schärfe kontinuierlich nachführen, Kamerabewegungen koordinieren, technische Probleme sofort melden
  • Nach dem Dreh: Equipment reinigen, sichern und rücktransportieren, Verbrauchsmaterial (Speicherkarten, Batterien) dokumentieren

Der 2nd AC führt die Klappe (Clapper Board), die für die Synchronisation von Bild und Ton in der Post-Produktion unverzichtbar ist, verwaltet die Kamerawagen (Dolly) und unterstützt beim Umbau von Setups.

Tagesablauf

Ein Drehtag beginnt für den Kameraassistenten typischerweise früher als für andere Departments. Prep-Zeit (Vorbereitung) vor dem eigentlichen Drehbeginn wird genutzt, um Kamerawagen zu befüllen, Objektive zu tapen und Tests durchzuführen. Der Drehtag selbst ist geprägt von häufigem Auf- und Abbau, langen Wartezeiten und intensiven Phasen hoher Konzentration. Am Abend folgt das Wrap – das vollständige Abbau- und Reinigungsritual.

Beispiele

  • Bei einer Spielfilmproduktion wie einem deutschen Kinofilm (z. B. einer Förderproduktion der Filmförderungsanstalt FFA) arbeitet das Kamera-Team oft 10–14 Wochen zusammen.
  • In TV-Serien (z. B. Produktionen für ARD, ZDF oder Netflix Deutschland) werden häufig kurzfristig zusammengestellte Teams für einzelne Blöcke engagiert.
  • Werbefilmproduktionen sind intensiv, kurz und gut bezahlt – ein typischer Werbespot entsteht in 1–3 Drehtagen.
  • Musikvideos bieten oft Experimentierraum und dienen als Einstiegsprojekte.

In der Praxis

Ausbildungsweg

Einen klassischen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf „Kameraassistent" gibt es in Deutschland nicht. Der Einstieg erfolgt meist über:

  1. Studium an Filmhochschulen (z. B. HFF München, dffb Berlin, ifs Köln) mit Schwerpunkt Kamera
  2. Praktika und Hospitanzen am Set, oft über persönliche Kontakte
  3. Selbststudium kombiniert mit Niedrigbudget-Produktionen (Kurzfilme, Studentenfilme)

Verbände wie der Bundesverband Kamera (BVK) fördern den Nachwuchs und bieten Workshops an (bvk.de).

Verdienst

Laut den Tarifverträgen für Film und Fernsehen (Tarifvertrag für Filmschaffende, zuletzt aktualisiert 2022/2023, ausgehandelt zwischen ver.di und den Produzentenverbänden) liegen die Tagesgagen für einen 1st AC bei Kinofilmproduktionen je nach Budget zwischen 280 und 450 Euro brutto pro Drehtag. TV-Produktionen zahlen oft etwas weniger, Werbung deutlich mehr (500–800 Euro/Tag).

Karrierepfad

Der typische Karrierepath führt vom 2nd AC über den 1st AC zum Kameraoperator und schließlich zum Director of Photography (DoP). Diese Progression dauert in der Praxis 8–15 Jahre.

Vergleich & Abgrenzung

BerufKernaufgabe
KameraassistentFokus, Kameravorbereitung
Kameramann-KamerafrauBildgestaltung, Komposition
GafferLichtplanung und -ausführung
Best BoyAssistenz Licht/Grip

Der Kameraassistent arbeitet direkt mit der Kamera, während der Gaffer die Lichtabteilung leitet. Beide arbeiten eng mit dem DoP zusammen, aber in unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen.

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich ein Studium, um Kameraassistent zu werden? Nein. Viele erfolgreiche 1st ACs sind Quereinsteiger. Wichtiger sind Erfahrung, Netzwerk und technisches Können.

Was ist der Unterschied zwischen 1st AC und 2nd AC? Der 1st AC zieht den Fokus und ist für die Kameratechnik verantwortlich. Der 2nd AC führt die Klappe, lädt Speichermedien und unterstützt den 1st AC.

Wie bekomme ich meinen ersten Job als Kameraassistent? Über Studentenfilmprojekte, Praktika an Hochschulen, Bewerben bei Produktionsfirmen als Set-Runner oder Hospitant, und Netzwerken in Branchenverbänden.

Ist der Beruf körperlich anstrengend? Ja. Lange Drehtage (10–16 Stunden), schweres Equipment und häufiger Standortwechsel machen den Beruf physisch fordernd.

Weiterführend

  • Bundesverband Kamera (BVK): bvk.de
  • Tarifvertrag für Filmschaffende (ver.di / Produzentenallianz, 2022)
  • IATSE (International Alliance of Theatrical Stage Employees): iatse.net
  • American Society of Cinematographers (ASC): theasc.com
  • Lernportal Filmemachen: crew-united.com
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