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Casting Director ist eine Fachkraft, die im Auftrag von Regie und Produktion geeignete Schauspielerinnen und Schauspieler für alle Rollen eines Film-, TV- oder Bühnenprojekts auswählt und den gesamten Besetzungsprozess von der Suche bis zur Vertragsunterzeichnung begleitet.

Was ist ein Casting Director?

Der Casting Director – auch Besetzungsleiter/in oder Casting-Chef/in – ist die unsichtbare Hand hinter dem Ensemble. Er oder sie bestimmt maßgeblich mit, welche Gesichter und Persönlichkeiten am Ende auf der Leinwand oder dem Bildschirm zu sehen sind. Damit hat die Position einen enormen Einfluss auf die künstlerische Qualität und den Publikumserfolg einer Produktion.

In Deutschland ist das Casting einer der wenigen Filmbereiche, der noch stark auf persönlichen Netzwerken und individuellem Gespür beruht. Während in den USA das Casting Director-Gilde (CSA – Casting Society of America) seit 1982 eine wichtige Rolle spielt, ist die Berufsgruppe in Deutschland weniger formalisiert, aber ebenso einflussreich.

Erklärung

Aufgaben und Verantwortung

In der Vorproduktion:

  • Drehbuch lesen und Rollenprofil für jede Figur erstellen (Alter, Typ, Charakter, besondere Anforderungen wie Sprache, körperliche Fähigkeiten)
  • Longlist möglicher Darsteller erstellen – aus eigenem Netzwerk, Agenturen, Workshops, Castings
  • Erstkontakte zu Schauspielagenturen herstellen, Verfügbarkeiten und Honorarrahmen klären
  • Vorcasting (Pre-Selects): Videoeinsendungen sichten oder erste Casting-Sessions organisieren
  • Casting-Termine mit Regie und Produktion koordinieren
  • Leseproben (Readings) vorbereiten und moderieren

Im Casting-Prozess:

  • Casting-Session leiten: Szenen vorgeben, Regieanweisungen übermitteln, Casting-Videos aufzeichnen
  • Ergebnisse dokumentieren und der Regie präsentieren
  • Screen Tests für Hauptrollen organisieren
  • Verhandlungen zwischen Produktion und Schauspielagenturen unterstützen

Besondere Aufgaben:

  • Kinderdarsteller: Spezielle rechtliche und ethische Anforderungen (Jugendarbeitsschutzgesetz)
  • Statisten-Casting: Bei großen Produktionen werden Hunderte Komparsen gecastet
  • Stars vs. Unbekannte: Abwägen zwischen bekannten Namen (Marketingwert) und passenden, unbekannten Talenten

Tagesablauf

Casting Directors sind selten im Büro – oder immer im Büro. In intensiven Phasen finden täglich Castings statt, dazwischen liegen Telefonate mit Agenturen, Präsentationen bei der Regie und die Sichtung eingegangener Materialien. Die Arbeit ist projekthaft: In Hochphasen sehr intensiv, dazwischen ruhiger.

Beispiele

  • Das renommierte Casting-Büro Nesselhauf & Schwarz in Köln hat zahlreiche bekannte deutsche Fernsehproduktionen besetzt.
  • Internationale Koproduktionen erfordern oft internationales Casting, bei dem Casting Directors in mehreren Ländern zusammenarbeiten.
  • Netflix Deutschland hat eigene Casting-Teams, die Serienproduktionen wie „Dark" oder „Kleo" begleitet haben.
  • Werbeproduktionen buchen Casting Directors für spezifische Typologien – hier zählt Schnelligkeit.

In der Praxis

Ausbildungsweg

Es gibt keine formale Ausbildung zum Casting Director. Der Weg führt über:

  1. Hospitanz in einem Casting-Büro – der häufigste Einstieg
  2. Arbeit als Casting-Assistent über mehrere Jahre
  3. Aufbau eines eigenen Netzwerks mit Agenturen, Regisseure und Produktionsfirmen
  4. Studium der Theaterwissenschaft, Schauspiel oder Filmproduktion als Basis

Die Vereinigung Casting Directorinnen und Casting Directors Deutschland e.V. (VCDD) ist der maßgebliche Berufsverband (vcdd.de).

Verdienst

Casting Directors arbeiten meist projektgebunden und honorarbasiert. Für einen deutschen Spielfilm mit mittlerem Budget werden Honorare von 15.000–40.000 Euro für das gesamte Casting ausgehandelt. Bei großen internationalen Koproduktionen deutlich mehr. TV-Serien zahlen häufig Staffelverträge.

Karrierepfad

Casting-Assistent → Junior Casting Director → Casting Director → Gründung eigenes Casting-Büro. Die Karriere ist stark netzwerkabhängig.

Vergleich & Abgrenzung

BerufKernaufgabe
Casting-DirectorSchauspieler finden und besetzen
Produzent-FilmGesamtverantwortung für die Produktion
SchauspielagentVertritt Schauspieler, verhandelt Verträge

Der Casting Director arbeitet für die Produktion, der Schauspielagent für den Schauspieler. Beide müssen gut miteinander zusammenarbeiten.

Häufige Fragen (FAQ)

Entscheidet der Casting Director, wer besetzt wird? Nein – die finale Entscheidung liegt bei Regie und Produktion. Der Casting Director bereitet die Entscheidung vor, präsentiert Kandidaten und gibt Empfehlungen.

Kann ich mich direkt beim Casting Director bewerben? Als Schauspieler normalerweise über eine Agentur. Ohne Agentur sind Bewerbungen per Video möglich, aber oft weniger erfolgreich.

Was ist der Unterschied zu einem Talentscout? Ein Talentscout sucht neue Gesichter ohne konkretes Projekt. Der Casting Director besetzt für ein bestimmtes Projekt.

Wie wichtig ist Netzwerk? Extrem wichtig. Casting Directors müssen Hunderte von Schauspielern kennen und sofort wissen, wer für welche Rolle in Frage kommt.

Weiterführend

  • VCDD – Vereinigung Casting Directorinnen und Casting Directors Deutschland: vcdd.de
  • CSA – Casting Society of America: castingsociety.com
  • Dörte Meinecke: Casting (in: Praxis Film, UVK, 2020)
  • Tarifvertrag für Filmschaffende (ver.di, 2022)
  • Crew United: crew-united.com
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