Line Producer ist die operative Führungskraft einer Filmproduktion, die das Gesamtbudget verwaltet, alle Produktionsgewerke koordiniert und als Bindeglied zwischen der kreativen Leitung (Regie/Produktion) und der praktischen Umsetzung am Set fungiert.
Rubrik: Berufsfelder · Unterrubrik: Film & TV · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Produktionsleiter/in, UPM (Unit Production Manager, US), Herstellungsleiter/in (veralteter dt. Terminus)
Was ist ein/e Line Producer?
Während der Produzent/in (Film & TV) ein Projekt initiiert, finanziert und strategisch verantwortet, ist der Line Producer derjenige, der es operativ zum Laufen bringt: Er/sie erstellt das Produktionsbudget, stellt die Crew zusammen, verhandelt Verträge mit Dienstleistern und stellt sicher, dass das Projekt innerhalb des genehmigten Budgets und Zeitplans abgeschlossen wird.
Erklärung
Aufgabenbereiche
Budgetierung (Vorproduktion):
- Erstellung des detaillierten Produktionsbudgets auf Basis des Drehbuchs und des Regiekonzepts
- Kostenkalkulation aller Gewerke (Kamera, Licht, Ton, Maske, Kostüm, Set-Bau, Catering, Transport, Versicherung)
- Verhandlung mit Förderern, Sendern und Koproduktionspartnern über Budget-Positionen
- Budget-Szenarien für verschiedene Finanzierungsniveaus
Crew-Zusammenstellung:
- Auswahl und Verhandlung mit Schlüsselkräften (DoP, Regieassistenz, Chefmaske etc.)
- Vertragswesen (Arbeitsverträge, freie Mitarbeit, Tarife nach ver.di)
Produktion (während des Drehs):
- Tägliche Budget-Kontrolle: Ist-Kosten vs. Plan
- Freigabe von Mehrkosten (Change Orders)
- Kommunikation mit Aufnahmeleiter/in über Drehtags-Costs
- Koordination von Catering, Versicherungen, Sicherheit
Abschluss:
- Endabrechnung aller Kosten
- Zuarbeit für Förderabrechnung (FFA, Länderförderer, DFFF)
- Rückgabe von gemieteten Ausrüstungen
Budget-Struktur eines Films (vereinfacht)
Ein professionelles Filmbudget gliedert sich in:
- Above-the-Line (ATL): Drehbuch, Regie, Produktion, Hauptdarsteller (fixe künstlerische Kosten)
- Below-the-Line (BTL): Alles andere – Crew, Equipment, Sets, Post-Produktion, Transport
- Contingency: Reserve (üblich 5–10 % des Gesamtbudgets)
Der Line Producer ist primär für BTL und Contingency zuständig.
Budget-Software
- Movie Magic Budgeting: Industriestandard für Filmbudgetierung
- FilmFreeway Budgeting: kleinere Produktionen
- Microsoft Excel: weitverbreitet für TV-/Serienproduktionen
Beispiele
Der Line Producer ist eine Schlüsselfigur im Hintergrund. Bei großen Produktionen wie Babylon Berlin (Studio Canal) oder Serien wie Dark (Netflix Deutschland) haben mehrere Line Producer sequenziell oder parallel gearbeitet. International bekannte UPMs: Kathleen Kennedy begann ihre Karriere als UPM.
In der Praxis
Ausbildungsweg
Es gibt keinen direkten Ausbildungsweg zum Line Producer:
- Aufstieg über Aufnahmeleitung: Aufnahmeleiter/in → Produktionsleiter/in → Line Producer
- Studium Filmproduktion: HFF München, Filmakademie Baden-Württemberg, ifs Köln
- BWL + Filmerfahrung: Betriebswirtschaftlicher Hintergrund ist sehr wertvoll
- Assistenz in Produktionsbüros: Produktionsassistent/in → Produktionsbuchhaltung → Produktionsleitung
Anforderungsprofil
- Exzellente Excel/Budget-Software-Kenntnisse
- Tiefes Verständnis des Filmförderungssystems (FFA, DFFF, Länderförderer)
- Tarifkenntnisse (ver.di-Tarife Film)
- Durchsetzungsvermögen und Verhandlungsstärke
- Diplomatisches Geschick (zwischen Kreativteam und Budget-Realität)
Vergütung
- Produktionsassistent/in (Einstieg): 100–200 € pro Tag
- Junior Produktionsleiter/in: 400–600 € pro Tag
- Line Producer (TV-Movie): 600–1.000 € pro Tag
- Line Producer (Kino/Streaming): 1.000–2.500 € pro Tag
- Monatspauschalen bei Langzeitprojekten: 6.000–12.000 € brutto/Monat
Relevante Verbände
- Bundesverband Produktion (BPR)
- Produzentenallianz
- ver.di – Fachgruppe Medien
Vergleich & Abgrenzung
Der Line Producer unterscheidet sich vom Produzent/in (Film & TV) dadurch, dass er/sie nicht kreativ initiiert, sondern operativ ausführt. Gegenüber dem Aufnahmeleiter/in hat der Line Producer mehr Gesamtverantwortung und ist hierarchisch übergeordnet. Im US-System entspricht der Line Producer weitgehend dem UPM (Unit Production Manager).
Häufige Fragen (FAQ)
Was verdient ein Line Producer bei Netflix-Produktionen? Netflix-Produktionen in Deutschland zahlen überdurchschnittliche Honorare. Line Producer berichten von 12.000–20.000 € pro Monat bei Langzeitprojekten, wobei die genauen Konditionen stark variieren.
Was ist der Unterschied zwischen Line Producer und Produzent? Der Produzent ist der unternehmerische Kopf, der das Projekt entwickelt und die Finanzierung sichert. Der Line Producer führt aus, was der Produzent geplant hat, und stellt sicher, dass es innerhalb des Budgets passiert.
Braucht man Film-Erfahrung für den Einstieg? Ja – die Produktionshierarchie wird von unten aufgebaut. Als quereinsteigende BWLer/in ohne Set-Erfahrung fehlt das Verständnis für die Realität der Filmproduktion.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Clevé, Bastian: Film Production Management, Focal Press, 2006
- Honthaner, Eve Light: Hollywood Drive: What It Takes to Break in, Hang in & Make It in the Entertainment Industry, Focal Press, 2005
- Ryan, Maureen: Producer to Producer, Michael Wiese Productions, 2010
- Movie Magic Budgeting: Software Documentation, entertainmentpartners.com, 2023
