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Drehbuchautor:innen schreiben die Vorlage für Spielfilme, Serien, Fernsehfilme und andere dramatische Formate – in einem spezifischen Format (das Drehbuch), das Szenen, Dialoge und Handlungsanweisungen für die filmische Umsetzung strukturiert.

Was macht ein:e Drehbuchautor:in?

Das Drehbuch ist der Bauplan des Films – und Drehbuchautor:innen sind die Architekt:innen dieser Vorlage. Sie entwickeln Figuren, Konflikte, dramaturgische Bögen und übersetzen diese in die spezifische Form des Drehbuchs: Szenenanweisungen (Sluglines), Handlungsbeschreibungen und Dialoge.

Der Beruf ist ein Handwerk und eine Kunst zugleich: Handwerk, weil das Drehbuch einer sehr spezifischen Formatierung und dramaturgischen Logik folgt, die erlernt werden müssen. Kunst, weil gute Drehbücher nicht formelhaft sind, sondern lebendige Charaktere und originelle Geschichten erzählen.

In Deutschland arbeiten Drehbuchautor:innen sowohl für Kino als auch für Fernsehen (ARD, ZDF, Sat.1, RTL) und zunehmend für internationale Streaming-Plattformen (Netflix-Serien wie „Babylon Berlin" oder „Dark" wurden von deutschen Autor:innen maßgeblich geprägt). Die Arbeitsweise unterscheidet sich stark: Kinofilme werden oft als Solo-Projekt entwickelt; US-amerikanische Serien-Authorship mit Writers' Rooms hält auch in Deutschland Einzug.


Aufgaben am Set / in der Postproduktion

Stoffentwicklung:

  • Exposé / Treatment entwickeln (Kurzdarstellung der Geschichte)
  • Pitch-Dokument für Produzent:innen oder Sender erstellen
  • Drehbuch-Ausarbeitung: Step Outline → First Draft → Multiple Revisions
  • Entwicklungsgespräche mit Produzent:in, Sendredakteur:in, Dramaturg:in

Drehbuchrevision:

  • Überarbeitungen auf Basis von Feedback (Produzent, Sender, Regie, Förderinstitutionen)
  • Anpassungen an Budget oder Casting (wenn bestimmte Schauspieler:innen gewünscht)
  • „Polish" und „Page One Rewrite" (minimale bis vollständige Überarbeitungen)

Während der Produktion (gelegentlich):

  • Set-Visits und Abstimmung mit Regie bei Fragen zur Figurenmotivation
  • Kurzfristige Dialogänderungen (mit Zustimmung der Autor:in)

Postproduktion:

  • Keine direkte Beteiligung (außer bei umfangreichen Umschreibungen durch Nachdreh)

Ausbildung & Einstieg

Filmhochschulen (Drehbuch/Regie):

  • HFF München – Drehbuch als eigenständiger Studiengang; anerkannt als einer der besten in Deutschland
  • DFFB Berlin – Drehbuch-Ausbildung in interdisziplinärer Umgebung
  • ifs Köln – Drehbuchschreiben als Studiengang (Serienformat besonders stark)
  • Filmakademie Baden-Württemberg – Drehbuch im Rahmen des Regie-Studiengangs
  • Filmuniversität Babelsberg – Szenisches Schreiben als Studiengang

Alternativer Einstieg:

  • Literatur-, Theaterwissenschafts- oder Germanistik-Studium + autodidaktisches Screenwriting-Lernen
  • Drehbuch-Workshops und -Seminare (z. B. Drehbuchcamp, Script Meetings beim Filmfest Hamburg)
  • Entwicklungsprogramme:

- Drehbuchwerkstatt München (renommiertes Weiterbildungsprogramm) - First Steps (Förderung für Absolvent:innen) - Drehbuchforum Wien (österreichisch, für deutschsprachige Szene relevant)

Einstieg Kurzfilm: Viele Drehbuchautor:innen schreiben zunächst Kurzfilme für Filmstudent:innen – als günstiger Weg, die Arbeit im Kontext zu erleben.


Gehalt & Markt

Das Drehbuch-Honorar wird nach Minutenlänge des fertigen Films oder als Pauschalvertrag vereinbart. Der VDD (Verband Deutscher Drehbuchautoren) hat Mindesthonorare verhandelt.

ProduktionHonorar (ca.)
TV-Movie 90 min (ARD/ZDF)40.000 – 120.000 € (VDD-Empfehlung ca. 80.000 €)
Serienfolge 45 min (öffentlich-rechtlich)15.000 – 50.000 €
Spielfilm Kino (mittleres Budget)30.000 – 150.000 €
Streamingfolge (Netflix/Amazon DE)20.000 – 80.000 €
Kurzfilm1.000 – 8.000 €

Hinzu kommen Wiederholungshonorare (GEMA/VG Wort) und internationale Verwertungen. Viele Drehbuchautor:innen kombinieren Arbeit als Drehbuchautor:in mit freiem Schreiben, Lehraufträgen oder Prosa-Arbeit.


Tools & Ausrüstung

  • Drehbuch-Software: Final Draft (Industriestandard), WriterDuet (kollaborativ, Cloud), Celtx (günstig/kostenlos), Highland 2 (Mac)
  • Struktur-Software: Scrivener (für komplexe Strukturentwicklung), Index Cards, Plottr
  • Recherche: JSTOR, Bibliotheken, Interviews, Archivarbeit
  • Pitch-Präsentation: PowerPoint, Keynote, Story-Pitch-Decks
  • Drucker / PDF-Export: Drehbücher werden weiterhin oft ausgedruckt und physisch annotiert

Vergleich & Abgrenzung

RolleUnterschied zur Drehbuchautorin
Regisseur:inSetzt das Drehbuch visuell um; verändert es in der Praxis oft
Story Editor / Dramaturg:inGibt Feedback und Entwicklungsimpulse; schreibt nicht selbst
Co-Autor:in / Writers' RoomKollektives Schreiben im amerikanischen TV-Format; wächst in Deutschland langsam
Buchautor:inSchreibt Prosa; Drehbuch ist ein anderes Handwerk mit eigenen Konventionen

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen einem Drehbuch und einem Treatment? Das Treatment ist eine Kurzfassung der Geschichte (3–30 Seiten), die als Entwicklungsgrundlage und für Pitches genutzt wird. Das Drehbuch ist die vollständig ausgearbeitete Fassung in Drehbuchformat – ca. 1 Seite = 1 Minute Film, also ca. 90–120 Seiten für einen Spielfilm.

Kann ich ein Drehbuch schützen lassen? In Deutschland entsteht Urheberrechtsschutz automatisch mit dem Schreiben – eine Registrierung ist nicht zwingend erforderlich. Der VDD bietet eine Drehbuch-Registrierung an, die als Zeitnachweis dient. Praktisch wird das Manuskript oft per verschlüsselter E-Mail oder über Dienste wie Fade In Online gesichert.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD): drehbuchautoren.de
  • Drehbuchwerkstatt München: drehbuchwerkstatt.de
  • Syd Field: Das Drehbuch – Die Grundlagen des Drehbuchschreibens, Autorenhaus Verlag
  • Robert McKee: Story – Die Prinzipien des Drehbuchschreibens, Alexander Verlag
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