Kostümbildner/in ist eine kreative Fachkraft, die für Film, TV oder Theater die Kleidung aller Darsteller konzipiert, entwirft, besorgt oder anfertigt und damit wesentlich zur visuellen Identität einer Figur beiträgt.
Was ist ein Kostümbildner?
Kostüme im Film sind weit mehr als nur Kleidung. Ein Kostüm erzählt die Geschichte einer Figur: Wer ist sie? Aus welcher sozialen Schicht kommt sie? In welcher Epoche lebt sie? Wie hat sich ihr Leben verändert? Der Kostümbildner – international auch Costume Designer – ist die Person, die diese Fragen durch Stoff, Farbe, Schnitt und Accessoires beantwortet.
In der Produktionshierarchie gehört der Kostümbildner zur Ausstattungsabteilung und arbeitet eng mit dem Produktionsdesigner zusammen, um eine stimmige visuelle Einheit zwischen Sets und Figuren zu gewährleisten. Der Kostümbildner leitet das Kostümdepartment, bestehend aus Gewandmeistern, Kostümassistenten und Nähern.
Erklärung
Aufgaben und Verantwortung
Konzeption:
- Drehbuch analysieren: Wer trägt was in welcher Szene?
- Figurenanalyse: Psychologisches Profil jeder Figur aus Kostümperspektive entwickeln
- Historische und kulturelle Recherche (z. B. für Periodenfilme)
- Mood Boards und Kostümskizzen erstellen
- Abstimmung mit Regie und Produktionsdesigner über Farbpalette und Stilrichtung
Beschaffung:
- Kostüme kaufen, mieten (bei Kostümverleihfirmen wie Babelsberg Kostüm GmbH) oder neu anfertigen lassen
- Vintage-Märkte, Antiquitätenhändler, Spezialanbieter
- Budget verwalten
Anfertigung:
- Eigene Schneiderwerkstatt (bei Großproduktionen) oder externe Schneider beauftragen
- Anproben mit Darstellern koordinieren
- Kostüme auf Körpermaße anpassen
Während des Drehs:
- Sicherstellung der Continuity: Welche Kleidung trägt die Figur in welcher Szene? (→ Zusammenarbeit mit Script-Supervisor)
- Reparaturen und Reserven bereithalten
- Kostümwechsel für Szenenabfolgen koordinieren
Tagesablauf
In der Prep-Phase dominieren Recherche, Einkaufstouren und Anproben. Während des Drehs ist ein Teil des Teams am Set (Kostüm-Stand-by), der andere bereitet die nächsten Drehtage vor. Kostümbildner müssen gleichzeitig Designer, Handwerker und Manager sein.
Beispiele
- „Downton Abbey" (ITV, 2010–2015): Costume Designer Anna Mary Scott Robbins schuf für jede Staffel Hunderte historisch akkurater Kostüme und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.
- „Babylon Berlin" (ARD/Sky, 2017–): Die Kostümabteilung unter Aino Laberenz musste die Weimarer Republik aus den 1920ern rekonstruieren – für Hauptdarsteller und Hunderte Komparsen.
- Indie-Produktionen: Mit kleinem Budget kreativ arbeiten – Secondhand-Kleidung aufwerten, modern gekleidete Charaktere günstiger realisieren.
- Werbefilme: Oft ein einziges, perfektes Look für ein Produkt und ein Model – hier zählt präzise Markenaesthetik.
In der Praxis
Ausbildungsweg
Mögliche Wege:
- Ausbildung zum Kostümschneider (staatlich anerkannter Ausbildungsberuf) als handwerkliche Basis
- Studium Mode-/Kostümdesign: Kunsthochschulen, z. B. Universität der Künste Berlin, Hochschule Hannover, ESMOD
- Theaterwissenschaft mit Schwerpunkt Ausstattung
- Praktikum in einem Kostümdepartment als direkter Einstieg
Berufsverband: Bund Regie (für übergreifende Belange) und informelle Netzwerke. Die Costume Designers Guild (USA) ist der internationale Referenzverband.
Verdienst
Laut Tarifvertrag für Filmschaffende (ver.di, 2022): Kostümbildner erhalten bei Kinoproduktionen typischerweise 300–500 Euro/Drehtag. Gewandmeister und Assistenten deutlich weniger. Bei internationalen Produktionen (z. B. Netflix-Serien) sind höhere Honorare verhandelbar.
Karrierepfad
Kostümassistent → Gewandmeister → Kostümbild (Junior) → Kostümbildner → Head of Costume Department. Internationale Karrieren über Festivals (Berlinale) und renommierte Produktionen.
Vergleich & Abgrenzung
| Beruf | Kernaufgabe |
|---|---|
| Kostümbildner | Kostüme für Darsteller entwerfen und realisieren |
| Maskenbildner | Haare, Make-up, Prothesen für Darsteller |
| Produktionsdesigner | Gesamte visuelle Welt, Sets, Requisiten |
Kostüm und Make-up/Maske ergänzen sich und müssen koordiniert werden – besonders bei historischen Produktionen oder wenn spezielle Effekt-Make-ups die Kostümwahl beeinflussen.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich nähen können? Handwerkliche Kenntnisse sind sehr hilfreich, aber nicht zwingend. Viele erfolgreiche Kostümbildner haben ein starkes visuelles Konzept und beauftragen Gewandmeister für die Ausführung.
Wie unterscheidet sich ein TV-Kostümbildner von einem Filmkostümbildner? TV-Produktionen haben oft engere Zeitpläne und mehr Episoden, was effiziente Workflows erfordert. Kinoproduktionen bieten oft mehr Freiheit für Details und Aufwand.
Werden Kostüme nach dem Dreh verkauft? Manchmal – bei Versteigerungen (bekannt durch Filmauktionen), Rückgabe an Verleihfirmen oder Einlagerung für mögliche Fortsetzungen.
Weiterführend
- Costume Designers Guild (CDG): costumedesignersguild.com
- Tarifvertrag für Filmschaffende (ver.di, 2022)
- Deborah Nadoolman Landis: Dressed: A Century of Hollywood Costume Design (Collins Design, 2007)
- ESMOD Berlin – Studiengänge Mode: esmod.com
- Babelsberg Kostüm GmbH: babelsbergkostuem.de
